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Kriminelle haben angeblich FBI gehackt – Tausende Mitarbeiter betroffen

FBI Director Kash Patel listens as President Donald Trump speaks at the David Mack Center for Training and Intelligence, Friday, Aug. 14, 2026, in Garden City, N.Y. (AP Photo/Julia Demaree Nikhinson)
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FBI-Direktor Kash Patel muss sich mit einer Drohung im Darknet beschäftigen.Bild: keystone

Kriminelle haben angeblich das FBI gehackt – das wissen wir zum Cyberangriff

Namen, Telefonnummern, Adressen und Informationen über Angehörige: Die «ShinyHunters»-Bande behauptet, Server der US-Bundespolizei infiltriert und persönliche Daten aller Beschäftigter gestohlen zu haben. Offenbar konnten unbekannte Angreifer auch eine FBI-Website verunstalten.
23.09.2026, 09:2323.09.2026, 12:12
Bastian Brauns / t-online
Ein Artikel von
t-online

Es ist eine Behauptung, die für die grosse amerikanische Sicherheitsbehörde kaum brisanter sein könnte: «Wir haben das FBI gehackt», hat ein Vertreter der Hackergruppe mit dem Namen ShinyHunters gegenüber dem US-Investigativmedium «404 Media» angegeben. Man verfüge über gestohlene Daten «aller FBI-Mitarbeiter und Bewerber».

Die wichtigsten Fragen und Antworten.

Welche Belege gibt es für den Cyberangriff aufs FBI?

Datensatz mit angeblich 5000 FBI-Mitarbeitern ausgehändigt

ShinyHunters stellte Journalisten von 404 Media laut Bericht vom Dienstag einen Datensatz zur Verfügung, der Informationen über rund 5000 mutmassliche FBI-Beschäftigte enthält – sozusagen als Beweis für die Echtheit des Hacks. Insgesamt arbeiten rund 38'000 Menschen beim FBI.

Noch ist aber nicht unabhängig bestätigt, wie gross der angebliche Datendiebstahl tatsächlich war – und ob es ihn in dieser Form gegeben hat. Das FBI reagierte zunächst nicht auf eine Medienanfrage von 404 Media. Die Behauptungen stammen bislang also nur von den Angreifern selbst.

Nach Angaben von 404 Media soll die ausgehändigten, angeblich dem FBI gestohlenen Daten unter anderem Namen, private Adressen, Telefonnummern und Geburtsdaten von FBI-Beschäftigten enthalten. Teilweise seien auch Informationen über deren Ehepartner enthalten. Die Hacker behaupten zudem, Daten ehemaliger Mitarbeiter und sämtliche Informationen von neuen Bewerbern erbeutet zu haben.

Wer steckt hinter der Hackerbande «ShinyHunters»?

ShinyHunters ist ein bekannter Name in der Welt der Cyberkriminalität. Wie andere Ransomware-Banden hat man sich auf massiven Datendiebstahl, Datenlecks und anschliessende Erpressung der Opfer spezialisiert.

Unter diesem Namen trat die Gruppe erstmals 2020 in Erscheinung und hat sich seither zu einer ernsthaften Bedrohung für multinationalen Konzerne und andere grosse Organisationen weltweit entwickelt.

Hinter ShinyHunters steckt ein international agierendes Kollektiv, das eng mit Cybercrime-Foren wie BreachForums verknüpft ist. Die Gruppe ist keine starre Organisation mit fester Hierarchie, sondern vielmehr ein dynamisches Netzwerk, dessen Mitglieder und Partner sich bei Attacken überschneiden.

2024 wurde ein an die USA ausgelieferter französischer Staatsbürger zu einer dreijährigen Haftstrafe und Zahlungen in Millionenhöhe verurteilt, weil er als Bandenmitglied für ShinyHunters zahlreiche Firmen gehackt hatte.

2025 nahmen französische Behörden in Kooperation mit dem FBI vier junge Männer in verschiedenen Regionen Frankreichs fest. Bei den Verdächtigen handelt es sich um Partner (Affiliates) und nicht um die zentrale Führungsebene des Netzwerks.

Es gibt keine Hinweise auf russische Hintermänner. Im Gegenteil: Laut einem Medienbericht vom 19. September (2026) hat ShinyHunters die Ransomware-Bande Cl0p gehackt und versucht die russischsprachige Erpresserbande zu erpressen. Hintergrund ist ein Streit um ein Angriffstool (Exploit), das sich Cl0p ohne Zustimmung von ShinyHunters angeeignet habe.

Basierend auf dem Probe-Datensatz überprüfte 404 Media einen Teil der Angaben mit frei verfügbaren Recherchewerkzeugen. Bei einigen Telefonnummern fanden sich demnach Personen mit denselben Namen wie in den vorgelegten Datensätzen. Weitere Abfragen ergaben laut dem Medium, dass einige der Telefonnummern mit Beschäftigten des US-Justizministeriums in Verbindung stehen.

