Wirtschaft
Schweiz

Zürich kauft bis zu 88 Busse in China – und kritisiert Hersteller Hess

Stadt Zürich kauft bis zu 88 Busse in China – und kritisiert Schweizer Hersteller Hess

Die Verkehrsbetriebe Zürich sind unzufrieden mit den Bussen der Anbieter Hess und MAN. In einer Neuausschreibung setzten sich nun Chinesen durch. Das könnte Signalwirkung haben.
29.07.2026, 22:5429.07.2026, 22:54

Die Verkehrsbetriebe Zürich (VBZ) könnten als erster Schweizer Busbetreiber Dutzende Busse aus China beschaffen. Das geht aus am Mittwoch veröffentlichten Zuschlägen hervor.

Der chinesische Bushersteller Yutong liefert bald auch in die Stadt Zürich.
Der chinesische Bushersteller Yutong liefert bald auch in die Stadt Zürich.Bild: getty

Demnach darf die französische Tochterfirma des chinesischen Busbauers Yutong 8 Elektro-Standardbusse liefern und der deutsche Busbauer Daimler – besser bekannt unter dem Markennamen Mercedes – 12 Elektro-Gelenkbusse. Über diese beiden Grundaufträge hinaus halten sich die VBZ offen, weitere Lose bei einer der beiden Firmen zu ziehen. Dabei geht es um 20 zusätzliche Elektro-Standardbusse und 60 zusätzliche Elektro-Gelenkbusse.

Würden alle Lose bei Yutong gezogen, erhielte der Hersteller dafür 107 Millionen Franken. Die Offerte von Mercedes hat hingegen ein Preisschild von 121 Millionen Franken. Ein Teil der Preisdifferenz erklärt sich daraus, dass der Grundauftrag von Mercedes grösser ist.

This photo provided by Ruter AS show a Yutong bus, owned by Norwegian public transport operator, Ruter, during a test of the vehicle's communication system on Aug. 14, 2025, in Sandvika, Norway.  ...
Die Busse von Yutong sind beispielsweise in Oslo unterwegs.Bild: keystone

Yutong und Mercedes müssen für den Betrieb und Unterhalt der Fahrzeuge eine Serviceorganisation in der Schweiz oder im angrenzenden nahen Ausland unterhalten. Wo die Busse produziert werden, ist hingegen zweitrangig. Die VBZ legten Wert auf einen «fairen und transparenten Beschaffungsprozess», sagt Sprecher Reto Wilhelm. Die Ausgangslage sei für alle Firmen gleich. Es gebe kein Bonuskriterium in solchen Ausschreibungen, das Schweizer oder europäische Produktion bevorzugen würde.

Die VBZ dürften nun analysieren, wie schnell die ersten 8 Busse von Yutong und die 12 Fahrzeuge von Mercedes geliefert werden und wie sie sich im Betrieb bewähren. Erst dann werden sie entscheiden, bei wem sie die weiteren Lose ziehen.

Eigentlich hätten die VBZ den Auftrag nicht ausschreiben müssen. Beim zum VW-Konzern gehörenden deutschen Hersteller MAN waren nämlich noch Optionen offen. Doch mit dessen Fahrzeugen sind die VBZ unzufrieden, wie «Schweiz heute» Anfang Jahr publik machte.

Yutong überzeugte beim Preis

Bei den Bussen traten Störungen bei den Türen, dem Fahrwerk und der Heizung auf. Die 2022 und 2023 beschafften Elektrobusse von MAN seien von «unbefriedigender Qualität», hält die Zürcher Stadtregierung nun fest. Die VBZ sind keine Firma, sondern eine Dienstabteilung der Stadt und damit in ihrer Verantwortung.

Ausschlaggebend gewesen für den Zuschlag an Yutong sei der Preis, bei dem der Hersteller die maximale Punktzahl erzielte. Der Angebotspreis pro Fahrzeug ohne zusätzlich nötige Einbauten lag bei 550'000 Franken. Zum Vergleich: Als die Stadt vor dreieinhalb Jahren bei MAN Elektro-Standardbusse kaufte, musste sie dafür noch 800'000 Franken pro Stück berappen. Aber auch bei den Kriterien Lieferzeiten und Serviceorganisation habe Yutong «gute bis sehr gute» Bewertungen erzielt, heisst es in den Ausschreibungsunterlagen. Mercedes wiederum habe beim Preis eine «sehr gute» Bewertung erzielt und die besten Noten beim Kriterium Lieferzeiten erhalten. Bei den technischen Eigenschaften sei Mercedes zudem gut bewertet worden.

Yutong ist der weltweit grösste Hersteller von Bussen. Er und Mercedes haben sich in Zürich gegen vier weitere Anbieter durchgesetzt. Welche dies sind, machen die VBZ nicht publik. MAN dürfte wohl wieder ein Angebot eingereicht haben. Als weitere potenzielle Anbieter gelten Volvo und Solaris.

