DE | FR
Wir verwenden Cookies und Analysetools, um die Nutzerfreundlichkeit der Internetseite zu verbessern und passende Werbung von watson und unseren Werbepartnern anzuzeigen. Weitere Infos findest Du in unserer Datenschutzerklärung.
Silvio Berlusconi kandidiert nicht für die Präsidentenwahl in Italien.
Silvio Berlusconi kandidiert nicht für die Präsidentenwahl in Italien. Bild: keystone

Fertig «Bunga-Bunga»: Berlusconi gibt Traum von Präsidentenwahl in Italien auf

23.01.2022, 12:38

Nach einer ebenso ereignisreichen wie skandalumtosten Karriere hat Silvio Berlusconi den letzten und grössten Politik-Coup verpasst. Der ehemalige Regierungschef musste seinen Lebenstraum aufgeben, italienischer Staatspräsident zu werden. Knapp zwei Tage vor Beginn der Wahl am Montag in Rom machte der 85-Jährige seinen Rückzug offiziell. Enttäuscht von dieser Niederlage schwänzte Berlusconi am Samstagabend ein virtuelles Spitzentreffen der Mitte-Rechts-Parteien und liess seine Entscheidung stattdessen von einer Parteifreundin der Forza Italia verlesen.

Berlusconi hatte sich als einziger Politiker offen um die Nachfolge von Sergio Mattarella an der Spitze des Staates bemüht - in Italien gibt es eigentlich keine offiziellen Bewerber vor der Wahl. Nach dem Aus Berlusconis intensivierten sich die Verhandlungen zwischen den Parteien in Rom. Es war unwahrscheinlich, dass ein gemeinsamer und lagerübergreifender Kandidat gefunden wird vor dem ersten Wahlgang.

Wahlen starten am Montag

Am Montag beginnt die Abstimmung von 1009 Wahlleuten in Rom. Unter ihnen sind die Mitglieder der beiden Parlamentskammern - dem Abgeordnetenhaus und dem Senat - sowie Vertreter der Regionen. In den ersten drei Wahlgängen ist eine Zwei-Drittel-Mehrheit nötig. Solch ein Ergebnis galt am Sonntag als sehr unwahrscheinlich. Weil pro Tag nur ein Wahlgang vorgesehen ist, dürfte bis Mittwoch kein Sieger feststehen. Von Donnerstag - und Wahlgang vier - an reicht die absolute Mehrheit. Bis dahin wird erwartet, dass es zu etlichen Deals der Parteien um mögliche Kandidaten kommen wird.

Berlusconi könnte dann als Strippenzieher und Königsmacher wichtig werden. Der Finanz- und Bauunternehmer, Medienmogul und zentrale Akteur in Italiens Politik seit drei Jahrzehnten ist selbst aber aus dem Rennen. «Ich habe entschieden, einen anderen Pfad einzuschlagen auf dem Weg der nationalen Verantwortung und bitte darum, darauf zu verzichten, meinen Namen als Präsident der Republik vorzuschlagen», teilte Berlusconi mit. «Ich werde meinem Land auf andere Art dienen.»

Er hatte zuletzt noch intensiv versucht, genug Wahlleute von sich zu überzeugen. In einer Kampagne («Operation Eichhörnchen») telefonierten der Multimillionär und seine Helfer seit Wochen mit etlichen Politikern anderer Parteien - offenkundig erfolglos.

Wegen «Bunga-Bunga-Partys» vor Gericht

In seiner Erklärung behauptete Berlusconi zwar generös, auf die Kandidatur zu verzichten, obwohl er die nötigen Stimmen von 505 der 1009 Wahlleute gesichert habe. Das aber darf stark bezweifelt werden. Zuletzt hatten Politikexperten und auch seine Helfer angedeutet, dass Berlusconi bis zu 100 Wahlleute gefehlt hatten.

