Griechenland
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screenshots: knackeboul

Mitleid nervt mehr als Rassismus – und 5 weitere Erkenntnisse aus dem Flüchtlingslager

Auf Samos sitzen zurzeit rund 8000 Flüchtlinge fest. Wie bewältigen sie ihren Alltag? Knackeboul hat die griechische Insel besucht und ein paar Tage bei einem schweizerischen Hilfsprojekt mitgearbeitet.

 Knackeboul
Knackeboul



Für 650 Menschen war das Flüchtlingslager in Samos ursprünglich konzipiert – gebaut für ein spartanisches Leben, mit tiefen Hygiene- und Ernährungsstandards. Jetzt leben im und um das Lager rund 8000 Menschen.

Eine Perspektive gibt es für die Flüchtlinge kaum – Arbeit noch weniger.

Und so sieht's im Lager aus:

Video: watson/Knackeboul

Die Flüchtlinge sitzen hier fest und dürfen die Insel nicht verlassen. Gleichzeitig empfindet die Bevölkerung von Samos die vielen hinzugekommenen Menschen als schwere Bürde. Auf der kleinen Ferien- und Fischer-Insel ist zurzeit jeder fünfte Bewohner ein Flüchtling.

6 Dinge sind mir besonders aufgefallen:

Die Kälte

«Kälte. Als ich auf der Insel ankomme, auf der ich vor Jahren mal in den Ferien war, ist es eiskalt. Es schneit oder gefriert zwar nicht, aber es geht eine kalte Bise. Die maroden Zelte würden weggeblasen, sässen nicht ganze Familien darin und warteten auf wärmeres Wetter.»

Die Ernährung

«Pro Mahlzeit müssen die Menschen im Lager mehrere Stunden anstehen. Viele Familien tun somit nichts anderes. Wenn sie das Essen dann endlich kriegen, ist es kaum noch geniessbar oder es hat gar kein Essen mehr..»

Viele Freiwilligen-Projekte versuchen, die Situation der Flüchtling zu verbessern. Im «Project Armonia», das zwei junge Schweizerinnen und eine Britin gegründet haben, führen Flüchtlinge ein Restaurant, in dem vor allem Frauen, Kinder und gebrechliche Menschen ausgewogenes Essen kriegen.

Video: watson/Knackeboul

Worüber gestritten wird

«In der Küche des ‹Project Armonia› arbeiten viele verschiedene Ethnien zusammen, die sich weltpolitisch gesehen teils kritisch gegenüberstehen. Sie stritten sich aber nicht über Politik oder Religion, sondern darüber, welche Adaption eines verbreiteten Rezepts die Beste ist.»

Die Situation der «Single Man»

«Erstaunt hat mich die Situation der jungen Männer. Da zum einen humanitäre Hilfe Frauen und Kinder bevorzugt und zum anderen rechte Parteien vor allem vor den jungen Männern warnen, die Europa ‹überfallen›, werden sie permanent benachteiligt. Es gibt zu wenig Kleider, zu wenig Programme und zu wenig Perspektiven für sie. Besonders hart trifft es sogenannte ‹single man›. Junge Männer, die alleine reisen, oft vom Krieg traumatisiert.»

Die Geduld

«Ich bewundere die Geduld, mit der die Menschen dieses eigentlich unerträgliche Schicksal hinnehmen. Geblieben ist mir auch ein Gespräch mit einem jungen hippen Iraner, der mir gesagt hat, dass es nur etwas gibt, dass ihn mehr nervt als Rassismus: Mitleid.»

Die improvisierten Strukturen

Video: watson/Knackeboul

«Die Kreativität und die Zusammenarbeit im Camp ist faszinierend. Aus dem Nichts entstehen hier Infrastrukturen, die man an so einem Ort nicht erwarten würde. So gibt es hier beispielsweise eine Fladenbrotbäckerei. Nicht weit davon entfernt stehen die Menschen vor einem improvisierten Coiffeur-Salon und trinken Tee. Man munkelt von einem Kebabstand. Für jede handwerkliche Arbeit gibt es einen Experten.»

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