Sport
Medien

Schöne heile Welt – ohne Flitzer und Krawalle: Was uns die UEFA nicht zeigen will

Schöne heile Welt – ohne Flitzer und Krawalle: Was uns die UEFA nicht zeigen will

Die UEFA zeigt bei der EM nur, was ihr gefällt. Das ist meist die heile Welt. Von einem Hooligan-Problem will sie nichts wissen, obwohl sie es ebenso verurteilt. Bei unseren Nachbarn in Deutschland stösst die Zensur auf Kritik – das ZDF beschwert sich.
13.06.2016, 14:1513.06.2016, 17:58

Hier sehen Sie richtig – aber nur, was uns gefällt: Der europäische Fussballverband UEFA zensiert während der Europameisterschaft alle Spiele. Das «Weltsignal» zeigt meist nur Traumtore, jubelnde Fans und schwitzende Trainer.

Krawalle auf den Tribünen, Flitzer und Böller hingegen bleiben vielen Zuschauern verborgen. Die EM wirkt dadurch wie eine heile Welt, die sie gar nicht ist.

«Natürlich haben wir die Erwartung, dass auch angesichts der brisanten gesellschaftspolitischen Lage alle relevanten Szenen im Weltsignal der UEFA enthalten sind», sagte ZDF-Sportchef Dieter Gruschwitz dem deutschen Sportinformationsdienst am Montag: «Dazu gehören nicht nur die Spielszenen, sondern auch alles, was abseits passiert. Diese Erwartungshaltung haben wir auch klar formuliert.»

Zwar könnten die deutschen Sender theoretisch bei jedem EM-Spiel bis zu zehn eigene Kameras aufstellen. Das rentiere sich aber nur, wenn die deutsche Nationalmannschaft mitspielt.

Hooligans an der Fussball-EM 2016

1 / 9
Hooligans an der Fussball-EM 2016
Lille, 12. Juni: Deutsche Hoolgians gehen auf ukrainische Fans los. (Screenshot: YouTube)
Auf Facebook teilenAuf X teilen

«Da können wir deshalb alle journalistisch relevanten Szenen zeigen», sagte Gruschwitz. Bei den Öffentlich-Rechtlichen gebe es keine Zensur. Bei den Übertragungen aus den deutschen Bundesligastadien werden keine Bilder herausgeschnitten. Wenn beispielsweise Pyrotechnik brennt, ist das meist auch zu sehen. Bei den EM-Spielen sind die TV-Anstalten aber von der UEFA abhängig.

Englische und Russische Hooligans gehen nach dem Spiel in Marseille aufeinander los.
YouTube/vladaaaa13

Als am Samstag nach dem Hochrisikospiel zwischen England und Russland auf den Tribünen des Stade Velodrome die Ausschreitungen begannen, als Familien voller Angst vor der Hooligan-Gewalt flüchten mussten, gab es deshalb davon im Fernsehen ganz wenig zu sehen.

Offiziell geht es der Uefa, die das TV-Signal für viele Millionen Franken verkauft, darum, den Randalierern keine Bühne zu bieten und möglichen Nachahmern kein Vorbild zu liefern.

Das war am Samstag, als in der Fanzone von Marseille mehrere Tausend Russen und Engländer in der ohnehin schon viel zu aufgeheizten Stimmung das Spiel vor der Grossbildleinwand verfolgten, auch hilfreich.

Was meinst du: Soll man solche Bilder zeigen oder nicht?
An dieser Umfrage haben insgesamt 1230 Personen teilgenommen

Die Gewalt aus dem Stadion hätte sich schnell auf die Fans ohne Ticket übertragen können. In der südfranzösischen Stadt hatte es zuvor blutige Ausschreitungen gegeben, ein Fan befindet sich immer noch in kritischem Zustand.

Hier greifen deutsche Hooligans ukrainische Fans an.
YouTube/Fighting Hooligans

Soziale Medien gewinnen an Ausstrahlungskraft

Dennoch bleibt die Frage, wie weit die Zensur gehen darf. Als am Sonntag im Pariser Prinzenpark ein kroatischer Fan glückselig auf den Platz stürmte und den Treffer von Luka Modric gegen die Türkei mit seinen Idolen feierte, war das im Fernsehen für den Bruchteil einer Sekunde zu sehen.

Der Flitzer bei Modrics Torjubel ist nur wenige Sekunden zu sehen.YouTube/JN AUSTRIA

Mehr zum Thema

EM 2016

Passiert ist nichts, spätestens in der Wiederholung hätten die Bilder niemandem geschadet - wohl aber offenbart, welche Sicherheitslücken es in den Stadien gibt. Das gefällt der Uefa selbstverständlich überhaupt nicht.

Jetzt auf

Bei der Zensur von offizieller Seite gewinnen die Sozialen Medien an Ausstrahlungskraft. Jeder Fan kann das Erlebte in der Stadt und in den Fanzonen aufnehmen und via Twitter oder Facebook in die weite Welt tragen. Verbände und Behörden geraten dadurch noch stärker unter Druck.

(aargauerzeitung.ch)

DANKE FÜR DIE ♥
Würdest du gerne watson und unseren Journalismus unterstützen? Mehr erfahren
(Du wirst umgeleitet, um die Zahlung abzuschliessen.)
5 CHF
15 CHF
25 CHF
Anderer
Oder unterstütze uns per Banküberweisung.
Yakin über Manzambi: «Die Schiedsrichter sollten ihn schützen»
Johan Manzambi bekommt seine grössere Bekanntheit regelrecht zu spüren. Auch gegen Slowenien wird er mehrmals hart angegangen. Trainer Murat Yakin fordert mehr Schutz von den Unparteiischen.
Es läuft die 88. Minute, als ein leicht nervöses Getuschel durch das Stadion in Luzern geht. Johan Manzambi geht in den Zweikampf und bleibt danach offensichtlich mit Schmerzen liegen. Mehrere Sekunden vergehen, und dem einen oder anderen Fan dürfte bereits ein unschönes Bild von der WM im Sommer vor dem geistigen Auge aufgeflackert sein: Manzambi und sein dick einbandagiertes Knie.
Zur Story