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Iran

Iranisches Frauenteam in Australien: Proteste um Spielerinnen-Schutz

epa12803293 Iranian players pose before the AFC Women’s Asian Cup Group A match between Iran and Philippines at the Gold Coast Stadium in Gold Coast, Australia, 08 March 2026. EPA/DAVE HUNT NO ARCHIVI ...
Die Iranerinnen vor dem letzten Gruppenspiel gegen die Philippinen.Bild: keystone

Spielerinnen sollen Hilfezeichen gezeigt haben – Sorgen um iranisches Frauenteam

Während im Heimatland Krieg herrscht, nahmen die iranischen Frauenfussballerinnen an der Asienmeisterschaft in Australien teil und sorgten dabei für Aufsehen, als sie beim ersten Gruppenspiel die Nationalhymne nicht mitsangen. Nun werden Forderungen laut, dass die australische Regierung die Spielerinnen schützen soll.
09.03.2026, 13:1509.03.2026, 14:48

Mit null Punkten und einem Torverhältnis von 0:9 nach drei Spielen ist für die iranischen Fussballerinnen die Asienmeisterschaft in Australien beendet. Damit ginge es jetzt zurück in den Iran. Eigentlich.

Bei der Stadion-Abreise nach dem letzten Gruppenspiel versammelten sich einige Demonstrierende um den Teambus, blockierten die Wegfahrt und riefen «Save our Girls», während sie Protestschilder wie «Bleibt sicher in Australien» zeigten, oder die Iranische Flagge mit Löwe und Sonne von vor der islamischen Revolution wehten.

Laut Eigenzeugen und wie auf einigen Social-Media-Videos verschwommen zu erkennen ist, signalisierten zudem mehrere iranische Spielerinnen das internationale Handzeichen für Hilfe an die Fenster des Teambusses.

Internationales Hilfezeichen, Notsignal bei Häuslicher Gewalt https://commons.wikimedia.org/wiki/File:Notgeste_H%C3%A4usliche_Gewalt.png
Das internationale Handzeichen für Hilfe wird auch als Notsignal für häusliche Gewalt verwendet.Bild: wikimedia commons

Nun haben mehrere Menschenrechtsaktivistinnen und iranische Regime-Gegner die australische Regierung zum Handeln aufgefordert.

Das Schweigen

Grund für die Angst um das Team ist eine Aktion der iranischen Spielerinnen vor dem ersten Gruppenspiel der Asienmeisterschaft. Während der Nationalhymne standen die Iranerinnen still da und sangen nicht mit. Seit den landesweiten Protesten der vergangenen Jahre gilt das demonstrative Schweigen bei der Hymne bei iranischen Sportlern immer wieder als Zeichen der Distanz zum Regime. Im Staatsfernsehen nannte ein Reporter das Team nach der Aktion «Kriegsverräter».

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Die Iranerinnen vor dem ersten Gruppenspiel gegen Südkorea.Bild: www.imago-images.de

In den beiden folgenden Spielen sangen die Iranerinnen die Nationalhymne wieder mit und salutierten dabei. Eine offizielle Erklärung der Mannschaft dazu gab es nicht. Australische Menschenrechtsaktivistinnen vermuten deshalb, dass das Team unter Druck der iranischen Behörden gehandelt haben könnte.

Neuste Entwicklung
Wie CNN am Montagnachmittag Schweizer Zeit berichtete, haben fünf Spielerinnen der iranischen Frauen-Fussballmannschaft angesichts von Sorgen um ihre persönliche Sicherheit das Teamhotel in Australien verlassen und befinden sich derzeit in Obhut der örtlichen Polizei.

Athletinnen isoliert

Craig Foster, ein ehemaliger australischer Nationalspieler und Menschenrechtsaktivist, forderte deshalb, dass die Spielerinnen Zugang zu unabhängigen Unterstützungsnetzwerken erhalten sollen. Zahlreiche Organisationen hätten während ihres Aufenthalts in Australien versucht, mit dem Team zu sprechen, seien jedoch abgewiesen worden.

