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Die Fans des FC Luzern fordern vernünftige Anspielzeiten und faire Preise: Hier bei einer Partie gegen YB, die an einem Mittwoch um 18 Uhr angepfiffen wurde.
Die Fans des FC Luzern fordern vernünftige Anspielzeiten und faire Preise: Hier bei einer Partie gegen YB, die an einem Mittwoch um 18 Uhr angepfiffen wurde.bild: boris bürgisser/Luzerner Zeitung

Wird jetzt der Spieltag zerstückelt? Was der neue TV-Vertrag verändern kann

Plötzlich gibt es viele unterschiedliche Anspielzeiten in der Super League. Das könnte wegen des neuen Fernsehvertrages künftig so bleiben – obwohl die Fankurven seit Jahrzehnten dagegen kämpfen.
10.02.2021, 09:11
raphael Gutzwiller / ch media

Der Fernsehzuschauer wird immer wichtiger als der Fan im Stadion. Diese Erkenntnis gibt es seit Jahren. Durch das Virus, welches alle Zuschauer aus dem Stadion verbannt hat, beschleunigt sich der Prozess zusätzlich. So wurden ohne grössere Diskussionen inmitten der Geisterspiele die Anspielzeiten in der Super League leicht verändert.

Das fällt demjenigen auf, der die Anspielzeiten der Partien von heute betrachtet. Um 17.30 Uhr spielt Aarau gegen Sion im Cup, um 18.15 startet Servette gegen St. Gallen und Luzern gegen Lugano, um 20.30 treten die Young Boys und Lausanne gegeneinander an.

Auch samstags werden die Partien der Super League auseinandergenommen – jedes Spiel soll möglichst viele TV-Zuschauer haben. In Zeiten von Homeoffice und wenig Action im eigenen Leben dürfen sich viele Sportfans darüber freuen.

Als Fans das Tor mit Schloss blockierten

Und doch ist das Thema der Anspielzeiten heikel. Die Geisterspiele könnten von Liga und dem TV-Partner Blue Sport, ehemals Teleclub, dazu genützt werden, den Spieltag langfristig zu zerstückeln. So wie man dies bereits heute von der Premier League, der Serie A oder der spanischen La Liga kennt, wo auch montags oder sonntags noch spätabends gespielt wird. Für anreisende Fans ein Graus.

Aus den Topligen tanzt nur Deutschland aus den Reihen, weil dort die Fans grossen Widerstand gegen die Zerstückelung leisten – zwischenzeitlich eingeführte Montagsspiele wurden wieder abgeschafft. Auch in der Schweiz verbuchten Fans einen ähnlichen Erfolg, als 2016 die Sonntagsspiele um 13.45 Uhr wieder abgeschafft wurden.

FCL-Fans verketten das Tor beim Schweizer-Cup-Viertelfinal gegen YB.
FCL-Fans verketten das Tor beim Schweizer-Cup-Viertelfinal gegen YB.bild: keystone

Das Thema ist bei den Fans hochemotional. Für sie, die möglichst an jedem Spiel dabei sein möchten, bedeuten frühe Anspielzeiten, dass sie entweder freinehmen müssen oder die Spiele verpassen. Deshalb haben sich Fans in der Vergangenheit immer wieder aufgelehnt. Anfang 2019 protestierten Fans des FC Luzern gleich doppelt.

Sowohl die Cuppartie gegen YB als auch das Meisterschaftsspiel gegen den Schweizer Meister wurden bereits am frühen Mittwochabend angepfiffen. Einmal bewarfen die Kurvengänger den Platz mit rohen Eiern, beim zweiten Mal blockierten sie eines der Fussballtore mit einem massiven Schloss.

Fans des FC Basel werfen in Winterthur Fussbälle auf das Feld.
Fans des FC Basel werfen in Winterthur Fussbälle auf das Feld.bild: keystone

Eine ähnliche Anspielzeit, um Mittwoch um 18.45 Uhr nämlich, missfiel auch den Fans des FC Basel. 2017 im Cupspiel in Winterthur bewarfen sie den Platz mit Fussbällen, um das Anspiel hinauszuzögern.

