Schweiz
Wirtschaft

Avenir Suisse meint: Lohnexzesse schaden dem liberalen Ansehen

Avenir Suisse meint: Lohnexzesse schaden dem liberalen Ansehen

02.04.2016, 11:4802.04.2016, 12:22

Liberale Reformen haben heutzutage aus Sicht des abtretenden Direktors der Denkfabrik Avenir Suisse keinen einfachen Stand. Die Wirtschaftskrise und die Debatte über Spitzensaläre habe dem Ansehen marktorientierter Lösungen stark geschadet, findet Gerhard Schwarz.

Es herrsche eine starke Tendenz, wirtschaftliche Probleme als Folge von zu viel Markt und Liberalisierung zu sehen, sagte Schwarz in einem Interview mit der «Neuen Zürcher Zeitung» vom Samstag. Bei Wirtschaftsführern sei zwar das Bewusstsein gewachsen, dass Lohnexzesse oft zu regulatorischen und antiliberalen Reflexen führten.

Gerhard Schwarz.
Gerhard Schwarz.
Bild: KEYSTONE

Schon zu Beginn der Lohndebatte hätten ihm einzelne Wirtschaftsführer gesagt, sie seien über die Lohnentwicklungen im Top-Management nicht glücklich, so Schwarz. «Aber es ist fast unmöglich, nicht mitzumachen.» Man finde kaum einen geeigneten CEO für 500'000 Franken, wenn die Konkurrenz 5 Millionen zahle.

«Wir leben in einer globalisierten Wirtschaft.» Löhne globaler Konzerne, auch wenn sie in der Schweiz ansässig seien, könnten nicht am Lohn eines Regierungsrats im Kanton Baselland festgemacht werden. «Das sind zwei Welten, die aufeinanderstossen - und das schafft Probleme.»

Keine Lobby-Organisation

Gerhard Schwarz hat per Anfang April das Direktorium der Denkfabrik nach fast sechs Jahren an Peter Grünenfelder abgegeben. Die Frage, ob es Avenir Suisse während der «Ära Schwarz» gelungen sei, Einfluss auf die wirtschaftspolitische Entscheidungsfindung zu nehmen, beantwortet Schwarz positiv.

Die Resonanz sei über die vergangenen Jahre gestiegen, ist er überzeugt. Wenn etwa Bundesrat Johann Schneider-Ammann in einem Interview wohlwollend über die Idee einer unabhängigen Prüfstelle für Regulierungen spreche, habe dies fast sicher auch mit dem Papier von Avenir Suisse zum Thema zu tun. «Oft fliessen Ideen von uns in politische Vorstösse ein, ohne das wir namentlich erwähnt werden.» (sda)

DANKE FÜR DIE ♥
Würdest du gerne watson und unseren Journalismus unterstützen? Mehr erfahren
(Du wirst umgeleitet, um die Zahlung abzuschliessen.)
5 CHF
15 CHF
25 CHF
Anderer
Oder unterstütze uns per Banküberweisung.
Das könnte dich auch noch interessieren:
Du hast uns was zu sagen?
Hast du einen relevanten Input oder hast du einen Fehler entdeckt? Du kannst uns dein Anliegen gerne via Formular übermitteln.
1 Kommentar
Weil wir die Kommentar-Debatten weiterhin persönlich moderieren möchten, sehen wir uns gezwungen, die Kommentarfunktion 24 Stunden nach Publikation einer Story zu schliessen. Vielen Dank für dein Verständnis!
1
«Constellation»-Barkeeper: «Ich werde langsam wütend»
Gaëtan T. arbeitete als Barkeeper im «Le Constellation» in Crans-Montana. Auch in der Silvesternacht. Im Interview erzählt er, woran er sich erinnert, bevor er bewusstlos wurde und danach acht Tage im Koma lag. Und er erklärt, warum er seinen Arbeitgebern immer mehr Vorwürfe macht.
Vom Brandausbruch bekam Gaëtan nichts mit, wie er im Interview mit RTS erzählt. Er arbeitete in der Silvesternacht in der oberen Bar des «Le Constellation» in Crans-Montana. Lange sei es ruhig gewesen im Lokal. Nach Mitternacht sei dann unten allmählich Stimmung aufgekommen. Doch gegen 1.30 Uhr änderte sich alles schlagartig. «Ich habe diese Erinnerung an die ersten Schreie, an die ersten Warnrufe, als das Feuer ausbrach, und an dieses Gefühl von Panik, das mich überkam.»
Zur Story