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Es gibt viel zu jubeln für die Tigers in dieser Saison.
Es gibt viel zu jubeln für die Tigers in dieser Saison.Bild: Sandro Stutz/freshfocus
Geht der Beste?

Langnau mit «Stängeli» – und ewig fragt das Murmeltier: Aber wie gut sind wir?

Langnau siegt und siegt und rollt auch beim Auftakt zum NLB-Halbfinale einfach über Langenthal hinweg. Und doch weiss nach wie vor niemand, wie gut die SCL Tigers wirklich sind. Fest steht erst: Anton Gustafsson könnte den Aufstieg in die NLA schaffen.
02.03.2015, 07:1202.03.2015, 09:18

Nach 7 Minuten und 20 Sekunden führt Langnau 5:1 gegen den SC Langenthal. Am Ende steht es 10:2, garniert mit 91 Strafminuten und bester Unterhaltung. Alles klar? Nein, nichts ist klar.

Die SCL Tigers schenken Langenthal gleich zehnmal ein.
Die SCL Tigers schenken Langenthal gleich zehnmal ein.Bild: Sandro Stutz/freshfocus

Wie gut sind die SCL Tigers wirklich? Seit nunmehr sechs Monaten, seit 48 Runden und fünf Playoffpartien suchen die Hockeyfans vergeblich eine Antwort auf diese Frage. In Anlehnung an eine Filmkomödie («Und täglich grüsst das Murmeltier») können wir sagen: Und ewig fragt das Murmeltier: Aber gut sind wir?

Hilfe von den Unparteiischen

Das Leben der Langnauer ist nach wie vor eine Ponyranch. Sie werden einfach nicht gefordert. Nicht während der Qualifikation, nicht von Hockey Thurgau im Viertelfinale und offensichtlich auch nicht von Langenthal im Halbfinale. Natürlich haben die Schiedsrichter den Langnauern geholfen. Sie taxieren den harten Check von Daniel Carbis als Angriff auf den Kopf und sprechen die härteste Sanktion aus (Matchstrafe). Als die fünf Minuten um sind steht es 4:1. Aus. Fertig. Vorbei.

Der interessanteste Einzelspieler ist zweifelsfrei Anton Gustafsson (25). Für ihn ist Weihrauch gefordert. Weil Lob nicht genug ist. Er steuerte zum 10:2 fünf Tore und einen Assist bei und hat nun in fünf Playoffpartien zwölf Tore erzielt, aber noch keinen Vertrag für nächste Saison. Er sagt: «Ich weiss noch nicht, ob ich in Langnau bleiben werde. Alles ist offen.» Sein Agent ist der clevere Dani Giger. Das kann teuer werden. Unter anderem sind inzwischen Biel, die Lakers, Lausanne und Ambri interessiert. Sportchef Jörg Rebers Alptraum: Die Mannschaft verpasst den Aufstieg, aber Anton Gustafsson spielt nächste Saison in der höchsten Liga.

Sollte Langnau den Aufstieg verpassen, könnte Anton Gustafsson (mitte) vielleicht trotzdem bald schon in einer höheren Liga spielen.
Sollte Langnau den Aufstieg verpassen, könnte Anton Gustafsson (mitte) vielleicht trotzdem bald schon in einer höheren Liga spielen.Bild: Sandro Stutz/freshfocus

Jörg Reber hat es versäumt, den Vertrag im Dezember zum «Nulltarif» zu verlängern. Er rechtfertigt sich: «Wir konnten doch nicht mit einem Spieler den Vertrag verlängern, bei dem wir nicht einmal sicher sein konnten, ob er nächste Saison spielen kann.» Tatsächlich war noch im Dezember fraglich, ob es überhaupt eine Karrieren-Fortsetzung für den sanften schwedischen Riesen (187 cm/92 kg) gibt. Weil er seit 2008 nie mehr eine Saison verletzungsfrei durchgespielt hat. Die Profikarriere musste er in Nordamerika bereits in der ersten Saison 2009 ohne NHL-Einsatz abbrechen. Dreimal das Kreuzband und einmal das Innenband im Knie gerissen, mehrere Gehirnerschütterungen und immer wieder Rückenprobleme.

Nicht nur aus Vitamin-B-Gründen gezogen

Erst jetzt sehen wir: NHL-Scouts hatten doch recht (vergl. Bild: Original-Scouting-Report). Denn Washington hatte Anton Gustafsson 2008 in der ersten Runde (Nr. 21) gezogen. Was bald einmal verächtlich als Beziehungsdelikt abgetan worden ist: Anton Gustafsson ist der Bub von Washington-Legende und Langnau-Trainer Bengt-Ake Gustafsson.

Aus der Zeit, als sein Vater in Langnau schon einmal Trainer war (1999 bis 2001), hat Gustafsson junior eine Schweizer Lizenz. Er war damals 9 Jahre alt, ging in Langnau zur Schule und spricht seither breitestes Emmentaler-Berndeutsch. Der junge Familienvater beansprucht keine Ausländer-Lizenz und hat nur deshalb in Langnau überhaupt noch einmal eine Chance bekommen. Während der NLB-Qualifikation kam er diese Saison nur in 13 Partien zum Einsatz (8 Skorerpunkte) und insgesamt hatte er vor diesen Playoffs für Langnau in 73 Partien lediglich 5 Tore erzielt. Es gab diese Saison im Emmental bissige Kritik: Es gehe doch nicht an, dass der Bub des Trainers so viel Eiszeit bekomme, um wieder in Form zu kommen. Der tauge eh nichts und es wäre besser, die eigenen Junioren einzusetzen. Nun verneigen sich die Kritiker so tief sie es vermögen.

Es gehört sich nicht, den Gegner zu demütigen

Langnau segelt auf Finalkurs – doch das Halbfinale könnte uns noch kernige Unterhaltung bescheren. Nach dem Spiel gerieten die beiden Trainer Jason O’Leary und Bengt-Ake Gustafsson aneinander. Langenthals Bandengeneral enervierte sich, weil die Langnauer auch dann die besten Spieler im Powerplay laufen liessen, als alles längst entschieden war. In Nordamerika ist es ein ungeschriebenes Gesetz, dass dies nicht getan wird. Weil es sich nicht gehört, in den Playoffs den Gegner zu demütigen. Sportchef Jörg Reber beendete die Diskussion mit der Zurechtweisung: «Kümmere dich um deine Mannschaft und wir kümmern uns um unser Team.»

Jason O’Leary blüht jedenfalls in diesen Playoffs zu einem Chris McSorley im Westentaschenformat auf. Nach der Schiedsrichterleistung gefragt, sagte er zum Erstaunen der Chronisten, die schon die Griffel für eine Polemik gespitzt hatten: «Oh, sie waren wunderbar. Sie hatten alles im Griff und kontrollierten das Spiel.» Um hinterher zu gestehen: «Eine ehrliche Antwort hätte mir eine Busse und womöglich auch noch eine Sperre eingetragen.»

Wir können davon ausgehen, dass die SCL Tigers ins Finale einziehen werden. Aber vorher wird es noch gehörig rocken und rollen.

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