Der schwierige Weg zum Weltcup-Auftakt: Odermatt und Co. fahren dem Schnee hinterher
Das Eis schmilzt den Rennfahrern auch auf Österreichs Gletschern davon. Nachdem Zermatt den ausländischen Skiteams in diesem Sommer einen generellen Korb für Trainingsfahrten geben musste und nur die Kaderathleten von Swiss Ski das höchstgelegene Gletscherskigebiet der Alpen für Skitrainings benutzen durften, richtet sich der Blick nun auf den Rettenbachgletscher in Sölden. Dort soll am Wochenende vom 24./25. Oktober der traditionelle Weltcup-Auftakt mit je einem Riesenslalom der Frauen und Männer erfolgen.
Dank 60'000 Kubikmetern gelagertem Kunstschnee aus dem vergangenen Winter in fünf riesigen Schneedepots ist die Unterlage für die Rennen gelegt. Trotzdem kann erst heute Donnerstag definitiv entschieden werden, wann Marco Odermatt und Co. in der kommenden Woche auf dem Rennhang trainieren dürfen. «Dank den erwarteten tiefen Temperaturen wollen wir den Altschnee mit neu produziertem Kunstschnee mischen», sagt der langjährige Rennleiter Rainer Gstrein am Telefon.
Um den Heimvorteil optimal zu nutzen, dürfen die Techniker des österreichischen Skiverbands vom 14. bis 16. Oktober exklusiv auf der Piste trainieren. Für die Schweizer sind Trainingsfahrten an zwei Halbtagen vorgesehen – entweder am Montag und Dienstag oder dann am Freitag und Samstag kommende Woche.
Schweiz – Österreich – Schweiz – Österreich
In diesen Tagen sind Marco Odermatt und die weiteren Athleten des Riesenslalom-Teams von Swiss Ski oft gesehene Gäste an der Landesgrenze zwischen der Schweiz und Österreich. Allerdings sammelten sie bislang vor allem Autokilometer und weniger Skikilometer.
Nachdem die Austria-Techniker am Sonntag ihr heimisches Skitraining auf dem Pitztaler Gletscher lancierten, stiess zu Wochenbeginn die internationale Konkurrenz dazu, so beispielsweise auch Mikaela Shiffrin. Die Schweizer Stars rund um Odermatt wollten am Dienstag im Pitztal trainieren, mussten aber aufgrund der Witterungsbedingungen kapitulieren.
Deshalb stieg man erneut ins Auto und fuhr ins Engadin auf die Diavolezza, wo das Technikerteam der Frauen unter Cheftrainer Beat Tschuor bereits am Dienstag bei besten Schnee- und Wetterbedingungen erstmals Riesenslalom trainierte. Am Mittwoch stiessen dann Odermatt und Co. dazu und erfreuten sich an den über Nacht gefallenen 10 Zentimetern Naturschnee. Die knapp einen Kilometer lange Rennpiste erlaubt Läufe von 45 bis 50 Sekunden.
Touristen müssen sich auch in Sölden gedulden
Allerdings ist Marco Odermatt nach einem Tag bereits wieder nach Hause in die Innerschweiz gefahren, denn das Skitraining von Swiss Ski auf der Diavolezza wird bis mindestens Sonntag unterbrochen, damit auch hier der ausgelegte Depotschnee des Snowfarmings dank des Kälteeinbruchs mit frisch produziertem Kunstschnee durchmischt werden kann. Wie genau es in der kommenden Woche weitergehen wird, hängt von den Zeitfenstern der Trainings in Sölden ab. Die unmittelbare Vorbereitung auf die Saisoneröffnung findet dann wieder auf der Diavolezza statt.
Der traditionelle Prolog in Sölden gibt nicht nur einen Vorgeschmack auf den Weltcup-Winter. Er dient vor allem auch als Werbemittel für den Ski-Tourismus. Doch dieser leidet unter den schmelzenden Gletschern besonders. In Sölden musste der Start des Gletscherskifahrens nach hinten verschoben werden. Auch Rennleiter Rainer Gstrein gibt zu bedenken, dass die karge Steinlandschaft, die sich unter dem Eis immer dominanter auftut, dem Zweck des Events nicht dienlich ist. «Die Entwicklung der Gletscher ergibt kein schönes Bild», sagt der ehemalige Kadertrainer der österreichischen Skifahrer.
Zwar seien die Weltcuprennen dank modernster Beschneiungsanlagen und ausgeklügeltem Snowfarming über den Sommer auch in Zukunft nicht gefährdet, «aber ausserhalb der Rennpiste ist es durch die hohen Temperaturen das Angebot für Skifahrer aktuell prekär». (schweizheute.ch)