GOLD COAST, AUSTRALIA - MARCH 08 Players of IR Iran salute the national anthem before the Womens Asian Cup match between Islamic Republic of Iran and Philippines at the Gold Coast Stadium on March 08  ...
Salutierende Iranerinnen während der Nationalhymne im letzten Gruppenspiel.Bild: www.imago-images.de

Kein Athletinnen-Team dürfe von seinem eigenen Verband faktisch isoliert und von externer Hilfe abgeschnitten werden. Nachdem die Mannschaft aus dem Turnier ausgeschieden sei, liege die Verantwortung für ihr Wohlergehen nun beim Asiatischen Fussballverband, erklärte Craig Forster.

Ehemaliger Kronprinz schaltet sich ein

Auch mehrere in Australien ansässige iranische Aktivisten äusserten sich zur Situation. Der in Brisbane lebende Menschenrechtsaktivist Hadi Karimi warnte gegenüber ABC News, das Leben der Spielerinnen sei bei einer Rückkehr in den Iran in Gefahr.

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Proteste um den Teambus der Iranerinnen.Bild: keystone

Auch der in Melbourne tätige iranische Journalist Masoud Zoohori äusserte sich gegenüber ABC News. Er habe bis Samstag noch Kontakt zu den Spielerinnen gehabt. Diese hätten ihm berichtet, sie fühlten sich «wie im Gefängnis», dürften das Hotel nicht alleine verlassen und hätten keinen Kontakt zu ihren Familien.

Zoohori meinte zudem, die Mannschaft werde streng überwacht, mutmasslich von einer Person, die dem Islamic Revolutionary Guard Corps (IRGC), den iranischen Revolutionsgarden, angehöre. Das IRGC gilt in Australien als Terrororganisation. Nach australischem Recht erhalten Personen mit bekannten Verbindungen zu der Organisation kein Visum; werden solche Verbindungen während ihres Aufenthalts bekannt, droht ihnen die Ausweisung.

Auch Reza Pahlavi, der Sohn des ehemaligen Schahs des Irans, äusserte sich via X zum iranischen Frauennationalteam und forderte die australische Regierung dazu auf, für die Sicherheit der Spielerinnen zu sorgen und ihnen alle Hilfe zu gewähren, die sie benötigen. Bei einer allfälligen Rückkehr in den Iran hätten die Spielerinnen mit schrecklichen Konsequenzen zu rechnen.

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Die beliebtesten Kommentare
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The Real Tonald Dump
09.03.2026 13:25registriert März 2025
Und wieder einmal zeigt sich, dass die Frauen im Iran mehr Mut haben, als all die Bartträger und regimetreuen Schlägerbanden mit ihren markigen Sprüchen. Eventuell wäre es Zeit für eine Frau als Regierungsoberhaupt im Iran. Ich wünsche den unterdrückten Persern und Perserinnen Freiheit und Frieden. Der Weg wird jedoch lange und schwer.
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StephanieU
09.03.2026 13:37registriert November 2023
Das Regime stellt sicher Gewalt gegenüber den Familien in Aussicht - das macht gefügig :-( Ich finde es sehr mutig von den Frauen, was sie getan haben!! Aber so wie ich diese Welt kenne, werden die Behörden sie von ihren männlichen Aufpassern in den Iran "zurückschleifen" lassen...
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arivle
09.03.2026 13:31registriert September 2021
Sehr mutige Frauen, aber auch sehr in Gefahr! Pahlavi hat absolut Recht und Australien soll zeigen, dass es nicht nur gegen die islamistische Gewalt im eigenen Land vorgeht, sondern auch für die Gegner der Islamischen Republik einsteht und sie schützt. Für die Sportlerinnen wird es eine schwierige Entscheidung sein, wie nun weiter.
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