Interview
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Unternehmer Hansjoerg Wyss an der Eroeffnungsfeier von

Unternehmer Hansjörg Wyss bei einer Veranstaltung an der ETH Zürich im Jahr 2015. Bild: KEYSTONE

Interview

Hansjörg Wyss erklärt seine Milliardenspende: «Trumps Umweltpolitik ist eine Katastrophe» 

Der in den USA lebende Schweizer Unternehmer Hansjörg Wyss hat eine Milliarde Dollar für den Umweltschutz gespendet. Im Interview erklärt er, warum er sich engagiert, weshalb er die Selbstbestimmungsinitiative der SVP ablehnt und wieso er nicht mehr ans WEF reist.

Yannick Nock / Schweiz am Wochenende



Er sorgte diese Woche weltweit für Schlagzeilen: Der Berner Milliardär Hansjörg Wyss schrieb in der «New York Times», dass wir den Planeten retten müssen – und er deswegen eine Milliarde Dollar für den Umweltschutz spendet. Was treibt einen Menschen an, der Milliarden für gute Zwecke ausgibt?

Herr Wyss, was gab den Ausschlag, gerade jetzt so viel Geld für die Umwelt bereitzustellen?

Hansjörg Wyss: Das war eine gemeinsame Idee von meiner Stiftung, der gemeinnützige Organisation «The Nature Conservancy» und des National Geographics. Sie haben mich gebeten, mein Engagement für die Umwelt öffentlich zu machen. Es ist der richtige Zeitpunkt, um ein Zeichen zu setzen. Wir müssen den Planeten retten, bevor es zu spät ist.

Gerade in Ihrer Wahlheimat, den USA, lockert die Regierung systematisch den Umweltschutz. Wie bewerten Sie die Umweltpolitik von Donald Trump?

Sie ist eine Katastrophe. Trump wird auf allen Kanälen – ausser dem konservativen Fox-News-Sender – als der «lügende Präsident» bezeichnet. Das fängt beim Klimawandel an, geht über die Migration und endet bei was weiss ich. Trump lebt im 19. Jahrhundert, seine Umweltpolitik hat nichts damit zu tun, was auf der Welt gerade passiert. Er ist komplett gegen den Landschaftsschutz. Er will nicht einmal die Nationaldenkmäler der Vereinigten Staaten behüten. Dabei sind Nationalparks und Schutzgebiete der richtige Weg, um die Umwelt langfristig zu schützen und zu erhalten.

Haben Sie der demokratischen Partei Geld gespendet, um Trump bei den anstehenden Wahlen zu stoppen?

Nein, ich tätige keine politischen Spenden in den USA.

Ist Philanthropie effektiver als Politik?

Das ist schwierig zu sagen. Ich kann nur meine eigenen Beweggründe nennen. Gerne zitiere ich den 3. Präsidenten der Vereinigen Staaten, Thomas Jefferson: «Wer in seinem Leben Glück und Geld hat, muss auch etwas an die Gesellschaft zurückgeben.» In den USA ist es glücklicherweise so, dass viele Menschen für den Umweltschutz spenden, auch wenn es lediglich 20 oder 50 Dollar sind. Jeder will seinen Beitrag leisten. Sie spenden mehr an gemeinnützige Projekte als die Europäer. Ich hoffe, dass sich künftig auch mehr Menschen in Europa engagieren.

