Schweiz
Arbeitswelt

Coop erhöht den Mindestlohn: Die Gewerkschaften sind unzufrieden

Angestellte beim Coop erhalten nächstes Jahr leicht mehr Lohn.
Angestellte beim Coop erhalten nächstes Jahr leicht mehr Lohn.
Bild: KEYSTONE

Coop erhöht für 2016 den Mindestlohn auf 3'900 Franken: Die Gewerkschaften sind dennoch unzufrieden

02.11.2015, 16:3602.11.2015, 16:51

Der zweitgrösste Schweizer Detailhändler Coop hebt 2016 die Mindestlöhne für Ungelernte um 1.3 Prozent an. Zudem soll es individuelle Lohnerhöhungen geben. Die Gewerkschaften Unia und Syna sind damit nicht zufrieden. Die Lohnverhandlungen seien gescheitert.

Konkret erhalten Coop-Angestellte ohne Grundausbildung 50 Franken mehr Lohn im Monat, wie das Unternehmen am Montag mitteilte. Damit beträgt der Bruttomindestlohn 3900 Franken bei 13 Monatslöhnen und einer 41-Stundenwoche.

Auch für Angestellte im Mindeststundenlohn gibt es mehr: 21.95 statt wie bisher 21.65 Franken. Gemäss dem als Genossenschaft organisierten Unternehmen ist das die fünfte Mindestlohnerhöhung in zehn Jahren.

Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter mit einer zweijährigen Ausbildung oder mehr erhalten weiterhin mindestens zwischen 4000 und 4200 Franken brutto im Monat. Lohnerhöhungen gibt es individuell, wo es angebracht ist. Generelle Lohnanpassungen gewährt Coop nicht.

Keine Rücksicht auf höhere Mieten und Krankenkassenprämien

Das weckt den Unmut der Gewerkschaften. Unia moniert, Coop verweigere trotz Umsatzsteigerung um 1.4 Prozent und Gewinnanstieg um 1.7 Prozent im Jahr 2014 breitere Lohnanpassungen. Den höheren Mindestlohn begrüsst die Gewerkschaft zwar. Gerade die Belastung durch mehr Arbeit am Abend und die Erfahrung langjähriger Berufsleute sollten aber honoriert werden.

Generelle Lohnerhöhungen seien für Coop-Angestellte mit tieferen und mittleren Löhnen bei steigenden Mieten und Krankenkassenprämien wichtig.

Syna teilte mit, die Lohnverhandlungen seien aufgrund des viel zu tiefen Angebots von Coop gescheitert. Die Gewerkschaft lehne das Angebot ab. Die Erhöhung von 50 Franken bei den Mindestlöhnen sei keine Lohn- sondern eine Imagemassnahme. Zudem ziehe Coop damit lediglich wieder mit Konkurrentin Migros gleich.

Die Lohnverhandlungen bei Migros sind noch im Gange. Zahlen dürften erst Ende Monat erwartet werden. Auch die Detailhändler ALDI und Lidl haben die Löhne für 2016 noch nicht bekanntgegeben.

3'900 Franken: In der Migros gilt dieser Mindestlohn bereits seit 2015.
3'900 Franken: In der Migros gilt dieser Mindestlohn bereits seit 2015.
Bild: KEYSTONE

Die wenigsten Angestellten könnten profitieren. Einmal mehr werde auf steigende Lebenshaltungskosten in der Tieflohnbranche Detailhandel keine Rücksicht genommen. Syna prüfe den Geschäftsbericht und gebe hinterher eine weitere Beurteilung der diesjährigen Lohnrunde ab.

Auch die Angestelltenorganisation Kaufmännischer Verband stimmt in die Kritik ein. Die Lohnverhandlungen hätten keine Einigung gebracht und Coop habe die Sozialpartner vor vollendete Tatsachen gestellt. Dabei wäre angesichts der Geschäftszahlen Spielraum vorhanden gewesen. Im Detailhandel mit seinen traditionell tiefen Löhnen bestehe Nachholbedarf. (sda/cma)

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