Sport
Eismeister Zaugg

Keine Entlassung wie jede andere, denn mit Schläpfer endet eine Ära

Biels Head Coach Kevin Schlaepfer, Mitte, waehrend dem Eishockey National League A Spiel zwischen dem EHC Biel und dem HC Ambri-Piotta, am Samstag, 17. September 2016, in Biel. (KEYSTONE/Marcel Bieri)
Er hat ausgetobt in Biel: Kevin Schläpfer. Aber kann Biel auch ohne seinen «Hockey-Gott»?Bild: KEYSTONE
Eismeister Zaugg

Keine Entlassung wie jede andere, denn mit Schläpfer endet eine «Hockey-Ära»

Die Amtsenthebung von Kevin Schläpfer unterscheidet sich von allen Trainer-Entlassungen der letzten Jahre. Eine «Hockey-Ära» ist zu Ende.
14.11.2016, 20:0215.11.2016, 09:13

Er hat die Aufstiegsmannschaft von 2008 als Sportchef zusammengestellt. Er hat Biel zweimal als Nottrainer in der Liga-Qualifikation gerettet. 2010 ist Kevin Schläpfer schliesslich Cheftrainer und die wichtigste Person im Hockey-Unternehmen EHC Biel geworden. Der Trainer und nicht ein Spieler hat Biel in den letzten sechs Jahren personifiziert. So ist er eine Kultfigur geworden («Hockey-Gott») – und deshalb hat er jetzt seinen Job verloren.

Hin und wieder ist eine Trainerentlassung unumgänglich. Weil sonst ein Sportunternehmen ruiniert würde. Das war beispielsweise im Falle von Scott Beattie und Langnau so. In Biel ist die Ausgangslage eine ganz andere: so wie die Mannschaft spielte, so wie sie trainiert und gecoacht worden ist, war es nicht notwendig, den Trainer zu wechseln.

Der Bieler Headcoach Kevin Schlaepfer jubelt nach dem gewonnenen fuenften Auf-/Abstiegsplayoff Ligaqualifikationsspiel der NLA/NLB zwischen dem EHC Biel und dem EHC Visp am Samstag, 19. April 2014, in ...
Schläpfer rettete Biel dreimal in der Liga-Qualifikation, so wie hier 2014 gegen Visp.Bild: KEYSTONE

Biel wäre mit ziemlicher Sicherheit nicht abgestiegen, wenn Kevin Schläpfer im Amt geblieben wäre. Und mit ziemlicher Sicherheit wird auch der Nachfolger von Kevin Schläpfer die Playoffs nicht erreichen. Warum dann die Entlassung?

Die neue Arena veränderte alles

Biel hat mit dem Einzug ins neue Stadion vor einem Jahr die Unschuld verloren. Will heissen: Seit Biel in der neuen Arena spielt, reicht es nicht mehr, Aussenseiter zu sein. Die Erwartungen sind höher geworden. Diese neuen Erwartungen personifiziert Torhüter Jonas Hiller. Der NHL-Titan ist Biels wichtigster Transfer seit dem Wiederaufstieg von 2008. Und so ist er auch der wichtigste Einzelspieler. Mehr noch: zum ersten Mal seit der Rückkehr in die NLA ist ein Spieler in Biel wichtiger geworden als der Trainer.

Die Bieler Fans verfolgen das Eishockey Meisterschaftsspiel der National League A zwischen dem EHC Biel und dem SC Bern, am Samstag, 24. September 2016, in der Tissot Arena in Biel. (KEYSTONE/Peter Kl ...
Mit der neuen Arena stiegen die Ansprüche.Bild: KEYSTONE

Wenn die höheren Investitionen in Infrastruktur und Mannschaft nicht zinsen, wenn die hohen Erwartungen nicht erfüllt werden, dann kommt im Umfeld, bei den Investoren, Unruhe auf.

Bis und mit der letzten Saison war der Trainer unantastbar. Kevin Schläpfer war das Gesicht des EHC Biel. Als ihn der Verband im letzten Herbst als Nationaltrainer wollte, durfte er nicht gehen. Biel wollte seinen Star, sein Gesicht, ja, seine Seele nicht verkaufen. Der EHC Biel schien ohne Kevin Schläpfer so undenkbar wie der HC Davos ohne Arno Del Curto. So gesehen ist Kevin Schläpfers Entlassung die ungewöhnlichste der letzten Jahre. Mit ihm geht eine Ära zu Ende.

Niemand wagt zu sagen, dass Hiller die Mannschaft nicht besser macht

Der Transfer von Jonas Hiller hat alles verändert. Ob er will oder nicht – ihm ist die Rolle des «Hockey-Gottes» zugeschoben worden. So klug es vom Marketing her war, den Transfer des ehemaligen NHL-Torhüters zu feiern und grosse sportliche Hoffnungen zu wecken, so verhängnisvoll sollte sich diese Entwicklung für Kevin Schläpfer erweisen.

Biels Goalie Jonas Hiller ist geschlagen, waehrend dem Meisterschaftsspiel in der NLA zwischen dem EHC Biel und den SCL Tigers, am Freitag, 11. November 2016, in der Tissot Arena in Biel. (KEYSTONE/Ma ...
Gar nicht so gut, wie alle denken. Zumindest auf Dauer nicht: Jonas Hiller.Bild: KEYSTONE

Wenn Jonas Hiller im Tor steht und die Mannschaft nicht besser spielt, ja, wenn sich abzeichnet, dass es nicht einmal für die Playoffs reicht – wer ist dann schuld? Sicher nicht Jonas Hiller. Sicher nicht der Torhüter, der sich in der NHL bewährt hat. Niemand wagt es zu sagen, dass Jonas Hiller auch nicht besser ist als einst Reto Berra. Niemand wagt zu sagen, dass Jonas Hiller auf Dauer die Mannschaft nicht viel besser machen kann. Niemand wagt zu sagen, dass auch mit Jonas Hiller mehr als eine Playoff-Qualifikation nicht möglich ist.