Der Philanthrop

Der gebürtige Berner Unternehmer und Mäzen Hansjörg Wyss meint es ernst: Er will eine Milliarde Dollar spenden. Mit dem Geld sollen Landstreifen und Meeresgebiete geschützt werden – für bessere Luft und sauberes Trinkwasser. Der 83-Jährige schrieb in einem Gastbeitrag für «New York Times», dass er das Geld in den nächsten zehn Jahren über seine Stiftung spenden werde. Nationalparks, Wildtiergebieten oder Meeresschutzgebieten seien die besten Massnahmen, um die Umwelt zu schützen.
Wyss, der an der US-Ostküste lebt, will dazu beitragen, bis ins Jahr 2030 rund 30 Prozent der Erdfläche in einem natürlichen Zustand zu erhalten. «Jeder vonuns – Bürger, Philanthropen, Wirtschafts- und Regierungschefs – sollte sich über die enorme Kluft zwischen dem, wie wenig von unserer natürlichen Umwelt derzeit geschützt ist, und dem, was geschützt werden sollte, Sorgen machen», schrieb Wyss. Er hat bisher mehr als 450 Millionen Dollar für den Umweltschutz gespendet. (sda)​

Sie selbst haben sich der Initiative «The Giving Pledge» von US-Investor Warren Buffett und Microsoft-Gründer Bill Gates verpflichtet. Sie werden mindestens die Hälfte Ihres Milliardenvermögens spenden. Wie weit sind Sie?

Ich bin schon fast bei der Hälfte, ich habe ein Grossteil meines Vermögens in Stiftungen gesteckt. Bis zu meinem Lebensende wird es sicher mehr als die Hälfte sein. In der Schweiz unterstütze ich beispielsweise die Beyeler Stiftung sowie die Universität Zürich, die ETH und die EPFL.

Von Ihrer Milliardenspende soll auch die Universität Bern profitieren.

Ja, wir haben ein Pilotprojekt lanciert. Ich werde nächste Woche Forscher der Universität Bern in Kenia treffen. Es geht darum, Erfahrungen zu sammeln und Menschen für den Landschaftsschutz zu sensibilisieren. Wir möchten die effektivsten Erhaltungsmassnahmen ermitteln.

«Natürlich wäre es besser, wenn wir weniger Skilifte bauen würden. Davon gibt es viel zu viele. Wir brauchen doch nicht in jedem Tal einen kleinen Lift oder Langlaufstrecken. Ich bin zwar begeisterter Langläufer, aber die Eingriffe schaden der Umwelt.»

Worauf muss der Schweizer Umweltschutz achten?

Es gäbe sehr viele schützenswerte Landschaften, zum Beispiel im Flachland oder im Jura. Es war ein grosser Fehler, in den 50er-Jahren jeden Bach umzuleiten und jedes Gebüsch umzupflanzen. Das hat unsere Insekten- und Vogelwelt praktisch zerstört. Und natürlich wäre es besser, wenn wir weniger Skilifte bauen würden. Davon gibt es viel zu viele. Wir brauchen doch nicht in jedem Tal einen kleinen Lift oder Langlaufstrecken. Ich bin zwar begeisterter Langläufer, aber die Eingriffe schaden der Umwelt. Muss das wirklich überall sein?

Das dürfte der Schweizer Tourismus nicht gerne hören.

Ach wissen Sie, das sind Kräfte, die gegeneinander wirken. Die Schweiz ist sehr klein, da ist schnell vieles verbaut. Trotzdem müssen wir auf die Umwelt achten, nicht nur in der Schweiz, sondern weltweit.

Schweizer Umwelt: Sauberes Wasser, dreckige Luft und zu viel Lärm

Kann der Mensch den Klimawandel überhaupt noch verhindern?

Ja, das ist sicher möglich. Viele kleine Dinge können eine grosse Wirkung entfalten. Zum Beispiel wird in Kalifornien nur noch eine Baubewilligung erteilt, wenn das geplante Haus Sonnenkollektoren besitzt. Stellen Sie sich vor, jedes Land hätte solche Vorschriften. Hinzu kommen technische Neuerungen. Wir müssen beispielsweise den CO2-Ausstoss der Autos verringern.

«Ich bin 100 Prozent gegen die Selbstbestimmungsinitiative der SVP. Ich werde Geld spenden, um Plakate dagegen zu finanzieren. Es kann nicht sein, dass wir den Europäischen Gerichtshof für Menschenrechte nicht mehr anerkennen»

Ist die Schweiz diesbezüglich ein Vorbild?

