50 £ Einsatz, Quote 2500:1 – und dann wird der Enkel tatsächlich Nationalspieler
Peter Edwards macht 1998 eine aussergewöhnliche Wette. Er spaziert zu einer Filiale des Buchmachers William Hill im walisischen Wrexham und platziert dort eine aussergewöhnliche Wette: Edwards setzt 50 Pfund darauf, dass sein Enkel Harry Wilson einmal Nationalspieler wird. Der kleine Harry ist da gerade mal anderthalb.
«Er ist dem Ball schon hinterhergejagt, da konnte er noch gar nicht laufen», erinnert sich Edwards. «Da bin ich auf die Idee gekommen.»
Die Filialleiterin ruft zur Sicherheit in der Zentrale des Buchmachers in London an und schlägt schliesslich ein. Sie bietet dem kühnen Edwards für seine Wette die Quote 2500:1 an.
Schon mit acht Jahren wechselt Wilson zum FC Liverpool, bei den «Reds» klettert er Stufe um Stufe nach oben. Der Flügel schafft es bis zum Nachwuchsnationalspieler und es wird immer realistischer, dass der Grossvater seine Wette gewinnen kann.
Am 15. Oktober 2013 sitzt Harry Wilson im WM-Qualifikationsspiel gegen Belgien (1:1) in Brüssel auf der Ersatzbank, während sein Grossvater nervöser Zuschauer ist. «Ich geriet in Panik, weil sie schon zweimal gewechselt hatten, also dachte ich, dass er es nicht mehr schaffen würde», schildert Edwards der BBC.
Doch Nationaltrainer Chris Coleman kann noch einen Spieler tauschen. Durch die Einwechslung in der 87. Minute macht er Harry Wilson zum jüngsten Nationalspieler in der Geschichte von Wales. Mit 16 Jahren und 207 Tagen löst Wilson den vormaligen Rekordhalter Gareth Bale ab, der beim Debüt 108 Tage älter war.
Der Rekord interessiert Wilsons Grossvater herzlich wenig. Er ist in erster Linie mächtig stolz auf seinen Enkel. Und auf einen Schlag ist er auch ein reicher Mann. Aus 50 Pfund Einsatz werden 125'000 Pfund. Der Gewinn seiner Wette, die er vor fünfzehn Jahren platziert hat, beläuft sich auf umgerechnet rund 180'000 Franken.
«Nicht schlecht für eine verrückte Wette», findet Peter Edwards. Eigentlich habe er ja noch ein Jahr arbeiten wollen, sagt der 62-jährige Elektriker, doch das habe sich erübrigt: «Meinem Chef habe ich gesagt: Wenn Harry heute spielt, komme ich morgen nicht mehr.»
Bis zum zweiten Länderspiel sollte es viereinhalb Jahre dauern. Wales setzte ihn auch deshalb so früh in einem A-Länderspiel ein, damit Wilson nicht an England verloren gehen konnte. An der EM 2021 kam er ebenso zum Einsatz wie an der WM 2022 (Bild).
