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So einfach tricksen Kinox.to-User eine Netzsperre aus

Die Betreiber der Plattform spielen Katz-und-Maus mit der Polizei und der Unterhaltungsindustrie.
Die Betreiber der Plattform spielen Katz-und-Maus mit der Polizei und der Unterhaltungsindustrie.screenshot: kinox.to

So einfach tricksen Kinox.to-User eine Netzsperre aus

Die Betreiber der illegalen Streaming-Plattform geben praktische Tipps, wie sich die von einem deutschen Gericht verfügte Blockade umgehen lässt.
28.05.2018, 14:2929.05.2018, 12:19

Während man in der Schweiz über Netzsperren für ausländische Online-Casinos diskutiert, sind in Deutschland bereits Netzsperren für illegale Streaming-Plattformen in Kraft.

Im Februar erliess das Landgericht München eine einstweilige Verfügung, wonach der Internet-Provider Vodafone für seine Kunden den Zugang zum Portal Kinox.to sperren müsse.

Beantragt wurde die einstweilige Verfügung von Constantin Film, einer deutschen Filmproduktionsfirma. Auslöser war gemäss Medienberichten die Verbreitung von «Fack ju Göhte 3».

Seither werden Vodafone-Kunden, die kinox.to im Browser aufrufen, automatisch auf eine Sperrseite weitergeleitet.

Vodafone will den Gerichtsentscheid nicht hinnehmen, wie das Techportal Golem.de am Sonntag berichtete. Mit einem nächsten Entscheid sei noch im Frühsommer zu rechnen.

Zur Begründung, warum die Netzsperre nicht hingenommen wird, sagte eine Sprecherin des Internet-Providers:

«Als Accessprovider vermittelt Vodafone lediglich neutral den Zugang zum Internet. Wir sind der Auffassung, dass nach geltendem Recht Vodafone nicht verpflichtet werden kann, Urheberrechtsverletzungen im Internet durch Sperren einzudämmen.»
quelle: golem.de

Die rechtlichen Grundlagen für Netzsperren seien im deutschen Gesetz nicht vorhanden, argumentiert der Internet-Provider. Die Frage bedürfe der grundsätzlichen gerichtlichen Klärung.

Der juristische Kampf soll bald in die nächste Runde gehen, noch im Frühsommer gebe es eine mündliche Verhandlung.

Gegner des revidierten Spielgeldgesetzes in der Schweiz argumentieren, dass Netzsperren dereinst auch hierzulande gegen illegale Streaming-Seiten eingesetzt werden sollen.

Am 10. Juni entscheidet das Schweizer Stimmvolk.

Kein taugliches Mittel

Interessant aus Schweizer Sicht: Der deutsche Internet-Provider vertritt klar die Position, dass Netzsperren kein taugliches Mittel seien, um Urheberrechtsverletzungen im Internet zu bekämpfen. Es sei mit Kollateralschaden zu rechnen und die technischen Massnahmen liessen sich umgehen.

«Darüber hinaus besteht bei Internetsperren die generelle Gefahr, dass auch nicht rechtsverletzende Inhalte gesperrt werden. Daher erweisen sie sich unseres Erachtens nicht als effektives Mittel, den Zugriff auf illegale Angebote zu erschweren.»

Dass die illegalen Streaming-Plattformen fette Gewinne abwerfen können, ist hinlänglich bekannt. Die Administratoren von Kinox.to tun jedenfalls alles, um die User bei der Stange zu halten. Auf der Streaming-Seite, die trotz mehrerer Polizeiaktionen immer noch Besucher anzieht, heisst es derzeit: 

Liebe User: Dank Constantin Film haben wir in Deutschland bald Internet-Zensur wie in China oder Nord Korea. Sagt Tschüss zum freien Internet! Wir haben dennoch knapp 280~ Ersatzdomains gesichert. Legends will never die! :-)

Sprich: Streaming-Willige sollen das illegale Kinox-Angebot über andere Internet-Adressen aufrufen oder die providerseitige DNS-Blockade umgehen, indem sie einen alternativen DNS-Dienst verwenden, etwa den von Google (8.8.8.8). Dies lässt sich in den System-Einstellungen ganz einfach ändern.

Der Tor-Browser, eine (ebenfalls kostenlos) verfügbare Anonymisierungs-Software, eignet sich hingegen nicht zur Nutzung illegaler Streaming-Angebote. Standardmässig sind da Browser-Erweiterungen wie etwa das Flash-Plugin deaktiviert. Wenn Internet-User diese Sicherheitseinstellung ändern, um Inhalte zu streamen, setzen sie sich beträchtlichen Risiken aus.

Die Vodafone GmbH – eine Tochterfirma des britischen Mobilfunk-Konzerns Vodafone – ist einer der grössten Internet-Provider Deutschlands. Über 40 Millionen Kunden surfen mobil mit einer Vodafone-SIM-Karte, 6,6 Millionen bezahlen für einen Breitband-Festnetz-Anschluss.

Die mutmasslichen Hintermänner von Kinox.to sind flüchtig und werden per internationalem Strafbefehl gesucht.

Die Vorgänger-Seite Kino.to, einstmals die populärste illegale Streaming-Plattform im deutschsprachigen Raum, wurde 2011 von der deutschen Polizei vom Netz genommen.

(dsc)

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