watson in Sambia
Wir verwenden Cookies und Analysetools, um die Nutzerfreundlichkeit der Internetseite zu verbessern und passende Werbung von watson und unseren Werbepartnern anzuzeigen. Weitere Infos findest Du in unserer Datenschutzerklärung.

watson in Sambia

Hartes Studentenleben

watson in Sambia: Kein Platz, kein Schlaf, kein Essen, keine Stühle, kein Internet – es fehlt an allem, nur an einem nicht

Das Studentenleben in Sambia wartet mit ganz anderen Herausforderungen auf, als dasjenige in der Schweiz. 

Reto Fehr, sambia

«Wenn du glaubst Bildung sei teuer, dann probier aus, was Unwissenheit kostet.» («If you think education is expensive, try ignorance.») Das Zitat stammt vom ehemaligen Harvard-Präsidenten Derek Bok. Den Studenten an der Universität von Sambia werden die Kosten von Bildung täglich vor Augen geführt. Dabei investieren sie einen Grossteil ihrer Energie dafür, überhaupt am Uni-Betrieb teilzunehmen.

Es fehlt sicher immer irgendetwas. Dies können für uns selbstverständliche Dinge sein wie Stühle. In unserem Department herrscht ein ständiger Mobiliar-Austausch zwischen den Klassenräumen. War zuvor im Raum A eine Vorlesung, schleppen jetzt alle irgendwelche Stühle oder manchmal auch Tischchen in Raum B. Kommt ein Student zu spät, schaut er erst in den anderen Zimmern, ob er noch irgendwo eine tragbare Sitzmöglichkeit findet. Da die Türen wegen der Hitze in den Zimmer meist offen stehen, kommen auch während unseren Stunden immer wieder Studenten aus anderen Klassenräumen rein, die hoffen noch irgendwo einen Stuhl abzügeln zu können.

UNZA 2014

Ein Tischchen, ein Stuhl für zwei Personen. Bild:  watson

Chaos ist garantiert

Während Gruppenarbeiten geht es dann um moderneres Material. Längst nicht jeder Student kann sich einen Laptop leisten. Daher sind sie ständig auf der Suche nach funktionierenden Computern oder zumindest nach USB-Sticks, um sich Daten speichern und dann irgendwann, irgendwo, irgendwie weiterarbeiten zu können. USB-Sticks sind allerdings ebenfalls keine Selbstverständlichkeit. Daten werden daher auch mal bei Kollegen zwischengespeichert oder auf irgendeinem Gerät im Computerraum. 

Man kann sich das Chaos vorstellen. Hat man beispielsweise grad mal einen USB-Stick, muss der Computer mit den eigenen Daten drauf auch noch frei sein und das mit der Internetverbindung sollte dann auch noch grad klappen. Ansonsten kommt es zu Verspätungen bei Abgabeterminen von Aufgaben. Wir haben beispielsweise Artikel per Mail bis 18 Uhr eingefordert. Vielleicht die Hälfte der Dokumente erhalten wir pünktlich. Der Rest trifft irgendwann bis nachts um 1.45 Uhr ein. Oder kommt dann am nächsten Morgen per USB-Stick. Oder manchmal auch erst zwei Tage später mit dem Hinweis, dass man erst jetzt Computer, Internet und Zeit gefunden habe. 

Besuch bei der Freundin eine riesige Organisation

Technische Probleme gibt's natürlich inklusive. Mal gibt ein Laptop den Geist auf, mal bleibt die Speicherkarte im Gerät stecken. Wir erhalten Arbeiten via Facebook oder die Bilder zu Artikeln via WhatApp, weil grad irgendwas mit der Email-Adresse nicht klappt. Teilweise treffen Sammel-Emails mit Arbeiten ein, weil ein Student die USB-Sticks seiner Kollegen gesammelt hat, da er als einziger eine Internetverbindung garantieren kann. Wobei Garantie hier ein sehr mutiger Ausdruck ist.

UNZA 2014

Wer einen Laptop besitzt, kann sich glücklich schätzen. Bild: watson

Diese ständige Suche zehrt an den Energiereserven der Studenten. Dazu kommen die Probleme im Alltag. In Besenkammern mit bis zu sieben Mitstudenten zu wohnen ist organisatorisch eine Herkulesaufgabe. Will beispielsweise der Freund/die Freundin zu Besuch kommen, müssen die Mitbewohner ins «Exil» geschickt werden. Denn diese wollen dann ja auch wieder irgendwo ein Plätzchen zum lernen oder kochen oder schlafen oder für Zeit mit ihrem Herzallerliebsten finden. Und wie teilt man sich ein Pult pro Zimmer auf, wenn alle am nächsten Tag irgendwelche Arbeiten abgeben müssen?

watson in Sambia

Leiter Unternehmensentwicklung Sven Ruoss und Sportchef Reto Fehr führen in Zusammenarbeit mit der Schweizer Hilfsorganisation B360 Education Partnerships an der Universität von Lusaka (UNZA) in Sambia ein zweiwöchiges Modul über Online-Journalismus durch. Die Studenten erhalten dabei wertvolle Inputs für ihre Newsplattform Lusaka Star. Die Zeitung wurde vor rund zwei Jahren mit Unterstützung der Zürcher Agentur Mediaschneider in ein Online-Portal umgewandelt und wird vom Studiengang Mass Communication betreut.

