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Hacker nach Ransomware-Attacke auf Stadler Rail in Zürich vor Gericht

Montage von Flirt Evo Zuegen, aufgenommen bei einem Medienrundgang durch das Werk im Rahmen der Bilanzmedienkonferenz der Stadler Rail, am Mittwoch, 18. Maerz 2026 in Bussnang. (KEYSTONE/Gian Ehrenzel ...
Zu den Opfern zählt Stadler Rail, ein Komplize starb in Moskau durch einen Fenstersturz.Bild: keystone

Mutmassliches Mitglied russischer Ransomware-Banden in Zürich vor Gericht

Die Zürcher Staatsanwalt fordert eine lange Freiheitsstrafe für den Mann.
17.08.2026, 07:0318.08.2026, 07:18

Vor dem Bezirksgericht Zürich hat am Montag der Prozess gegen einen 52-jährigen ukrainischen Software-Entwickler stattgefunden. Der Beschuldigte soll von seinem Wohnsitz im Kanton Basel-Landschaft aus an weltweiten Angriffen russischer Ransomware-Banden beteiligt gewesen sein.

Der Fall wirft ein Schlaglicht auf die globale Cyberkriminalität, da mutmassliche Täter von Erpressersoftware in der Schweiz nur selten vor Gericht stehen. Der Gerichtssaal war unter erhöhten Sicherheitskontrollen mit Publikum und Medien gefüllt, während Vertreter der geschädigten Unternehmen fehlten.

Zu den Opfern der Erpresserbanden gehörten auch namhafte Schweizer Konzerne. So hebelte die Täterschaft unter anderem die IT-Systeme des Zugbauers Stadler Rail, des Gebäudetechnikunternehmens Meier Tobler sowie des Finanzsoftwareanbieters Crealogix aus.

Den betroffenen Firmen entstanden durch Ausfälle, Wiederherstellung und Lösegeldforderungen Millionenschäden. Der Beschuldigte soll Schlüsselkomponenten für die Schadsoftware-Familien Lockergoga, Megacortex und Nefilim entwickelt sowie Daten aus Firmennetzwerken gestohlen haben.

Mysteriöser Tod in Moskau

Für Aufsehen im Gerichtssaal sorgten die Ausführungen des Staatsanwalts zu einem mutmasslichen Drahtzieher der kriminellen Cyberallianz. Der ukrainische Hacker, auf den die USA ein Kopfgeld von einer Million Dollar ausgesetzt hatten, verfügte laut Anklage über eine Tarnidentität des russischen Geheimdiensts FSB. Im November 2022 soll er in Moskau unter nicht näher geklärten Umständen bei einem Fenstersturz ums Leben gekommen sein.

Der Staatsanwalt betonte in seinem Plädoyer, dass Angriffe auf westliche Unternehmen Teil der russischen Strategie seien, um im Westen Unruhe zu stiften und wirtschaftlichen Schaden anzurichten. Die Interessen krimineller Hacker und staatlicher Akteure würden sich hierbei überschneiden, weshalb der russische Staat das Treiben toleriere oder sogar fördere. Allerdings gebe es keine Hinweise darauf, dass der Angeklagte selbst direkte Verbindungen zu russischen Geheimdiensten besessen habe.

Strittige Verwertbarkeit der Beweise

Die Staatsanwaltschaft fordert für den Beschuldigten eine Freiheitsstrafe von 12 Jahren, eine Landesverweisung von 12 Jahren sowie die Ablieferung von Kryptowährungen im Wert von rund 1,8 Millionen Franken. Der Beschuldigte habe als Ersteller der schädlichen Programme eine einzigartige und unersetzbare Rolle eingenommen.

Der Verteidiger verlangte hingegen einen vollumfänglichen Freispruch und eine Haftentschädigung. Er verlangte im Plädoyer, sämtliche beschlagnahmten Datenträger für nicht verwertbar zu erklären. Grund dafür sei, dass der Beschuldigte bei den Hausdurchsuchungen nicht ausreichend über sein Recht auf Siegelung der Daten informiert worden sei. Zudem widerspreche die zugewiesene Schlüsselrolle der typischerweise arbeitsteiligen Struktur der Ransomware-Kriminalität.

Der seit Oktober 2021 inhaftierte Beschuldigte wies die Vorwürfe bei seiner Befragung vor Gericht entschieden von sich. Er habe nie Schadsoftware entwickelt oder an Angriffen mitgewirkt, sondern lediglich als Berater für einen unbekannten Auftraggeber aus der IT-Sicherheit gearbeitet. Die auf seinen Geräten gefundenen Quellcodes und Kryptowährungen erklärte er mit dieser Beratertätigkeit.

Das Gericht hat am Montag noch kein Urteil gefällt. Es wird am 10. September bekannt gegeben.

(dab/hkl/sda)

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