Und so bleibt in der Krise, in den Tagen der enttäuschten Hoffnungen, nur ein Sündenbock: der Trainer. Kevin Schläpfer. Er muss gehen, weil er die unrealistischen Erwartungen des Umfeldes in Biel nicht erfüllen kann.

Nati-Theater war der Anfang vom Ende

Ist Kevin Schäpfer also sozusagen ein unschuldiges Opfer? Nein, ganz so einfach ist es nicht. Biels Manager Daniel Villard sollte Nationalmannschafts-Direktor Raëto Raffainer eine Rechnung schicken. Sein Versuch, im letzten Herbst Kevin Schläpfer als Nationaltrainer abzuwerben, hatte weitreichende Folgen.

Die Tränen bei Kevin Schläpfer, als er nicht zur Nati durfte

Das ganze Theater, das in einer tränenreichen Absage endete, hat die Autorität von Kevin Schläpfer untergraben. Nicht so, dass er nicht mehr hätte Biels Trainer sein können. Aber stark genug, dass er seither nicht mehr unantastbar, unentlassbar ist. Der Gedanke, dass es vielleicht auch ohne Kevin Schläpfer gehen muss, ist seither wie ein böser Geist in Biel eingekehrt.

Charisma auch wegen Verletzung weg

Dazu kommt viel Pech. Eine Infektion im Knie macht es Biels Trainer diese Saison unmöglich, auf dem Eis zu arbeiten. Kevin Schläper ist ein «Energie-Trainer» wie Arno Del Curto. Also eine charismatische Führungspersönlichkeit, die mit ihrer Präsenz Energie in die Kabine bringt. In diesem Herbst hat Kevin Schläpfer viel von seinem Charisma verloren. Weil er die Energie erst einmal dafür braucht, wieder ganz gesund zu werden.

Steigt Biel ohne Kevin Schläpfer ab?
An dieser Umfrage haben insgesamt 1949 Personen teilgenommen

Langnau ist durch die Verpflichtung von Heinz Ehlers eine neue, eine bessere Mannschaft geworden. Biel wird durch die Entlassung von Kevin Schläpfer nicht eine bessere Mannschaft. Vielmehr kommt nun eine dramatische, turbulente Phase. Der «Schläpfer-Blues». Sozusagen eine Entzugskur. Die Entwöhnungsphase von Kevin Schläpfer. Der EHC Biel muss zum ersten Mal seit dem Wiederaufstieg ohne charismatische Führungspersönlichkeit auskommen. Ohne «Hockey-Gott». Ein Hockey-Universum, das so sehr auf seinen Trainer zentriert war, hat sein neues Zentralgestirn verloren.

Biel wird vorerst keinen Trainer finden, der in Kevin Schläpfers Schuhen stehen, der ein neues Zentralgestirn sein kann. Die grosse Frage ist: kann Biel auch mit einem gewöhnlichen Trainer erfolgreich sein? Für diese Saison lautet die Antwort: Nein.

Bald ein Plätzli für Biel? Alle NLA-Absteiger seit Einführung der Zwölfer-Liga

1 / 10
Alle NLA-Absteiger seit Einführung der Zwölfer-Liga
Saison 2017/18: EHC Kloten (Aufsteiger: Rapperswil-Jona Lakers)
quelle: keystone / gian ehrenzeller
Auf Facebook teilenAuf X teilen

Hol dir jetzt die beste News-App der Schweiz!

  • watson: 4,5 von 5 Sternchen im App-Store ☺
  • Tages-Anzeiger: 3,5 von 5 Sternchen
  • Blick: 3 von 5 Sternchen
  • 20 Minuten: 3 von 5 Sternchen

Du willst nur das Beste? Voilà:

DANKE FÜR DIE ♥
Würdest du gerne watson und unseren Journalismus unterstützen? Mehr erfahren
(Du wirst umgeleitet, um die Zahlung abzuschliessen.)
5 CHF
15 CHF
25 CHF
Anderer
Oder unterstütze uns per Banküberweisung.
Wer die Kugeln holt und wer fehlt – die wichtigsten Punkte vor Weltcup-Start
Mit dem Gletscher-Prolog in Sölden beginnt an diesem Wochenende die Weltcup-Saison 2026/27. Der klare Höhepunkt des Winters sind die Weltmeisterschaften im Februar im Crans-Montana. Nachfolgend die Antworten auf die wichtigsten Fragen.
Dank Marco Odermatt sehr gut. Von den letzten fünf Rennen auf dem Rettenbachgletscher gewann der Nidwaldner drei (2021, 2022 und vor Jahresfrist), einmal wurde er Zweiter (2020). Weitere Schweizer Top-5-Plätze geniessen in Sölden allerdings eher Seltenheitswert: 2020 wurde Gino Caviezel Dritter, ein Jahr später Vierter. Am Sonntag kehrt der 34-jährige Bündner nach einer langen Verletzungspause – und nur einem Rennstart seit Ende Dezember 2024 – zurück. Loïc Meillard erreichte sein bestes Resultat im Ötztal 2020 als Fünfter.
Zur Story