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Warum der HC Davos in dieser Saison (noch) nicht vom Fleck kommt

Frederic Allard (HCD), rechts, im Eishockey Spiel der National League zwischen HC Davos (HCD) und HC Ajoie (HCA), am Freitag, 2. Oktober 2026, in der VAT Arena in Davos. (KEYSTONE/Gian Ehrenzeller)
Der HCD enttäuscht in dieser Saison bislang.Bild: keystone
Analyse

Warum der HC Davos in dieser Saison (noch) nicht vom Fleck kommt

Der HC Davos ist mit zuletzt drei Niederlagen in Serie auf Platz 11 abgerutscht. Die Probleme bei den Bündnern sind schnell gefunden. Doch es gibt auch Mutmacher.
16.10.2026, 11:0216.10.2026, 11:02

Letzte Saison stürmte der HC Davos mit 119 Punkten in der Regular Season der Konkurrenz davon und bis in den Playoff-Final. Dort war erst in Spiel 7 gegen Fribourg-Gottéron Schluss. Heuer sind die Bündner deutlich schlechter aus den Startblöcken gekommen. Nach elf Spielen – also rund einem Fünftel der Saison – liegen sie nur auf Platz 11 und damit gar unter dem Play-In-Strich.

Was ist bei Davos also anders in dieser Saison? Wo liegen die Probleme? Und gibt es Punkte, die den HCD-Fans für den Rest der Saison auch Hoffnung machen können? Schauen wir es uns an.

Die Probleme

Viel Veränderung

Der erste Punkt ist offensichtlich: Der HC Davos der aktuellen Saison ist nicht mehr die gleiche Mannschaft, die letzte Saison Vizemeister wurde. Wichtige Teamstützen haben den Klub verlassen: Captain und Topskorer Matej Stransky, Abwehrchef Klas Dahlbeck, die Nationalspieler Simon Knak und Michael Fora oder auch wichtige Rollenspieler wie Chris Egli oder Rico Gredig. Dass kurz nach Saisonbeginn auch noch Top-Center Simon Ryfors mit einem Kreuzbandriss für den Rest der Spielzeit ausfiel und auch Rasmus Asplund mehrere Wochen fehlt, erschwerte die Situation zusätzlich.

PostFinance Top Scorer Matej Stransky (HCD) im siebten Eishockey Playoff Finalspiel der National League zwischen HC Davos (HCD) und HC Fribourg-Gotteron (HCFG), am Donnerstag, 30. April 2026, in der z ...
Matej Stransky fehlt beim HCD Bild: keystone

Natürlich war Sportchef Jan Alston selbst auch aktiv auf dem Transfermarkt. Er hat mit Verteidiger Dominik Egli und Stürmer Ken Jäger zwei andere Schweizer Nationalspieler ins Landwassertal gelockt. Zudem verpflichtete er die Nachwuchs-Internationalen Lars Steiner (18) und Guus Van der Kaajj (19). Bei so vielen Veränderungen ist es verständlich, dass die Mannschaft einige Zeit braucht, bis sie wieder gleich gut harmoniert wie im Vorjahr. Doch es gibt auch Anzeichen, dass die Teamzusammenstellung nicht mehr gleich gut passt.

Und wenn wir schon bei den Soft-Faktoren sind: Auch wenn das von aussen nur schwer zu beurteilen ist, so scheint dem HCD ein echter Leader zu fehlen. Jäger konnte Stransky als emotionalen Leader bislang nicht ersetzen und auch Enzo Corvi, Filip Zadina, Sven Jung oder Dominik Egli springen in dieser Hinsicht zu wenig in die Bresche.

Ken Jaeger (HCD), im Eishockey Spiel der National League zwischen HC Davos (HCD) und HC Ajoie (HCA), am Freitag, 2. Oktober 2026, in der VAT Arena in Davos. (KEYSTONE/Gian Ehrenzeller)
Ken Jäger ist noch nicht richtig beim HCD angekommen.Bild: keystone

Verschlechterte Verteidigung

Was sofort auffällt: Der HC Davos kassiert mehr Gegentore als noch in der Vorsaison. Im Durchschnitt ist es pro Spiel fast ein halber zusätzlicher Gegentreffer. Dabei ist es nicht so, dass die Bündner vom Pech verfolgt sind und einige unglückliche Gegentore mehr kassieren. Sie verteidigen tatsächlich markant schlechter als noch im Jahr zuvor.