Ich weiss, dass sich die Schweiz im Umweltschutz Mühe gibt. Einige sinnvolle Vorschriften wurden bereits erlassen, zum Beispiel werden die Häuser viel besser isoliert als in den USA und in südlichen Ländern. Dort geht viel mehr Energie verloren.

In der Vergangenheit haben Sie sich auch politisch in der Schweiz engagiert. 2014 stellten Sie sich öffentlich gegen die Zuwanderungsinitiative. Möchten Sie künftig wieder aktiver werden?

Ja, ich bin 100 Prozent gegen die Selbstbestimmungsinitiative der SVP. Ich werde Geld spenden, um Plakate dagegen zu finanzieren. Es kann nicht sein, dass wir den Europäischen Gerichtshof für Menschenrechte nicht mehr anerkennen. Das ist der gleiche Fehler wie damals bei der Zuwanderungsinitiative. Es ist der Beginn einer kompletten Isolation der Schweiz. Das wird schlimme Folgen haben.

Kommen Sie dieses Jahr wieder ans WEF nach Davos, um Ihre politischen Anliegen einzubringen?

Nein, diese Zeit ist für mich vorbei. Das WEF war einmal eine ganz tolle Sache, aber es interessiert mich nicht mehr. Wichtige Themen werden kaum mehr angesprochen.

Zum Beispiel?

Wir müssten viel mehr über die Gleichstellung sprechen. Es ist doch unfassbar, wie sehr Frauen auf der ganzen Welt noch unterdrückt werden. Aber diese Themen werden in Davos nur noch mit Samthandschuhen angefasst. Das ist schade. (aargauerzeitung.ch)

