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Tränen und Angst: Irans Fussballerinnen verlassen Australien

epa12810145 Members of Iranian women's national soccer team arrive at the Kuala Lumpur International Airport in Sepang, Malaysia, 11 March 2026. At least five teammates were granted asylum in Aus ...
Die Spielerinnen Irans am Flughafen in Kuala Lumpur.Bild: keystone

Tränen und Angst: Irans Fussballerinnen verlassen Australien

11.03.2026, 08:1511.03.2026, 08:15

Einige weinten, andere umarmten sich lange, bevor sie ihre Plätze im Flugzeug einnahmen: Die Abreise der iranischen Frauen-Fussballnationalmannschaft aus Australien verlief Augenzeugen zufolge äusserst emotional. Für viele Spielerinnen dürfte damit die Chance auf Asyl in Down Under endgültig vorbei sein. Sieben Teammitglieder hatten sich zuvor entschieden, das Angebot der australischen Regierung auf humanitäre Visa anzunehmen – eine der Frauen änderte aber in letzter Minute noch ihre Meinung.

Journalisten der Zeitung «Sydney Morning Herald», die den Nachtflug von Sydney nach Kuala Lumpur begleiteten, berichteten von dramatischen Szenen. Kurz vor dem Boarding hätten mehrere Spielerinnen Tränen in den Augen gehabt. Eine Frau habe noch ein letztes Telefonat mit ihrer Familie geführt, um zu entscheiden, ob sie zu den Teamkolleginnen gehören wollte, die in Australien bleiben. Am Ende stieg sie dennoch in das Flugzeug.

Angst vor Konsequenzen wegen stillem Protest

Die Reise der «Löwinnen», wie die Mannschaft genannt wird, steht seit Tagen im Mittelpunkt internationaler Aufmerksamkeit. Das Team war wegen eines stillen Protests beim in Australien ausgetragenen Asien-Cup in der Heimat in die Kritik geraten. Beim ersten Gruppenspiel hatten die Spielerinnen während der Nationalhymne geschwiegen – im Iran wurde das als Zeichen gegen die Führung in Teheran gewertet. Staatsmedien bezeichneten sie später als «Verräterinnen», auch wenn sie bei den folgenden Partien wieder mitsangen.

Beobachter befürchten, dass den Frauen nach ihrer Rückkehr Konsequenzen drohen. Oder dass ihre Familien unter Druck geraten, falls sie nicht zurückkehren sollten.

epa12803290 Iranian players listen during their national anthem before the AFC Women’s Asian Cup Group A match between Iran and Philippines at the Gold Coast Stadium in Gold Coast, Australia, 08 March ...
Die iranischen Spielerinnen verzichteten zu Beginn des Turniers auf das Singen der Hymne.Bild: keystone

«Ich darf nicht mit Ihnen sprechen»

Während des Flugs sassen viele der Frauen nach Angaben des «Sydney Morning Herald» schweigend in der Economy-Kabine. Auf Fragen reagierten sie zurückhaltend. «Ich darf nicht mit Ihnen sprechen», sagte eine Spielerin den Reportern zufolge und deutete auf die Betreuer der Mannschaft.

Nach der Landung am Morgen (Ortszeit) in Kuala Lumpur wartete Irans Botschafter in Malaysia bereits am Ausgang des Flugzeugstegs. Während einige Offizielle ihn begrüssten, wirkten viele Spielerinnen still und angespannt und starrten auf ihre Handys. Von Malaysia aus soll die Mannschaft über die Türkei weiter in den Iran reisen.

Vorausgegangen waren dramatische Momente an der Gold Coast, wo die Spielerinnen während des Turniers untergebracht waren. Einige sollen aus dem Mannschaftsbus SOS-Zeichen gezeigt haben. Aktivisten forderten daraufhin die australische Regierung auf, den Frauen Asyl zu gewähren.

Sieben Teammitglieder nehmen Asyl-Angebot an

Fünf Spielerinnen erhielten schliesslich humanitäre Visa, nachdem sie von der australischen Polizei aus ihrem Hotel gebracht worden waren. Zwei weitere Teammitglieder entschieden sich später ebenfalls, nicht zurückzukehren. Eine der Frauen entschied sich aber laut Innenminister Tony Burke in letzter Minute, doch in den Iran zurückzufliegen.

Burke betonte, allen Spielerinnen sei vor der Abreise Asyl angeboten worden. «Wir haben dafür gesorgt, dass es keine Eile gab, keinen Druck», sagte er. Viele hätten jedoch aus Sorge um ihre Familien im Iran darauf verzichtet. Eine Spielerin erklärte schlicht: «Der Iran ist unser Zuhause.»

Der im Exil lebende Oppositionspolitiker Reza Pahlavi, Sohn des 1979 gestürzten Schahs von Persien, warnte jedoch vor möglichen Repressionen. Das Regime spiele oft zunächst Versöhnung vor, bevor später Strafen folgten. «Zuerst gibt es Drohungen, dann ein inszeniertes Zeichen der Barmherzigkeit – und schliesslich stille Vergeltung, sobald die Kameras aus sind», schrieb er. (cma/sda/dpa)

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quelle: keystone / maya levin
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