Frühstück meist die einzige Mahlzeit

Dazu kommt der Schlafmangel. Irgendjemand löscht sicher erst um Mitternacht das Licht und ein anderer muss schon um 5 Uhr aufstehen, denn bei einer Dusche und höchstens zwei Toiletten pro Etage sind lange Wartezeiten vorprogrammiert. Und sowieso: Wie frühstücke ich, wenn das ganze Zimmer mit Matratzen und schlafenden Mitstudenten belegt ist?

UNZA 2014

Dieses Zimmerchen teilen sich vier Studenten. Privatsphäre ist ein Fremdwort. Bild: watson

Dabei ist das Frühstück aus finanziellen Gründen für viele Studenten die einzig richtige Malzeit. Ständiger Hunger und Durst – die in den seltensten Fällen gestillt werden können – in den stickigen Räumen mit weit über 30 Grad führen zu Unwohlsein, Kopfweh und Energielosigkeit. Wie soll man so noch voll aufnahmefähig sein?

Worin trotz all den Unzulänglichkeiten meist kein Mangel besteht, ist am Willen etwas zu lernen. Auch wenn der Weg über endlose Umwege führt und das Ziel erst zwei Tage nach dem eigentlichen Abgabetermin erreicht wird: Am Ende haben praktisch alle die Aufgaben irgendwie gelöst. Denn sie wissen: So hoch ihre Aufwände an der besten Bildungsstätte des Landes auch sein werden. Es ist immer noch billiger als Unwissenheit. 



Das könnte dich auch interessieren:

«Die Schweiz ist eine Gold-Weltmacht – ein enormes Risiko»

Link zum Artikel

Turbo Jens ist alles, was du heute gesehen haben musst (wer hat den Typen eingestellt?)

Link zum Artikel

YouTuberin verwandelt Teslas Model 3 in Pick-up – und das Resultat ist grandios

Link zum Artikel

«Ab 30 kann Mann keine kurzen Hosen mehr tragen!» – watson-Chef klärt uns auf 🙄

Link zum Artikel

Diese Schweizer Fussballer haben noch keinen Vertrag für nächste Saison

Link zum Artikel

Herr Matthes, wie gross ist die Schadenfreude bei Nokia über Huaweis Trump-Schlamassel?

Link zum Artikel

Ein Streik kommt selten allein – so wollen die Frauen weitermachen

Link zum Artikel

Nach 27 Jahren kommt der Nachfolger der SMS – das musst du über RCS wissen

Link zum Artikel

Merkel beginnt bei Staatsbesuch plötzlich zu zittern – Entwarnung folgt kurz darauf

Link zum Artikel

Empörung nach Landung am Mont-Blanc

Link zum Artikel

Ohrfeige für Bundesanwalt vom Bundesstrafgericht – Lauber ist im FIFA-Fall befangen

Link zum Artikel

40 Millionen Liter Trinkwasser verschwunden? Das Rätsel von Tägerig ist gelöst

Link zum Artikel

OMG – wir haben Knoblauch unser ganzes Leben lang falsch geschält

Link zum Artikel

Warum Donald Trump 2020 wiedergewählt wird – und warum nicht

Link zum Artikel

Ein 3-jähriges Mädchen zerstört eine Fliege – das macht dann 56'000 Franken

Link zum Artikel

«Kann man sich in einen guten Freund verlieben?»

Link zum Artikel

Khashoggi-Mord: Hinweise belasten Saudi-Kronprinz

Link zum Artikel

Federer vor Halle-Auftakt: «Rasen hat seine eigenen Regeln – vor allem für mich»

Link zum Artikel

We will always love you – vor 60 Jahren veröffentlichte Dolly ihre erste Single

Link zum Artikel

Fazit nach Frauenstreik: Hunderttausende Menschen protestierten für Gleichstellung

Link zum Artikel

«Er hat nicht unrecht» – das sagt Christoph Blocher zu SVP-Glarners Handy-Terror

Link zum Artikel

Du willst dein Handy sicherer machen? Dann solltest du diese 10 Regeln kennen

Link zum Artikel

FCB-Sportchef Streller tritt mit emotionalem SMS zurück: «Es bricht mir s’Herz»

Link zum Artikel

Trump hat sich im Persischen Golf verzockt

Link zum Artikel

5 Action-Heldinnen, die die Filmwelt ordentlich gerockt haben

Link zum Artikel

Preisgeld-Vergleich: So viel mehr kassieren Männer im Sport als Frauen

Link zum Artikel

14 Gründe, warum die Frauen heute streiken

Link zum Artikel

«Das stimmt einfach nicht» – Martullo-Blocher wird in der «Arena» vorgeführt

Link zum Artikel

Nach Handy-Terror: Betroffene Mutter rechnet mit SVP-Glarner ab – und wie

Link zum Artikel

Trump setzte Kopfgeld auf unschuldige Schwarze aus – jetzt melden sie sich zu Wort

Link zum Artikel

9 spannende Geisterstädte und ihre Geschichten

Link zum Artikel
Alle Artikel anzeigen

Abonniere unseren Newsletter

0
Bubble Weil wir die Kommentar-Debatten weiterhin persönlich moderieren möchten, sehen wir uns gezwungen, die Kommentarfunktion 48 Stunden nach Publikation einer Story zu schliessen. Vielen Dank für dein Verständnis!
0Alle Kommentare anzeigen