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Gewerbeverband ist stinksauer auf SRF: «...wie von der Wirtschaftsförderung Baden-Württemberg beauftragt»

«Wie von der Wirtschaftsförderung Vorarlberg in Auftrag gegeben», fand der Luzerner Gewerbeverein die 10-vor-10-Berichterstattung zum Tourismus nach dem Mindestkurs-Aus.  
«Wie von der Wirtschaftsförderung Vorarlberg in Auftrag gegeben», fand der Luzerner Gewerbeverein die 10-vor-10-Berichterstattung zum Tourismus nach dem Mindestkurs-Aus. screnshot: srf
Berichte zu Einkaufs-Tourismus

Gewerbeverband ist stinksauer auf SRF: «...wie von der Wirtschaftsförderung Baden-Württemberg beauftragt»

In einem offenen Brief kritisiert der Luzerner Gewerbeverband die SRF-Berichterstattung zu den «schwäbischen Einkaufsparadiesen» als konsumorientiert und kritiklos. SRF-Chefredaktor TV Tristan Brenn ist zufrieden mit der Berichterstattung.
23.01.2015, 06:2805.03.2015, 10:15
«Die Beiträge des Schweizer Fernsehens kommen fast ausnahmslos daher, als wären sie von der Wirtschaftsförderung Baden-Württemberg und Vorarlberg in Auftrag gegeben»
Gewerbeverband des Kantons Luzern

Bei einem Ereignis wie dem Fall des Mindestkurses schrecken nicht nur einzelne Wirtschaftszweige, sondern auch hunderte Journalisten im Land auf: Innerhalb kürzester Zeit müssen spannende, informative und erklärende Beiträge zum Thema her – auch beim gebührenfinanzierten Schweizer Radio und Fernsehen (SRF). Was das SRF am Montag brachte, liess Gaudenz Zemp aber den Kragen platzen. Prompt reagierte der Chef des Luzerner Gewerbeverbandes darauf mit einem offenen Brief an Roger de Weck. 

«Die Beiträge des Schweizer Fernsehens kommen fast ausnahmslos daher, als wären sie von der Wirtschaftsförderung Baden-Württemberg und Vorarlberg in Auftrag gegeben: konsumorientiert und kritiklos», schreibt der Gewerbeverband. Die Sonderzüge der SBB und die Extrafahrten der Basler Trams in die schwäbischen Einkaufsparadiese würden förmlich angepriesen, um Schnäppchenjäger ins Ausland zu locken, finden die Luzerner Gewerbler. 

Service Public besteht im Aufklären

«Das geht so nicht», sagt Gaudenz Zemp: «Das hiesige Gewerbe zahlt hohe Billag-Gebühren an das Schweizer Fernsehen. Dafür erwarten wir von diesem Sender, dass er die Anliegen und die Bedürfnisse der Wirtschaft ernst nimmt», sagt er gegenüber watson. Aus Sicht des Gewerbeverbandes hätten die Nachrichtensendungen des Schweizer Fernsehens fundierte, notfalls auch aufwendigeren Recherchen den oberflächlichen Geschichten vorzuziehen. «Schliesslich haben sie die finanziellen Ressourcen dazu», sagt Zemp. 

Den Leuten sei teilweise zu wenig bewusst, wie stark der Einkaufstourismus der Schweizer Wirtschaft schade und inländische Arbeitsplätze gefährde. «Der Service Public des Fernsehens besteht hier also im Aufklären und im Aufzeigen der wirtschaftlichen Zusammenhänge», meint Zemp.

«Den gestrigen Beitrag haben wir erfreut zur Kenntnis genommen, nur kam er leider ein paar Tage zu spät»
Gaudenz Zemp, Gewerbeverband Kanton Luzern

Kam der kritische Beitrag zu spät?

Das tat das SRF dann auch. Im Beitrag «Appell gegen Schnäppchen-Jagd» im 10 vor 10 vom Mittwoch wurden Einkaufstouristen in Konstanz kritischen Fragen ausgesetzt. «Den gestrigen Beitrag haben wir erfreut zur Kenntnis genommen, nur kam er leider ein paar Tage zu spät. Wir werden nun die SRF-Berichterstattung weiterhin genau beobachten», sagt Zemp. 

Da reagierte SRF auf seinen offenen Brief mit einer prompten Antwort. Chefredaktor TV Tristan Brenn schreibt anstelle von Roger de Weck: «Vorneweg gebe ich Ihnen Recht: Es ist Aufgabe von SRF, wirtschaftliche Zusammenhänge aufzuzeigen, auch im Zusammenhang mit dem Einkaufstourismus. Zur Berichterstattung gehört aber ebenso, die unmittelbaren Folgen eines so wichtigen Entscheides wie den der SNB darzustellen, ohne Wertung, ohne Aufruf zum «richtigen» Verhalten. 

Nicht nur im 10 vor 10 Beitrag sondern auch am Radio sei die Sicht des Gewerbes in Sachen Einkaufstourismus aufgezeigt worden. 

Der Schweizerische Gewerbeverband führt derzeit einen Abstimmungskampf gegen das neue Radio- und TV-Gesetz (RTVG), das für Unternehmen mit einem Umsatz von über 500'000 Franken eine abgestufte Gebührenpflicht vorsieht. Der Gewerbeverband hat gegen diese Regelung das Referendum ergriffen. Grösster Gegner des Gewerbeverbandes in dieser Angelegenheit ist die CVP, die die Spitzen der SRG stellt und das Referendum bekämpft. Das Stimmvolk wird voraussichtlich im Juni 2015 über das neue RTVG abstimmen. 

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