Das ist ein Hinweis darauf, dass zumindest Teile des Datensatzes einen realen Ursprung haben könnten. Es beweist jedoch noch nicht, dass sämtliche von den Hackern gemachten Angaben echt sind oder alle FBI-Beschäftigten betroffen sind.

FBI-Karriereportal manipuliert

Für Aufsehen sorgt zudem ein Angriff auf die Website, über die sich Menschen beim FBI bewerben können. ShinyHunters manipulierte offenbar die FBI-Karrierewebsite und hinterliess dort eine Nachricht, wonach die Seite von der Hackergruppe «beschlagnahmt» worden sei.

Die Formulierung ist eine Anspielung auf die Beschlagnahme-Hinweise, die US-Ermittler selbst häufig auf Websites hinterlassen, wenn sie diese bei Ermittlungen gegen Cyberkriminelle abschalten. Zum Zeitpunkt der Veröffentlichung von 404 Media waren das FBI-Karriereportal und das Bewerbungsportal für angehende Special Agents nicht erreichbar.

Die Hacker behaupten, nicht nur Personalien, sondern auch besonders geschützte persönliche und medizinische Informationen erbeutet zu haben. Auch dies lässt sich bislang aber nicht unabhängig bestätigen.

Drohung gegen das FBI auf der Leak-Site der Erpresserbande ShinyHunters im Darknet (23. September 2026), bearbeiteter Screenshot: watson
Auf der ShinyHunters-Website im Darknet ist bislang nur eine Drohung an die Adresse der FBI-Verantwortlichen zu finden. quelle: watson (screenshot in teilen anonymisiert)

Auf der über das Anonymisierungs-Netzwerk Tor erreichbaren Darknet-Seite von ShinyHunters prangt seit kurzem eine öffentliche Bekanntmachung (engl. PSA):

Auszug aus dem Schreiben:

«Sehr geehrter stellvertretender Direktor Brett Leatherman von der Cyber-Abteilung des FBI und sehr geehrter Direktor Kash Patel vom FBI.

Im zweiten Quartal dieses Jahres hat das Federal Bureau of Investigation (FBI) in einem FLASH-Bericht erhebliche falsche Anschuldigungen gegen unsere Organisation erhoben. Wir fühlen uns dadurch zutiefst gekränkt. (...)

Wir haben das FBI kompromittiert. Wir verfügen über äusserst sensible Daten zu fast ALLEN FBI-Agenten und Personen, die sich beim FBI um eine Stelle beworben haben. Ganz gleich, ob es sich um einen Special Agent oder eine andere Position innerhalb Ihrer Behörde handelt.»
quelle: darknet

Als FLASH-Reports werden Warnmeldungen des FBI über akute Cyber- und Sicherheitsbedrohungen bezeichnet. Diese richten sich an Firmen, Behörden und IT-Sicherheitsverantwortliche und bezwecken die Abwehr aktuell drohender Hackerangriffe und anderer Gefahren. Im Mai warnte das FBI in einem entsprechenden Schreiben vor ShinyHunters (SH). Darin ging es um eine Attacke auf US-Bildungseinrichtungen.

«Um Druck auf die Opfer auszuüben, greifen SH-Angreifer häufig auf Belästigungsstrategien zurück, indem sie bedrohliche SMS und Anrufe an die Opfer und deren Angehörige senden und in einigen Fällen Swatting betreiben. Angreifer behaupten fälschlicherweise, sensible oder kompromittierende Informationen zu besitzen, darunter peinliche Fotos oder Videos der Opfer, die häufig nicht existieren.»
quelle: ic3.gov

Das FBI beschuldigte ShinyHunters also öffentlich, an sogenannten «Swatting»-Angriffen beteiligt zu sein – das sind gefälschte Notrufe, um schwerbewaffnete Polizeieinheiten zu Häusern von Opfern zu schicken. Und weiter unterstellte das FBI den ShinyHunters-Leuten, enge Verbindungen zum kriminellen Online-Netzwerk «The Com» zu haben.

ShinyHunters bestreitet diese Vorwürfe im Posting auf auf ihrer Darknet-Seite vehement und gibt an, dass Trittbrettfahrer mit geringeren Hacking-Fähigkeiten ihren Namen missbraucht hätten.

Dem FBI droht die Gruppe:

Wir sind bereit, Ihnen eine Frist von einer Woche einzuräumen, um den FLASH-Bericht über uns aus dem 2. Quartal 2026 zu korrigieren oder einfach zu ENTFERNEN (...).»

Wie könnte der Hackerangriff erfolgt sein?

