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Neunte Zinserhöhung in Folge im Euroraum: Leitzins bei 4,25 Prozent

Neunte Zinserhöhung in Folge im Euroraum: Leitzins bei 4,25 Prozent

27.07.2023, 14:2627.07.2023, 14:26

Im Kampf gegen die nach wie vor hohe Inflation im Euroraum hat die Europäische Zentralbank (EZB) die Zinsen zum neunten Mal in Folge erhöht. Der EZB-Rat beschloss am Donnerstag eine Anhebung um weitere 0.25 Prozentpunkte.

Leitzins Prozentanstieg
Der Leitzins wurde zum neunten Mal in Folge erhöht.Bild: Shutterstock

Der Leitzins, zu dem sich Geschäftsbanken frisches Geld bei der EZB besorgen können, steigt damit auf 4.25 Prozent. So hoch war der Leitzins zuletzt zu Beginn der weltweiten Finanzkrise Anfang Oktober 2008.

Parken Banken Geld bei der EZB, erhalten sie dafür künftig 3.75 Prozent Zinsen, wie die Notenbank in Frankfurt mitteilte. Nach Jahren mit Null- und Negativzinsen haben die Währungshüter angesichts der hohen Teuerung die Zinsen seit Juli 2022 in einer beispiellosen Serie angehoben. EZB-Präsidentin Christine Lagarde hatte die neunte Erhöhung bereits in Aussicht gestellt.

Gleicher Trend wie Fed

Auch die US-Notenbank Federal Reserve legte im Kampf gegen die Inflation nach und hob am Mittwoch den Leitzins auf den höchsten Stand seit 22 Jahren an. Der Leitzins liegt nun in der Spanne von 5.25 bis 5.5 Prozent.

Höhere Zinsen verteuern Kredite. Das kann die Nachfrage bremsen und hohen Teuerungsraten entgegenwirken. Zwar schwächte sich die Inflation im Juni ab. Im Währungsraum der 20 Staaten lagen die Verbraucherpreise nach Angaben des Statistikamtes Eurostat um 5.5 Prozent über dem Niveau des Vorjahresmonats.

Im Mai war noch eine jährliche Teuerungsrate von 6.1 Prozent verzeichnet worden. Die Rate liegt aber weiterhin deutlich über dem mittelfristigen Inflationsziel der EZB von zwei Prozent, bei dem die Notenbank Preisstabilität gewahrt sieht.

Kaufkraft sinkt

Höhere Teuerungsraten lassen die Kaufkraft der Menschen schwinden: Verbraucherinnen und Verbraucher können sich für ihr Geld weniger leisten. Sie treten beim Konsum auf die Bremse. Das belastet das Wirtschaftswachstum, für das der private Konsum eine wichtige Stütze ist.

Auf der anderen Seite verteuern steigende Zinsen Kredite für Unternehmen, weshalb die eine oder andere Investition ausfallen könnte. Auch das bremst die Konjunktur.

«Über die Juli-Sitzung hinaus werden Anzeichen einer sich abkühlenden Wirtschaft und nachlassender Inflationsdruck die Diskussion bei der EZB darüber, wie weit man gehen soll, kontroverser machen», meint daher ING-Deutschland-Chefökonom Carsten Brzeski.

Sparer profitieren

Sparer profitieren nach jahrelanger Flaute von steigenden Zinsen für Tagesgeld und Co. Der Durchschnittszins bundesweit verfügbarer Tagesgeldangebote liegt nach Berechnungen des Vergleichsportals Verivox aktuell bei 1.31 Prozent (Stand 20. Juli 2023). Anfang August 2022 waren es nur 0.05 Prozent. Allerdings gibt es bei 141 von 738 ausgewerteten Geldhäusern den Angaben zufolge auf dem Tagesgeldkonto nach wie vor keine Zinsen.

Für Kreditnehmer wird es durch steigende Zinsen teurer, vor allem Bauherren bekommen das deutlich zu spüren. Seit Frühjahr 2022 sind die Zinsen für Baukredite in Deutschland, die sich an der Verzinsung von Bundesanleihen orientieren, der Bundesbank zufolge im historischen Vergleich unerwartet stark gestiegen. Die Analyse zeige, «dass die Banken in Deutschland den Zinssatz für Wohnungsbaukredite an private Haushalte seit Mai 2022 stärker angehoben haben als zu erwarten gewesen wäre», hiess es im Bundesbank-Monatsbericht Juni. (saw/sda/awp/dpa)

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