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    Alle Leser-Kommentare
  • Miki 04.11.2018 07:59
    Highlight Highlight Es sollte allen Bewusstsein das sich diese Herren mit ihren Spenden nur ihr Gewissen rein waschen wollen, denn diese haben mit ihren Konzernen resp. der Produktion und dem Verkauf ihrer Produkte in grossem Masse dazu beigetragen das es der Umwelt so schlecht geht. Angebot und Nachfrage bestimmen ihr und unser Verhalten.
    • Fabio74 04.11.2018 18:54
      Highlight Highlight naja Damit er Geld verdient, muss es einer kaufen.
      Also ist deine Welt ein bisschen sehr simpel
      Zum anderen, im Gegensatz zu anderen Milliardären macht er wenigstens etwas, dass der Welt auch was bringt
      Aber motzen ist einfacher
  • Spooky 04.11.2018 07:44
    Highlight Highlight Multimilliardäre - die neuen Helden der Linken 🙈
    • Fabio74 04.11.2018 18:55
      Highlight Highlight deine Welt ist schon tragisch simpel
  • neoliberaler Raubtierkapitalist 03.11.2018 17:52
    Highlight Highlight Ein positiver Mann, der mit seinem eigenen Geld die Welt verbessern möchte. Obwohl ich den Klimawandel nicht so dramatisch sehe, finde ich solches Engagement grossartig.
  • kelu77 03.11.2018 16:08
    Highlight Highlight Finde ich super! Ausser der Punkt mit der Verminderung des CO2-Ausstoss von Autos. Die 15 grössten Frachtschiffe stossen die selben Giftstoffe in die Atmosphäre wie 700 Millionen Autos. Die Industrie muss sich verändern und nicht die privaten Haushalte. Unser Ausstoss ist so klein im Vergleich zu den grossen Firmen.
  • HerrLehmann 03.11.2018 12:27
    Highlight Highlight Wenn Bill Gates, Jeff Bezos und Zuckerberg ihr Geld an Stiftungen spenden, respektive in ihre eigenen "investieren", reden alle von Steuertricks. Hier nicht?
  • Rim 03.11.2018 10:03
    Highlight Highlight Welch ein Mensch! Und welch ein Glück, dass es noch solche Menschen gibt.
    • Matterhorn 03.11.2018 14:55
      Highlight Highlight Ja, ein vernünftiger, klar denkender und weitsichtiger Mensch mit Geld. Trump hat hier ein postives Beispiel...
  • Dragonlord 03.11.2018 09:38
    Highlight Highlight Danke für Ihr Engagement, Herr Wyss! Es braucht mehr Leute mit dieser Überzeugung! Zuviel Egoismus und Gier schadet unserer Gesellschaft und dem Planeten, auf dem wir zuhause sind.
    • Moelal 03.11.2018 12:35
      Highlight Highlight Es ist erschütternd, dass estatsächlich Leute gibt, die diesen Kommentar blitzen. Das weist auf ein sehr bedenkliches Gedankengut hin
  • Avalon 03.11.2018 08:09
    Highlight Highlight Klare Worte, sehr schön! Ich hoffe, dass seine Vision in Bezug auf die Umwelt wahr wird!
  • Kong 03.11.2018 08:01
    Highlight Highlight Danke. Interessantes Interview das zeigt, das gerade auch in den USA (auch wenn er CH ist), eine mitdenkende positive Bewegung existiert. Trump dominiert viel zu sehr die öffentliche Wahrnehmung. Statt links oder rechts müsste einfach mehr die Logik regieren. Ein nachhaltiger Umgang mit der Natur tut vielerorts Not. Ich meine damit weniger CO2 Auflagen im Westen sondern Investitionen und Verbesserungen in armen Ländern, die im Überlebensmodus sind und kein Geld für entsprechende Massnahmen haben (Raubbau verhindern, Monoanbauten, Abfallentsorgung, Energiepolitik, etc)
  • malu 64 03.11.2018 07:56
    Highlight Highlight Bravo! Ein Unternehmer mit Weitsicht. Er braucht die Show am WEF nicht!
  • Gogl Vogl 03.11.2018 07:29
    Highlight Highlight Solange die globale Wirtschaft auf immer höhere Gewinne und Warenumschläge bei gleichzeitiger Effizienzsteigerung angewiesen ist, sind solche Bemühungen trotz all der guten Absichten fast zwecklos. Der Moloch verschlingt zu viele Ressourcen.

    In der Schweiz mag der Mittelstand vielleicht noch genügend Mittel zur Verfügung haben, um Umweltthemen zu diskutieren aber in vielen anderen europäischen Ländern schlittern die Menschen mit nichts mehr als einem halben Tank voll in den nächsten Monat.

    Wie will man da modernisieren?
    Es muss endlich mal Steuergerechtigkeit entstehen!
    • Imnon 03.11.2018 16:54
      Highlight Highlight Das klingt, als müsste jeder ein Auto haben und als würde die Verschmutzung der Welt und ihre Zerschneidung durch Strassen ein Grundrecht sein. Da haben wir doch schon ein Problem. Diese unglaubliche Selbstverständlichkeit, mit der angenommen wird, dass das, was man selbst tut, voll ok ist.
    • Gogl Vogl 03.11.2018 23:26
      Highlight Highlight Lebt man in einem urbanen Gebiet sagt sich das einfach.

      Versuch mal in Niedersachsen ohne Auto Arbeit zu finden. Oder im ländlichen Italien oder Frankreich...

      Es fährt leider nicht überall ab 5.30 Uhr morgens ein Tram durch die Gegend aber es muss trotzdem gearbeitet werden.
    • Imnon 04.11.2018 13:26
      Highlight Highlight Da sag ich nichts dagegen, Dä_Dröggo. Aber es muss nicht jeder in der Familie ein eigenes Auto haben. Sieh dir doch mal an, wie viele Autos mit nur einem Fahrer unterwegs sind! Weil die meisten ungewillt sind, noch einen kleinen Umweg für jemand anderen zu machen. Und weil das Auto irgendwie zur persönlichen Intimzone wurde.

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