Wirtschaft
Schweiz

Caritas: Drohende Mieterhöhungen sind «Hiobsbotschaft» für Ärmere

«136 Franken mehr pro Monat nur für Wohnen»: Mieterhöhungen treffen Ärmere hart

02.06.2023, 07:0602.06.2023, 09:33
ZUR CARITAS-STUDIE UEBER ARMUT UND ALLEINERZIEHENDE STELELN WIR IHNEN AM FREITAG, 12. JUNI 2015, FOLGENDES ARCHIVBILD ZUR VERFUEGUNG - The Caritas logo on the window pane of the Caritas Market in Zuri ...
Die Caritas ist besorgt über die momentane Situation.Bild: KEYSTONE

Caritas-Geschäftsleitungsmitglied Andreas Lustenberger kritisiert die kommenden Mieterhöhungen aufgrund des gestiegenen Referenzzinssatzes. «Das ist in der aktuellen Situation mit ohnehin steigenden Lebenskosten eine Hiobsbotschaft für die Ärmeren.»

«Man kann von einer multiplen Krise für Menschen mit tiefen Einkommen sprechen»

Als Beispiel nannte Lustenberger eine vierköpfige Familie mit zwei kleinen Kindern und einem bisherigen Mietzins von 1800 Franken. Wegen des höheren Referenzzinssatzes, der Teuerung und höheren Nebenkosten müsse diese viel Tiefer in die Tasche greifen. «Insgesamt ergibt dies Mehrkosten von 136 Franken pro Monat allein für das Wohnen», sagte er in einem am Freitag veröffentlichten Interview mit dem Tamedia-Titeln.

Caritas-Geschäftsleitungsmitglied Andreas Lustenberger.
Caritas-Geschäftsleitungsmitglied Andreas Lustenberger.bild: grüne

Dazu kämen die gestiegenen Lebensmittelpreise und die stark gestiegenen Krankenkassenprämien. Eine weitere markante Prämienerhöhung zeichne sich für nächstes Jahr bereits ab. «Man kann von einer multiplen Krise für Menschen mit tiefen Einkommen sprechen», so Lustenberger.

«Es erträgt eigentlich nichts mehr.»

Bereits die Coronapandemie habe gezeigt, dass rund ein Fünftel aller Menschen keine 2500 Franken auf der Seite habe. «Jetzt sind wir ein paar Krisen weiter, und es erträgt eigentlich nichts mehr.»

ZUR CARITAS-STUDIE UEBER ARMUT UND ALLEINERZIEHENDE STELELN WIR IHNEN AM FREITAG, 12. JUNI 2015, FOLGENDES ARCHIVBILD ZUR VERFUEGUNG - Eine Kundin sucht Aepfel aus, am Montag, 6. September 2010 im Car ...
Erlebt starken Zulauf: Der Caritas-Markt.Bild: KEYSTONE

Die Caritas-Märkte hätten dieses Jahr in den ersten drei Monaten 40 Prozent mehr Umsatz als in der Vorjahresperiode verzeichnet.

Lustenberger riet Betroffenen, von kostenlosen Budgetberatungen Gebrauch zu machen, die es in den meisten Kantonen gibt. Auch eine allfällige Mietzinserhöhung solle darauf geprüft werden, ob diese gerechtfertigt ist.

Er nahm aber auch die Politik in die Pflicht: «Mittelfristig sollte sie für mehr bezahlbaren Wohnraum sorgen, was nicht ganz einfach ist. Kurzfristig schlagen wir von der Caritas Ergänzungsleistungen für Menschen in prekären Situationen vor.» (oee/sda)

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