Schweiz
SVP

SVP-Ständerat Hannes Germann kritisiert Dreierticket

Galt zunächst als Mitfavorit auf den Bundesrats-Sitz: SVP-Ständerat Hannes Germann.
Galt zunächst als Mitfavorit auf den Bundesrats-Sitz: SVP-Ständerat Hannes Germann.
Bild: KEYSTONE

«Eine abgekartete Sache»: SVP-Ständerat Hannes Germann kritisiert Dreierticket

04.12.2015, 10:5104.12.2015, 14:35

Der Schaffhauser Ständerat Hannes Germann, der von der SVP-Fraktion als Bundesratskandidat ausgelassen worden ist, vermutet in der Besetzung des Dreiertickets «eine abgekartete Sache».

Allzu enttäuscht sei er über die Nicht-Nomination zwar nicht gewesen, sagt Germann in einem Gespräch mit den «Schaffhauser Nachrichten» vom Freitag. Er habe die Chancen realistisch eingeschätzt. Geärgert habe ihn allerdings «die Art und Weise, wie die Nomination zustande gekommen ist».

Hannes Germann ist nicht immer gleicher Meinung wie seine Parteikollegen.
Hannes Germann ist nicht immer gleicher Meinung wie seine Parteikollegen.
Bild: KEYSTONE

Für ihn sei nicht nachvollziehbar, weshalb die Findungskommission zum Schluss gekommen sei, sein Schaffhauser Parteikollege und Nationalrat «Thomas Hurter, die beiden Basler und ich seien zwar wählbar, stünden als Kandidaten aber ‹nicht im Vordergrund›.»

Eine Rolle gespielt habe wohl auch, «dass ich sehr eigenständig und unabhängig politisiere». Dies zu ändern und «gegen meine Überzeugung zu handeln» sei er nicht bereit. Entsprechend dem Auftrag, den Politiker gemäss Bundesverfassung haben, habe er «eine eigenständige Linie, denke selber und übernehme Verantwortung für meine Entscheide».

Absolut linientreue Parteikollegen

Er und Hurter hätten offenbar nicht ins Schema der Chefstrategen gepasst. «Die Fraktion hat sich für absolut linientreue Parteikollegen entschieden.» Das müsse er akzeptieren. Auf ihn mache das Ganze aber den Eindruck einer abgekarteten Sache.

Die Ostschweiz werde somit nach dem Abgang von Eveline Widmer-Schlumpf keine Vertretung mehr im Bundesrat haben. Dies, obwohl die Bundesverfassung festhalte, auch die Landesteile seien bei der Besetzung des Bundesrates angemessen zu berücksichtigen.

Hannes Germann ist ob der Nomination Norman Gobbis irritiert. 
Hannes Germann ist ob der Nomination Norman Gobbis irritiert.
Bild: RUBEN SPRICH/REUTERS

Schwer tut sich Germann mit der Nomination des Tessiner Lega-Politikers Norman Gobbi. Dieser ist zwar im Hinblick auf die Bundesratskandidatur der SVP beigetreten, ist im Tessin aber immer noch Mitglied der Lega.

Acht Jahre lang habe sich die SVP «dagegen gewehrt, dass mit der BDP eine Kleinpartei im Bundesrat sitzt», sagt Germann. «Jetzt wird genau ein Vertreter einer solche Gruppierung vorgeschlagen.»

Auf die Frage, ob er selbst eine allfällige Wahl am 9. Dezember annehmen würde, kontert Germann, diese Frage erübrige sich, «da ich nicht als Sprengkandidat verheizt werden möchte». (sda/cma)

DANKE FÜR DIE ♥
Würdest du gerne watson und unseren Journalismus unterstützen? Mehr erfahren
(Du wirst umgeleitet, um die Zahlung abzuschliessen.)
5 CHF
15 CHF
25 CHF
Anderer
Oder unterstütze uns per Banküberweisung.
«Es ist einfacher, die Schuld an allem den Ausländern zuzuschieben»
Der Kriminologe Ahmed Ajil ist männlich, migrantisch und muslimisch. Vorurteile sind ihm deshalb gewiss. Doch genau das macht er sich nun im Podcast «keshmesh» zunutze. watson hat ihn zum Gespräch über Migration, Männlichkeit und Ausländerkriminalität getroffen.
Wenn Ahmed Ajil von Medien zu Ausländerkriminalität oder Terrorismus befragt wird, weiss er schon, was anschliessend in den Kommentarspalten zu lesen sein wird: Er sei der «Falsche», um darüber zu sprechen. Objektiv könne «einer wie er» sowieso nicht sein.
Zur Story