Es ist nicht so, dass der HCD in der Vizemeistersaison ein defensives Spitzenteam war, er bewegte sich damals im Mittelfeld der Liga. Doch dieses Jahr ist er mit 2,66 Expected Goals Against pro 60 Minuten 5-gegen-5-Eishockey in den Tabellenkeller abgestürzt. Nur Ajoie und Ambri lassen noch mehr und gefährlichere gegnerische Chancen zu.

Woher die neue Schwäche in der Defensive kommt, wird klar, wenn wir uns die Angriffsszenarien anschauen. Die Mannschaft von Josh Holden hat in dieser Saison grosse Mühe, wenn die Gegner ein aktives Forechecking betreiben. In diesem Szenario lässt sie in dieser Saison 0,80 Expected Goals pro 60 Minuten zu – das sind 0,32 Expected Goals mehr als im Vorjahr und es ist der mit Abstand schlechteste Wert der Liga.

In dieser Hinsicht vermisst Davos sicher die Qualitäten eines Klas Dahlbecks, der ein Meister darin war, das gegnerische Forechecking mit gutem Skating oder klugen Pässen zu umgehen. Eigentlich besitzen auch Lukas Frick oder Neuzugang Dominik Egli diese Qualitäten. Frick leistet sich immer wieder Puckverluste, Fehlpässe und verliert wichtige Zweikämpfe in der eigenen Zone. Wenn der Ostschweizer auf dem Eis steht, lässt Davos deutlich mehr gegnerische Chancen zu als noch im Vorjahr. 2025/26 profitierte Frick von Dahlbeck als verlässlichem Verteidigungspartner an seiner Seite. Nun spielt er zumeist mit dem offensiver orientierten Frédéric Allard und das scheint noch nicht zu harmonieren.

Auch Egli ist enttäuschend in die Saison gestartet. Von ihm erhoffte sich Davos primär auch, dass er das Spiel in die offensive Zone drückt, was ihm bislang überhaupt nicht gelingt. Der 28-Jährige hat Mühe, sauber aus der eigenen Zone zu kommen und kreiert von allen Davoser Verteidigern die wenigste Torgefahr. Das schlägt sich auch in den nackten Statistiken nieder: Null Tore und vier Assists aus elf Spielen sind für einen Spieler von seinem Kaliber zu wenig.

Dominik Egli (HCD) im Eishockey Spiel der National League zwischen dem HC Davos (HCD) und dem EHC Kloten (ECHK), am Freitag, 9. Oktober 2026, in der VAT Arena in Davos. (KEYSTONE/Gian Ehrenzeller)
Ist enttäuschend in die Saison gestartet: Dominik Egli.Bild: keystone

Und natürlich sind für die Verteidigung nicht nur die Verteidiger verantwortlich, auch die Stürmer müssten ihre Hinterleute besser unterstützen. Auch hier fallen der Abgang von Stransky und der Ausfall von Ryfors stark ins Gewicht. Beide Stürmer waren in der Lage, die gegnerischen Chancen bei ihren Einsätzen zu reduzieren. Ken Jäger oder Enzo Corvi sind in der eigenen Zone nicht gleich verlässlich.

Ungenügende Effizienz

Letzte Saison wurde beinahe alles, was der HCD anfasste, zu Gold. In der Regular Season gingen 12,57 Prozent der Torschüsse tatsächlich rein – der Ligadurchschnitt lag bei 9,42 Prozent. In der neuen Saison kreiert Davos ähnlich viele Chancen wie im Vorjahr, es fehlt aber noch die Durchschlagskraft und das nötige Abschlussglück. Aktuell liegt die Schusseffizienz der Bündner bei exakt 9 Prozent. Das ist zwar nicht schlecht, aber in der eher chaotischen Anfangsphase einer Saison mit vielen Toren trotzdem der zweittiefste Wert der National League.

Auch im Powerplay – das letzte Saison auf dem Weg zum Gewinn der Regular Season eine grosse Waffe. Jede vierte Überzahlgelegenheit wandelte die Mannschaft von Josh Holden in ein Tor um. Auch hier war sie Ligaspitze. Nun ist die Lage ähnlich wie bei fünf-gegen-fünf: Davos kreiert ähnlich viele Chancen wie letzte Saison, aber die Effizienz lässt noch zu wünschen übrig. Mit einer Effizienz von 16 Prozent sind die Bündner auf dem zweitletzten Platz zu finden, nur Schlusslicht Kloten ist in Überzahl noch harmloser.

Der HCD wird hoffen, dass die Verpflichtung des Kanadiers Joseph Blandisi, der als Sniper gilt, in dieser Kategorie auch etwas Abhilfe schaffen kann.