Für Berlusconi, der viermal Ministerpräsident war, daneben aber vor allem durch Skandale und Strafprozesse auffiel und im Zusammenhang mit den sogenannten «Bunga-Bunga-Partys» immer noch vor Gericht steht, wäre eine Wahl zum Präsidenten eine späte Genugtuung gewesen.

Medienberichten zufolge hatten ihm Familienmitglieder geraten, auch wegen seiner Gesundheit einen Schritt zurück zu machen. Nach einer Herzoperation 2016 und einer Corona-Infektion 2020 ist der «Cavaliere» (Ritter) genannte Politiker regelmässig in ärztlicher Behandlung.

Nun rücken andere Kandidaten in den Fokus, etwa Pier Ferdinando Casini als Senator und früherer Präsident der Abgeordnetenkammer, der Verfassungsrichter und Ex-Ministerpräsident Giuliano Amato oder Maria Elisabetta Casellati, die aktuelle Vorsitzende des Senats.

Als Favorit galt zuletzt Ministerpräsident Mario Draghi - auch wenn Berlusconi in seinem Statement forderte, dass der Regierungschef bis zum Ende der Legislaturperiode im Amt bleiben solle. Bei einem Wechsel des ehemaligen EZB-Chefs ins Präsidentenamt drohen Parlamentsneuwahlen und ein vorübergehender Stopp der Reformen. Das Gefeilsche um das höchste Amt im Staat nimmt immer mehr Fahrt auf. (sda/dpa)

DANKE FÜR DIE ♥
Würdest du gerne watson und unseren Journalismus unterstützen? Mehr erfahren
(Du wirst umgeleitet um die Zahlung abzuschliessen)
5 CHF
15 CHF
25 CHF
Anderer
twint icon
Oder unterstütze uns per Banküberweisung.

Berlusconi muss ins Altersheim

1 / 8
Berlusconi muss ins Altersheim
quelle: ap/ap / antonio calanni
Auf Facebook teilenAuf Twitter teilenWhatsapp sharer

Berlusconi riecht den Duft des Sieges

Das könnte dich auch noch interessieren:

Abonniere unseren Newsletter

17 Kommentare
Weil wir die Kommentar-Debatten weiterhin persönlich moderieren möchten, sehen wir uns gezwungen, die Kommentarfunktion 24 Stunden nach Publikation einer Story zu schliessen. Vielen Dank für dein Verständnis!
Die beliebtesten Kommentare
avatar
Adee messi!
23.01.2022 13:20registriert April 2018
Endlich gibt dieser Clown auf.
461
Melden
Zum Kommentar
avatar
M&M
23.01.2022 14:29registriert März 2016
Das Bild von ihm ist gut. 😂
322
Melden
Zum Kommentar
avatar
Doppelpass
23.01.2022 16:55registriert Februar 2014
Wenn ein Clown in einen Präsidentenpalast einzieht wird er dadurch nicht zum Präsidenten, sondern der Palast wird zum Zirkus...
oder so ähnlich...
231
Melden
Zum Kommentar
17
Wegen Trockenheit in Italien: Mailand will erste Brunnen abdrehen

Wegen der anhaltenden Trockenheit in Norditalien will die Metropole Mailand erste Brunnen abdrehen. Ausgenommen seien solche, in denen sich Pflanzen und Tiere befinden, schrieb Mailands Bürgermeister Beppe Sala am Samstag auf Facebook. Auch die kleinen Brunnen auf den Gehwegen, aus denen Trinkwasser fliesst, blieben wegen der anstehenden Hitzewelle weiter offen. Die Stadt bewässere aber keine Grünflächen mehr. Sala rief die Bürger zudem auf, ihren Wasserverbrauch zu reduzieren, und empfahl, Klimaanlagen nicht kälter als 26 Grad Celsius einzustellen, um Energie zu sparen. Zu diesem Zweck sollten auch Geschäfte ihre Türen geschlossen halten.

Zur Story