Kommentar
EM 2016

Kommentar zu den Ausschreitungen an der Euro2016

Gewaltbereite EM-Besucher in Marseille vor dem Spiel England-Russland. 
Gewaltbereite EM-Besucher in Marseille vor dem Spiel England-Russland. Bild: EPA/ANSA
Kommentar

Wach auf, Frankreich! Sonst zerstören die Hooligans unser Fussballfest 

Am Wochenende verwandelten Hooligans Lille und Marseille stellenweise in Schlachtfelder. «Muss das sein?», fragt sich der unbeteiligte Betrachter. 
13.06.2016, 13:4013.06.2016, 15:42

Sie haben es wieder getan. Einen Menschen mit einer Eisenstange in Richtung Tod geprügelt. Gartenbeizen zerstört. Die Polizei angegriffen. Tribünen gestürmt. Feuerwerkskörper im Stadien gezündet. 

Das alles dürfte nicht passieren und es stellen sich drei Fragen: 

  1. Haben die französischen Sicherheitskräfte nichts gelernt aus dem Fall des Polizisten Daniel Nivel, den deutsche Hooligans 1998 ins Koma befördert hatten?
  2. Sind die französischen Sicherheitskräfte unfähig, gegnerische Fansektoren in Stadien so voneinander abzuriegeln, dass Konfrontationen unmöglich sind?
  3. Schaffen es die französischen Sicherheitskräfte trotz rigorosester Kontrollen immer noch nicht, zu verhindern, dass Fans gefährliche Gegenstände in die Stadien schmuggeln können?

Offensichtlich nicht. Das muss man konstatieren und auch, dass die Franzosen in Sachen Sicherheit am ersten EM-Wochenende versagt haben. 

Aber die Aufgabe der französischen Sicherheitsbehörden ist auch eine beinahe unlösbare. 

Nicht nur russische, englische und deutsche Hooligans haben Frankreich im Vorfeld der EM zum Schauplatz für ihre Schlägereien erklärt, auch die französische Hooligan-Szene mischt mit und hat bereits erklärt, Fans der türkischen Nationalmannschaft seien «nicht willkommen».

Die Euro 2016 stellt für die europäischen Hooligans die letzte grosse Bühne dar. An der WM 2018 Russland, an der gesamteuropäischen Euro 2020 und an der WM 2022 in Katar wird man entweder nicht aufeinandertreffen oder riskieren, nie mehr nach Hause zu kommen. 

Hinzu kommt die Terrorgefahr, die während des weltweit ausstrahlenden Sportanlasses besonders hoch ist. Angesichts dieser Gemengelage, wäre es eher erstaunlich, wenn nichts passiert wäre.

Mehr zum Thema

Was man den Franzosen vorwerfen kann, ist, dass sie im Vorfeld der EM-Endrunde offenbar zu wenig eng mit den Hooligan-Spezialisten der Teilnehmerländer zusammengearbeitet haben. So hätte sich der eine oder andere Fussballgewalttäter an den Grenzen aufhalten lassen. Aber längst nicht alle.  

Wollte man mit Garantie verhindern, dass pyrotechnisches Material in Stadien geschmuggelt wird, müsste man die Zuschauer röntgen oder mit den Einlasskontrollen für ein Spiel am Abend in den frühen Morgenstunden beginnen. Die personalisierten Tickets am Eingang mit den Pässen der abzugleichen, ist ebenfalls nutzlos, da man mit einem Pass mehrere Tickets kaufen kann. 

Die Fan-Sektoren mit Gittern zu trennen und Fans einzusperren, würde bedeuten, Tote bei Massenpaniken wie 1989 im Hillsborough in Kauf zu nehmen.

Und Strassenschlachten in kleinteiligen Quartieren wie in Marseille oder Lille lassen sich nur mit dauernd präsentem und massivem Sicherheitsaufgebot verhindern, das wegen ein paar Dutzend Gewalttätern die friedliche Stimmung für alle Fussballfans im Vornherein zu Nichte macht. 

Und auch dann gilt: Um gänzlich sicher zu stellen, dass es zu keinerlei Zwischenfällen kommt, dürfte man keinerlei Fussballturniere durchführen. 

Das darf nicht sein. Denn die friedlichen Fans und ihre Freude am Fussballfest überwiegen den Schaden, den ein paar Chaoten anrichten, bei Weitem.

Jedenfalls noch. 

Damit das so bleibt, müssen die französischen Sicherheitsbehörden schleunigst ihre wichtigsten Hausaufgaben machen:

Die an den bisherigen Krawallen beteiligten Hooligans ausfindig machen und für den Rest der EM wegsperren.

Und sich von den europäischen Kollegen die Gewalttouristen aus ihren jeweiligen Ländern zeigen lassen.

Und diese für den Rest der EM wegsperren. 

Hol dir jetzt die beste News-App der Schweiz!

  • watson: 4,5 von 5 Sternchen im App-Store ☺
  • Tages-Anzeiger: 3,5 von 5 Sternchen
  • Blick: 3 von 5 Sternchen
  • 20 Minuten: 3 von 5 Sternchen

Du willst nur das Beste? Voilà:

Zwei englische Fans nach Strassenschlacht in Marseille in kritischem Zustand

DANKE FÜR DIE ♥
Würdest du gerne watson und unseren Journalismus unterstützen? Mehr erfahren
(Du wirst umgeleitet, um die Zahlung abzuschliessen.)
5 CHF
15 CHF
25 CHF
Anderer
Oder unterstütze uns per Banküberweisung.