  • Stürmer
  • Verteidiger
  • Torhüter
Player Image

Nation Flag

Aktuelle
Note

info
  • 7

    Ein Führungsspieler, der eine Partie entscheiden kann und sein Team auf und neben dem Eis besser macht.

  • 6-7

    Ein Spieler mit so viel Talent, dass er an einem guten Abend eine Partie entscheiden kann und ein Leader ist.

  • 5-6

    Ein guter NL-Spieler: Oft talentierte Schillerfalter, manchmal auch seriöse Arbeiter, die viel aus ihrem Talent machen.

  • 4-5

    Ein Spieler für den 3. oder 4. Block, ein altgedienter Haudegen oder ein Frischling.

  • 3-4

    Die Zukunft noch vor sich oder die Zukunft bereits hinter sich.

  • Die Bewertung ist der Hockey-Notenschlüssel aus Nordamerika, der von 1 (Minimum) bis 7 (Maximum) geht. Es gibt keine Noten unter 3, denn wer in der höchsten Liga spielt, ist doch zumindest knapp genügend.

Punkte

Goals/Assists

Spiele

Strafminuten

  • Er ist

  • Er kann

  • Erwarte

Luca Hollenstein

Letzte Saison hatte der HC Davos eines der besten Goalie-Duos der Liga und das lag zu weiten Teilen auch an Luca Hollenstein, der in der Rolle der Nummer 2 brillierte. Noch ist es zwar zu früh für ein definitives Fazit, doch in seinen ersten Auftritten dieser Saison, nachdem ein Innenbandriss die letzte vorzeitig beendete, strahlte der Churer noch nicht die gleiche Sicherheit aus.

Hinter der stark verschlechterten Verteidigung ist seine Aufgabe natürlich schwieriger geworden. Aber 2025/26 bewahrte Hollenstein sein Team gemessen an den zugelassenen Chancen, vor fast zehn zusätzlichen Gegentoren. Dieses Jahr kassiert der 26-Jährige bislang mehr Tore, als aufgrund der zugelassenen Chancen zu erwarten gewesen wäre. Die Differenz zum Vorjahr ist mit mehr als einem Gegentor Unterschied pro 60 Minuten Spielzeit beträchtlich.

Natürlich ist es durchaus realistisch, dass Hollenstein nach seiner Verletzung das Selbstvertrauen erst wiederfinden muss und er sich so im Verlauf der Saison noch steigert.

Die Hoffnungsmacher

Sandro Aeschlimann

Auf der anderen Seite dieses Spektrums steht die Davoser Nummer 1 Sandro Aeschlimann. Auch für ihn ist die Arbeit hinter der schwächeren Verteidigung natürlich schwieriger geworden, aber das schien den Emmentaler in den ersten Spielen nicht zu beeindrucken. Wenn man die Goals Saved Above Expected auf 60 Minuten Einsatzzeit herunterbricht, ist Aeschlimann aktuell noch besser als in der Vorsaison. Oft hält er Davos trotz schwacher Auftritte lange im Spiel. Wenn er so weiterspielt, werden für den HCD auch wieder erfolgreichere Zeiten kommen.

Gutes Penalty Killing

Eishockey ist manchmal verrückt. Jetzt haben wir lang und breit analysiert, warum die Davoser Verteidigung in dieser Saison deutlich instabiler geworden ist. Sobald aber nicht mehr fünf, sondern nur noch vier oder gar drei Davoser auf dem Eis stehen, funktioniert die Verteidigung plötzlich wieder.

Der HCD stellt gemeinsam mit dem SC Bern das beste Penalty Killing der National League. Natürlich ist die Situation in Unterzahl eine andere. Es reicht, das gegnerische Spiel zu zerstören, und man muss nicht an die eigene Offensive denken. Trotzdem dürfte das für die Verteidigung von Josh Holdens Mannschaft ein Mutmacher sein.

Enge Liga

Die beste Nachricht für den HC Davos nach dem verkorksten Saisonstart: Die Liga ist – mit Ausnahme der immer noch ungeschlagenen ZSC Lions – extrem ausgeglichen. Servette auf Platz 2 liegt acht Punkte vor Davos. Der Playoff-Strich ist gar nur drei Punkte entfernt.

Die Saison ist für den HCD also noch längst nicht verloren. Einige gute Spiele in Serie und die Bündner sind plötzlich wieder in der Spitzengruppe, wo sie von den meisten Experten auch dieses Jahr erwartet wurden.

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quelle: keystone / ennio leanza
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