Terrorismus
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Schweizer Geisel Lorenzo V.

Schweizer Ex-Geisel wieder zurück

«Ich robbte auf allen Vieren, ich verlor viel Blut, meine Brille war weg.»

Der 49-jährige Vogelkundler, der fast drei Jahre lang auf den Philippinen in Geiselhaft war, ist am Freitagmorgen auf dem Flughafen Zürich angekommen.



«Geht nicht hin, vermeidet das Gebiet grossräumig». Lorenzo V. warnt in seinem ersten Interview nach der Rückkehr in die Schweiz. keystone

Er sei sehr erleichtert, wieder in der Schweiz zu sein, sagte er. Nun brauche er vor allem Ruhe und Zeit mit seiner Familie, sagte der sichtlich abgemagerte und geschwächte Schweizer.

«Ich muss so viel nachholen. Ich habe so viel verpasst»

Bei der Flucht wurde er durch ein Buschmesser verletzt. Für seine Erklärung vor den Medien musste er sich deshalb setzen.

Die Männer seien durch Essen und Frauen abgelenkt gewesen, erzählte er. Nur ein Wachmann sei in der Nähe gewesen. Sein niederländischer Freund habe es leider nicht gewagt, ebenfalls zu fliehen. 

«Er sagte mir, ich solle allein gehen. Zu zweit sei es zu gefährlich.» 

So habe er eben allein sein Buschmesser genommen, sich in eine geblümte Decke gewickelt und sei zuerst zur Küche, dann in Richtung Toilette gegangen.

«Hätten sie mich gefasst, hätte ich gesagt, ich hätte Hunger oder Durchfall.» 

Doch die Terroristen waren offenbar müde vom Feiern – niemand war zu sehen. Knapp 100 Meter vor dem nächsten, rettenden Dickicht sei aber plötzlich doch ein Wachmann vor ihm gestanden. Ein etwa 60-jähriger, kleiner, hagerer Mann.  

«Ich wollte ihm nicht weh tun.» 

Als der Wächter angefangen habe zu schiessen, habe er ihm einen Tritt in den Schritt verpasst und ihn in die Hand gebissen. Offenbar hatte der Ornithologe den Wächter – entgegen ersten Berichten – aber nicht getötet, sondern nur verletzt. Zu dieser Version passt auch, dass die Leiche des Terroristen nicht gefunden wurde. 

Der Vogelkundler wurde beim Kampf durch ein Buschmesser verletzt.

«Ich robbte auf allen Vieren, ich verlor viel Blut, meine Brille war weg.»

Mit letzter Kraft habe er es zu einem Bach und einer Kokosnuss-Plantage geschafft. 

Das Erste, was er zu Hause tun will: seine Website aktualisieren. Er habe den philippinischen Behörden versprochen, eine Warnung aufzuschalten. 

 «Geht nicht hin. Es ist zu gefährlich.»

Er selber war seit 1988 immer wieder im philippinischen Urwald unterwegs. Die Natur sei unbeschreiblich schön. Nun hofft er, dass es sein holländischer Ornithologen-Kollege ebenfalls in Freiheit schafft.

Die beiden Männer waren Anfang Februar 2012 mit einem einheimischen Führer in die abgelegene Provinz Tawi-Tawi gereist, um seltene Vögel zu fotografieren. Dabei wurden sie von Bewaffneten entführt und später den Terroristen übergeben. Der Einheimische konnte entkommen. 

Abu Sayyaf wurde in den 1990er Jahren mit Geld des Al-Kaida-Führers Osama bin Laden gegründet. Die Gruppierung kämpft nach eigenen Angaben für einen islamischen Staat im Süden der überwiegend katholischen Philippinen.

Bei den örtlichen Behörden gibt es jedoch Zweifel an ihren politischen Zielen. Sie halten Abu Sayyaf in erster Linie für eine Bande Krimineller, die Geiselnahmen als Gelderwerb betreibt. (sda)

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