International
Türkei

Erdogan will auch Militär und Geheimdienst unter seine Fittiche nehmen

Turkish President Tayyip Erdogan attends an interview with Reuters at the Presidential Palace in Ankara, Turkey, July 21, 2016. REUTERS/Umit Bektas
Schaltet mögliche Dissidenz im Machtapparat sukzessive aus: Recep Tayyip Erdogan.Bild: UMIT BEKTAS/REUTERS

Erdogan will auch Militär und Geheimdienst unter seine Fittiche nehmen

28.07.2016, 19:0329.07.2016, 06:36

Der türkische Präsident Recep Tyyip Erdogan will seine Machtfülle weiter ausbauen: Offenbar will er auch das Militär und die Geheimdienste unter seine Kontrolle bringen. Das berichtet CNN Türk und beruft sich dabei auf Parlamentsabgeordnete.

Wie es weiter heisst, soll der entsprechende Beschluss bei einer Sitzung des Nationalen Sicherheitsrates – eines Gremiums, das aus Militärvertretern und Politikern besteht – gefasst worden sein.

Merkel mahnt Erdogan

Die deutsche Kanzlerin Angela Merkel hat die türkische Führung derweil aufgefordert, bei der Verfolgung mutmasslicher Putschisten die Prinzipien der Rechtsstaatlichkeit zu wahren. Sie sehe die Entwicklung in der Türkei mit Sorge, sagte Merkel am Donnerstag in Berlin.

German Chancellor Angela Merkel addresses a news conference in Berlin, Germany, July 28, 2016. REUTERS/Hannibal Hanschke
Leise Schelte von Merkel: Die Bundeskanzlerin verfolge die Situation in der Türkei «mit Sorge», lässt sie mitteilen.
Bild: HANNIBAL HANSCHKE/REUTERS

Es sei selbstverständlich, in einer solchen Situation wie dem gescheiterten Putsch mit allen Mitteln des Rechtsstaats gegen die Verantwortlichen vorzugehen, sagte Merkel. «Ein Land muss gegen einen solchen Militärputsch auch etwas tun.» In einem Rechtsstaat müsse aber immer unbedingt das Prinzip der Verhältnismässigkeit gewahrt werden.

Staatsanwaltschaft will Vermögen beschlagnahmen
Nach dem Putschversuch in der Türkei hat die Staatsanwaltschaft in Ankara die Beschlagnahmung aller Vermögenswerte von mehr als 3000 Richtern und Staatsanwälten beantragt. Betroffen seien 3049 Richter und Staatsanwälte mit mutmasslichen Verbindungen zur Bewegung des Predigers Fetullah Gülen, deren Festnahme bereits angeordnet worden sei, meldete die staatliche Nachrichtenagentur Anadolu am Donnerstag. (tat/sda)

Die Kanzlerin äusserte die Sorge, dass in der Türkei doch sehr hart vorgegangen werde. Sie sieht ihre Möglichkeiten zur Einflussnahme aber begrenzt: Sie könne als ausländische Regierungschefin nur ihre Bedenken deutlich machen. Wichtig sei es vor allem, im Gespräch zu bleiben. Mit Staatspräsident Recep Tayyip Erdogan habe sie immer einen ehrlichen Austausch. (tat/sda)

DANKE FÜR DIE ♥
Würdest du gerne watson und unseren Journalismus unterstützen? Mehr erfahren
(Du wirst umgeleitet, um die Zahlung abzuschliessen.)
5 CHF
15 CHF
25 CHF
Anderer
Oder unterstütze uns per Banküberweisung.
Drohung: Austrian-Airlines-Flugzeug muss in Sofia landen
Wegen einer Drohung hat ein Flugzeug der österreichischen Fluggesellschaft Austrian Airlines einen ungeplanten Zwischenstopp in Sofia einlegen müssen. Die Maschine befand sich am Sonntagabend auf dem Weg von Tel Aviv nach Wien, als es die Kursänderung gab. «Das betroffene Flugzeug – ein Airbus A320 – wird nunmehr entsprechend durchsucht», hiess es nach Angaben der österreichischen Nachrichtenagentur APA in einer Mitteilung von Austrian Airlines. Das Unternehmen bestätigte darin die Drohung.
Zur Story