Beschaffung hat Signalwirkung

Die VBZ sind nach Anzahl transportierter Passagiere hinter den SBB der grösste Verkehrsbetrieb der Schweiz. Ihr Entscheid für chinesische Busse dürfte eine Signalwirkung haben für andere Verkehrsunternehmen. Im Zug der Elektrifizierung stehen viele Betriebe vor Ersatzbeschaffungen. Gleichzeitig werden die finanziellen Mittel knapper. Relativ günstige chinesische Produkte bieten sich an, doch der politische Widerstand dagegen ist oft gross. Im Fall von Zürich hat der kantonale Verkehrsverbund, der die Beschaffung finanziert, diese bereits genehmigt.

Im Zuge der aktuellen Beschaffung konnten Hersteller freiwillig auch Angebote einreichen für einen Auftrag über maximal 100 Trolleybusse. Bisher kauften die VBZ ihre Trolleybusse beim Schweizer Hersteller Hess. Dieser hat denn auch ein Angebot eingereicht, wie ein Sprecher sagt. Doch in die Kränze kommt er nicht: Die VBZ haben den Kauf von neuen Trolleybussen nun fürs Erste vertagt.

Die VBZ hätten bei Hess zwar noch Optionen aus früheren Käufen offen. Doch mit der Carrosserie aus Bellach SO sind sie ebenfalls unglücklich. Eine VBZ-Sprecherin sagte im Januar zu diesem Portal, Busse aus früheren Bestellungen würden von Hess noch immer mit mehreren Monaten Verzögerung ausgeliefert. Zudem träten im Betrieb Störungen bei Heizung und Lüftung, beim Antriebsstrang und beim automatischen Auf- und Abdrahten der Stromabnehmer auf.

Mit den Trolleybussen des Schweizer Herstellers Hess sind die VBZ nicht zufrieden.
Mit den Trolleybussen des Schweizer Herstellers Hess sind die VBZ nicht zufrieden.Bild: keystone

Ausgemerzt sind die Probleme nicht. «Tele Züri» berichtete kürzlich darüber, dass die neuesten Hess-Busse Probleme mit der Hitze hätten und oft ausfielen. Die Zürcher Stadtregierung schreibt nun, die neuesten Trolleybusse von Hess zeigten «nicht das erwartete Qualitätsniveau». Daher werde aktuell «abgesehen von zwingend notwendigen Ersatzbeschaffungen» auf zusätzliche Optionseinlösungen verzichtet.

Bisher gehörten die VBZ zu den grössten Kunden von Hess und haben in den vergangenen 20 Jahren über 110 Fahrzeuge beschafft. Von MAN sind derzeit etwa 50 Fahrzeuge bei den VBZ im Einsatz, von Herstellern wie Mercedes und Volvo weitere 100 Stück. (schweizheute.ch)

DANKE FÜR DIE ♥
Würdest du gerne watson und unseren Journalismus unterstützen? Mehr erfahren
(Du wirst umgeleitet, um die Zahlung abzuschliessen.)
5 CHF
15 CHF
25 CHF
Anderer
Oder unterstütze uns per Banküberweisung.
Das könnte dich auch noch interessieren:
Du hast uns was zu sagen?
Hast du einen relevanten Input oder hast du einen Fehler entdeckt? Du kannst uns dein Anliegen gerne via Formular übermitteln.
77 Kommentare
Dein Kommentar
YouTube Link
0 / 600
Hier gehts zu den Kommentarregeln.
Die beliebtesten Kommentare
avatar
Käpt'n Balu
29.07.2026 23:08registriert August 2024
Macht nur weiter so mit der langsamen Demontage der europäischen Industrie.
Für mich völlig unverständlich, wieso die Stadtregierung einen Anbieter aus China berücksichtigt! Sehr ihr nicht, was der Plan von China ist?
6033
Melden
Zum Kommentar
avatar
Cogitos
29.07.2026 23:19registriert Januar 2026
Wie wurden soziale und ökologische Verantwortung der Unternehmer bewertet, was sich die Stadt doch so gross auf die Fahne schreibt? Scheint alles Palletti zu sein bei den Chinesen sonst würden wir ja bestimmt davon erfahren, oder? …
325
Melden
Zum Kommentar
avatar
Thiskussion
29.07.2026 23:06registriert Oktober 2024
Ist diese Chinesische Firma subventioniert durch den Staat? Gibt es da Infos? Oder werden da Äpfel mit Birnen verglichen beim Preis?
315
Melden
Zum Kommentar
77
Bis 37,6 Grad: Verschiedene Schweizer Orte verzeichnen Hitze-Rekorde am Mittwoch
Erneut drohen der Schweiz Rekordtemperaturen: Bis zu 39 Grad werden am Mittwoch und Donnerstag prognostiziert. In diesem Ticker halten wir dich über die aktuellen Entwicklungen rund um die Hitzewelle auf dem Laufenden.
Zur Story