Schwachstelle bei Oracle-Software

Nach Darstellung von ShinyHunters gelang der digitale Einbruch über eine bislang unbekannte Sicherheitslücke – einen sogenannten Zero-Day – in der Oracle-Software PeopleSoft. Von dort aus will die Gruppe Zugriff auf Server in der staatlichen Cloud-Umgebung AWS GovCloud erhalten haben. Die Hacker behaupten, insgesamt zwischen zwei und drei Terabytes Daten kopiert zu haben.

Der Angriff wäre damit möglicherweise nicht nur ein Problem des FBI. Denn die von ShinyHunters genannte «PeopleSoft»-Schwachstelle wurde bereits bei anderen Angriffen ausgenutzt. Im Juni dieses Jahres bestätigte etwa die National Association of Insurance Commissioners (NAIC) einen Angriff, bei dem eine kritische Schwachstelle in Oracle «PeopleSoft» ausgenutzt worden war.

Sicherheitsforscher ordneten die Kampagne damals auch ShinyHunters zu. Oracle hatte für die betreffende Schwachstelle bereits im Juni ein ausserplanmässiges Notfall-Update veröffentlicht. Die Angriffe hatten demnach schon vor der Veröffentlichung des Patches begonnen.

Sollte sich die Darstellung der Hacker zum FBI bestätigen, würde sich damit die Frage stellen, ob dieselbe Sicherheitslücke auch dort den Zugang zu besonders sensiblen Daten ermöglichte.

Warum ist das brisant?

Gefahr für FBI-Agenten und ihre Familien

Bestätigt sich das Ausmass des mutmasslichen Datenklaus, wäre das extrem besorgniserregend. Besonders brisant wären die gestohlenen Daten, weil FBI-Mitarbeiter nicht nur klassische Verwaltungsaufgaben erledigen. Die Agenten ermitteln gegen organisierte Kriminalität, Terrornetzwerke, Spionage und Cyberkriminelle.

Ihre Identität und privaten Lebensumstände können deshalb selbst ein Sicherheitsrisiko darstellen. Private Telefonnummern oder Wohnadressen könnten beispielsweise dazu genutzt werden, Ermittler unter Druck zu setzen, sie zu bedrohen oder ihre Familien ausfindig zu machen. Auch für ausländische Nachrichtendienste könnten solche umfangreichen, gestohlenen Personalinformationen hochinteressant sein und damit ein Risiko für die nationale Sicherheit der USA darstellen.

404 Media verweist in seinem Bericht auf frühere Fälle, in denen Cyberkriminelle gestohlene Kommunikations- und Telefondaten nutzten, um FBI-Ermittler zu identifizieren und unter Druck zu setzen.

Hacker sprechen von «Nötigung»

Die Hackergruppe «ShinyHunters» ist dafür bekannt, Unternehmen, Organisationen oder Behörden nach erfolgreichen Einbrüchen mit der Veröffentlichung gestohlener Daten zu drohen. Die Gruppe versucht auf diese Weise üblicherweise, Lösegeld zu erpressen.

Beim FBI-Hack klingt die Strategie offenbar anders. Auf die Frage, ob die Gruppe die amerikanische Bundespolizei erpressen wolle, sagte deren Vertreter gegenüber 404 Media, man würde das Vorgehen eher als «Coercion», also als Zwang oder Nötigung, bezeichnen. «Das ist nicht finanziell motiviert», erklärte der Vertreter dem Bericht zufolge.

Die Forderung sei nicht finanziell motiviert und stelle keine Erpressung dar, bestätigte ein namentlich nicht bekannter Akteur gegenüber dem US-Medium BleepingComputer.

Es wäre ein nie dagewesener Skandal

Was genau die Hacker mit den FBI-Daten vorhaben, liessen sie offen. Gleichzeitig betonten sie aber, über deutlich mehr Informationen zu verfügen, als sie bislang öffentlich gemacht hätten. Damit bleibt vorerst eine entscheidende Frage offen: Handelt es sich um einen der schwerwiegendsten Cyberangriffe auf eine US-Bundesbehörde – oder um eine übertriebene Darstellung einer Hackergruppe, die mit ihren Behauptungen Druck erzeugen will?

«ShinyHunters» behauptet, tief in die digitale Infrastruktur des FBI eingedrungen zu sein. Sollte sich das bewahrheiten, wäre dies ein Skandal nie dagewesenen Ausmasses.

Donald Trumps FBI-Chef Kash Patel steht seit Langem in der Kritik – intern wie extern. Denn unter seiner Führung hat die Behörde politisch motiviert im Zuge umfassender Personal- und Stellenabbaumassnahmen sowie Restrukturierungen im Justizministerium zahlreiche Mitarbeiter entlassen oder durch Abfindungsprogramme zum Gehen bewegt. Davon betroffen war auch der Cyber- und IT-Bereich des FBI.

Quellen

Der ursprüngliche T-Online-Artikel wurde mit watson-Recherchen zu den Darknet-Veröffentlichungen von ShinyHunters und weiteren Informationen ergänzt.

(dsc/t-online)

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