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Novak Djokovic mit seinem neuen Vertrauten Pepe Imaz. bild: youtube

«Liebe und Frieden!» Djokovic vertraut auf spirituellen Meditations-Guru

Seit dem French-Open-Triumph ist bei Novak Djokovic der Wurm drin. Nur ein Turnier hat er im letzten halben Jahr gewonnen. Es droht der Verlust der Nummer-1-Position. Ein spiritueller Guru soll dem Serben helfen, zurück in die Erfolgsspur zu finden.



Seit Novak Djokovic im Juni erstmals das French Open gewonnen und damit seinen Karriere-Slam vervollständigt hat, läuft bei ihm nicht mehr viel zusammen. Die serbische Weltnummer 1, welche die Tennis-Szene zuvor von A bis Z dominierte, muss gegen eine nicht enden wollende sportliche Baisse kämpfen – zumindest für ihre Verhältnisse: Frühes Aus in Wimbledon, frühes Aus bei Olympia, Finalniederlage gegen Stan Wawrinka am US Open. Nur einen Turniersieg (Toronto) konnte Djokovic im letzten halben Jahr feiern.

Auf der Suche nach den Gründen für die sportliche Baisse brodelte es bald in der Gerüchteküche: Von gesundheitlichen Problemen war die Rede, von handfesten Eheproblemen mit Frau Jelena. Wegen einer Affäre mit Tennis-Starlet Genie Bouchard soll diese ihn verlassen haben, hiess es hinter vorgehaltener Hand. 

Ein Bild als Antwort auf die brodelnde Gerüchteküche?

Djokovic liess es brodeln, bis er im Vorfeld des Masters-1000- Turnier in Schanghai eine Bombe platzen liess. Nach dem French Open sei er in ein Loch gefallen, erklärte er. «Ich habe einen riesigen Druck verspürt und deswegen die Lust am Tennis etwas verloren.» Um wieder aus diesem Loch zu kommen, hat sich Djokovic in die Hände von Meditations-Guru Pepe Imaz begeben.

Die Kraft von langen Umarmungen

Imaz ist ein ehemaliger spanischer Tennisspieler, der in der Weltrangliste Ende der 90er-Jahre mit Rang 146 seine Bestmarke erreichte und in seiner Karriere zwei Doppel-Turniere gewann. Mittlerweile betreibt der 42-Jährige eine Tennis-Akademie in Marbella. Den Fokus legt Imaz nicht nur auf Sportliches: «Absolute Prioriät haben das persönliche Wohlbefinden, die Gefühle und Emotionen», beschreibt er das Konzept seiner Schule. Bei seinem Coaching predigt er die Philosophie von «Amor y Paz», Liebe und Frieden. Yoga gehört ebenso zum Programm wie Meditation. Ausserdem glaubt Imaz an die Kraft von langen Umarmungen.

Für Djokovic sind solche Trainingsmethoden nicht ungewöhnlich. Unlängst verriet er, dass er regelmässig Tempel besuche, weil er dort gut abschalten und seine Batterien neu aufladen könne. Auch in Sachen Ernährung geht Djokovic eigene Wege. 2010 stellte sich heraus, dass er an einer Milch- und Weizen-Intoleranz leidet. Seither ernährt er sich glutenfrei.

In seiner Biografie «Serve to Win» erklärt der «Djoker» ausserdem, dass er jeden Morgen nach dem Aufstehen ein Glas warmes Wasser trinkt und zwei Teelöffel Manuka-Honig isst.

Aber zurück zu Imaz: Sein Einfluss auf Djokovic wird gemäss der «Daily Mail» immer grösser. Der Kontakt soll über Djokovics Bruder Marko zustande gekommen sein. Imaz soll vor zwei Jahren dessen Depressionen geheilt haben, als es sportlich nicht mehr vorwärts ging. Seit Juni sollen die beiden in ständigen Kontakt stehen. Bei einer zweistündigen Meditations-Séance in diesem Sommer, bei der auch Bruder Marko und die frühere slowakische Top-10-Spielerin Daniela Hantuchova anwesend waren, hielt der Tennis-Star sogar eine lange Rede.

Tennis - Shanghai Masters tennis tournament - Novak Djokovic of Serbia v Roberto Bautista Agut of Spain - Shanghai, China - 15/10/16. Djokovic changes his shirt during the match. REUTERS/Aly Song

Eine Ernährungsumstellung hat Djokovic zur Nummer 1 gemacht. Bild: ALY SONG/REUTERS

«Wir sind alle auf der Suche nach Liebe, Glück und Harmonie», sagt Djokovic und erklärt dann, wie man dazu kommt: «Um Liebe und Glück zu finden, müssen wir in der Lage sein, in uns zu kehren und diese Verbindung mit einem göttlichen Licht zu etablieren.»

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Djokovic an der Séance von Pepe Imaz. Video: YouTube/Amor & Paz

Der Meditations-Guru gehört offiziell nicht zu Djokovics Coaching-Team, in Paris sitzt der Spanier aber erstmals in der Box seines Schützlings. Das Pikante daran: Die beiden Trainer des Serben, Boris Becker und Marian Vajda, sind im Gegensatz zu Imaz nicht mit in die französische Hauptstadt gereist.

Djokovic mit Bruder Marko (r.) in Paris.

Schnyder und der Orangensaft

Die ganze Geschichte mutet reichlich seltsam an – vor allem wenn man sich ähnliche Beispiele aus der Sportwelt vor Augen führt. 1999 liess sich Patty Schnyder mit Rainer Harnecker ein. Der selbsternannte Wunderheiler verordnete der jungen Frau als einziges Training Velofahren und pro Nacht nur fünf Stunden Schlaf. Als Motivationstrainings gab es Bachblütentherapie und Streicheleinheiten. Schnyder musste vier bis fünf Liter Orangensaft trinken – pro Tag. Mit ihren Eltern verkrachte sie sich total. Erst zu spät bemerkte sie, dass sie einem Scharlatan auf den Leim gekrochen war.

Die Schweizer Tennisspielerin Patty Schnyder in Begleitung ihres Betreuers Rainer Harnecker beim Training zum WTA-Turnier am Dienstag, 16. Februar 1999, in Hannover am Center Court. (KEYSTONE/EPA PHOTO/DPA/Holger Hollemann)

Patty Schnyder und ihr Wunderheiler Rainer Harnecker. Bild: EPA DPA

Und dann ist da noch Johann Mühlegg. Der Langlauf-Weltmeister von 2001, der 2002 bei den Olympischen Spielen von Salt Lake City mit Doping erwischt wurde, verkrachte sich zu Beginn seiner Karriere mit dem damaligen deutschen Bundestrainer Georg Zipfel. Mühlegg warf ihm vor, seine Getränke zu verhexen und witterte eine Verschwörung. Er suchte Zuflucht bei einer portugiesischen Putzfrau. Justina Agostinho, eine angebliche Wunderheilerin, weihte sein Trinkwasser, von dem er fortan stets eine Ration dabei hatte. Mühlegg wurde schliesslich vom deutschen Skiverband suspendiert, worauf er für Spanien startete.

Alle 12 Grand-Slam-Titel von Novak Djokovic

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