Borneo brennt – giftiger Smog legt Teile Südostasiens lahm
In Palangkaraya auf der indonesischen Insel Borneo färbt der Smog den Himmel gelb bis orange. Häuser, Autos und Strassen verschwinden zeitweise im dichten Rauch. Die BBC berichtet aus einer Region, in der die Menschen seit Monaten mit den Folgen der Brände leben.
Besonders gross ist die Sorge um Kinder. Dianyra Eka Nastiti erzählt der BBC, ihre kleine Tochter sei bereits als Baby wegen einer Bronchopneumonie im Spital gewesen. Wenn der Rauch besonders dicht werde, lasse sie ihre Kinder nicht mehr nach draussen.
Mehr als 1,9 Millionen Hektaren verbrannt
Seit Jahresbeginn sind laut der Satellitenplattform Nusantara Atlas rund 1,9 Millionen Hektaren Land in Indonesien verbrannt – eine Fläche beinahe halb so gross wie die Schweiz. Rund eine Million Hektaren sollen allein im September betroffen gewesen sein.
Besonders problematisch sind Brände in Torfgebieten. Das Feuer kann dort unter der Erdoberfläche weiterglimmen und ist nur schwer zu löschen. Dabei entstehen grosse Mengen Rauch, Feinstaub und weitere Schadstoffe.
Bis Mitte Oktober registrierte Indonesiens Gesundheitsministerium mehr als 277'000 Fälle von chronischem Husten und akuten Atemwegsinfektionen. Über 62'000 davon betrafen Kinder unter fünf Jahren.
Feine Partikel im Rauch können tief in die Lunge gelangen und teilweise sogar in den Blutkreislauf eindringen. Besonders gefährdet sind Kinder, ältere Menschen und Schwangere.
Alltag trotz giftiger Luft
Die Behörden raten den Menschen in besonders stark betroffenen Gebieten, möglichst zu Hause zu bleiben. Für viele ist das laut BBC jedoch kaum umsetzbar. Sie müssen arbeiten, Lebensmittel einkaufen oder ihre Kinder versorgen.
In besonders stark betroffenen Regionen findet der Schulunterricht teilweise online statt. Bauern, Händler und Tagelöhner stehen gleichzeitig vor der Wahl, entweder auf Einkommen zu verzichten oder stundenlang in der belasteten Luft zu arbeiten.
Die 37-Jährige lebt rund 50 Kilometer nördlich von Palangkaraya. Ihre Familie verbringt inzwischen einen grossen Teil des Tages im Haus.
Feuerwehr kämpft gegen Feuer unter der Erde
Nach Angaben der indonesischen Regierung sind mehr als 60'000 Einsatzkräfte gegen die Brände im Einsatz. Neben Löscharbeiten am Boden kommen auch Flugzeuge für Wasserabwürfe sowie Methoden zur künstlichen Beeinflussung des Wetters zum Einsatz.
Doch vor allem Torfbrände stellen die Feuerwehr vor enorme Probleme. Sie können tief unter der Oberfläche weiterbrennen und benötigen grosse Mengen Wasser. Dieses wird wegen der anhaltenden Trockenheit zunehmend knapp.
Ein Feuerwehrmann namens Juni erzählt der BBC, er kämpfe seit mehr als 100 Tagen gegen die Brände. Der Rauch habe bei ihm Atemnot, dauernden Husten und Schmerzen in den Augen verursacht.
Regen bleibt die grösste Hoffnung
Waldbrände während der Trockenzeit sind in Indonesien nichts Neues. In diesem Jahr wurden die Bedingungen laut Experten jedoch durch einen besonders starken El-Niño-Effekt verschärft. Die Trockenheit hält länger an, während der Regen, der Torfbrände normalerweise eindämmen kann, ausbleibt.
Besorgniserregend sei zudem, dass Brände inzwischen auch in Gebieten auftreten, die bislang nicht als typische Feuerzonen galten, sagt die Forst- und Torfexpertin Nisa Novita der BBC.
Solange die Trockenheit anhält, dürfte die Lage schwierig bleiben. Trotz zehntausender Einsatzkräfte brennen weiterhin Feuer – und für viele Menschen auf Borneo bleibt die grösste Hoffnung eine, die sich kaum kontrollieren lässt: endlich kräftiger Regen. (mke)