Bei diesen drei Beispielen war der Grund für die ungemütliche Anspielzeit jeweils die Champions League, welche die Primetime am Mittwochabend auf Wunsch der Uefa besetzt.

2010: Es fliegen die Tennisbälle.Video: YouTube/Urban

Anders war die Situation 2010, als Fans des FC Basel den Rasen im Gersag-Stadion in Emmenbrücke mit Tennisbällen bewarfen. Die Partie zwischen Luzern und Basel wurde bereits um 12.45 Uhr angepfiffen, weil das Schweizer Fernsehen danach den Final der Swiss Indoors zwischen Roger Federer und Novak Djokovic zeigen wollte.

Schon 2005, also noch weit vor der Zeit von Blue Sport, hatten die Fans der Grasshoppers gegen das Diktieren der Anspielzeiten durch TV-Sender protestiert. Beim Zürcher Derby wählten GC-Fans auf einem Transparent harsche Worte in Richtung des damaligen «SF DRS», das anfing, die Anspielzeiten mitzubestimmen.

2005: Fans von GC mit einem Transparent, mit dem sie gegen die von SF DRS diktierten Anspielzeiten protestieren.
2005: Fans von GC mit einem Transparent, mit dem sie gegen die von SF DRS diktierten Anspielzeiten protestieren.bild: keystone

Dass die Anpassung der Anspielzeiten umstritten ist, ist sich die Swiss Football League bewusst, sagt Mediensprecher Philippe Guggisberg. «Doch in der jetzigen Zeit handelt es sich lediglich um ein Entgegenkommen in Richtung des Fernsehpartners. Denn derzeit spielt es für die Fans keine grössere Rolle, wann die Partien stattfinden, da die Anreise zum Stadion leider wegfällt.»

Pocht «Blue» nun auf eine Anpassung?

Klar ist: Falls in dieser Saison Fans in die Stadien zurückkehren, werden die Anspielzeiten wieder angepasst. Doch was passiert in der neuen Saison?

Ab Sommer tritt nämlich der neue Fernsehvertrag in Kraft. Bei dem bleibt auf den ersten Blick zwar alles beim Alten: Weiterhin sendet Blue Sport alle Spiele der Super League live im Pay-TV, zudem wird eine Partie pro Spieltag auf SRF übertragen.

Ein Kameramann von Blue Sport in Aktion.
Ein Kameramann von Blue Sport in Aktion.Bild: keystone

Doch der Vertrag zwischen Blue und SFL ist noch nicht abschliessend geklärt: In der Langfassung des Vertrags werden noch Details ausgehandelt. Darunter auch die Frage nach den Anspielzeiten. Pocht Blue nun auf eine Anpassung? Auf Anfrage beim TV-Sender heisst es: «Kein Kommentar

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28 Kommentare
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Die beliebtesten Kommentare
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ben_fliggo
10.02.2021 10:16registriert Januar 2014
Liebe Blue-Manager, die hier mitlesen. Das Vorhaben macht keinen Sinn.
- Fans schauen primär das Spiel ihres eigenen Clubs
- bei den restlichen Spielen will man zeitnah die Zusammenfassung. Aber dafür noch 2h zu warten, nein, so wichtig ist es dann auch nicht.
- ihr könntet euch damit so einfach sehr viel Sympathien zurückholen, wenn ihr die Anspielzeiten belässt und es entsprechend positiv vermarktet (ähnlich wie z.B. bei der Rückbenennung des Wankdorfstadions in Bern).
You are welcome.
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Carbonara ohne Rahm
10.02.2021 09:25registriert Januar 2020
Hoffentlich geht diese Swisscom Tochter bald Konkurs!
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Brettspiel
10.02.2021 10:22registriert Oktober 2014
1/2 Wenn die Luzernern nur gewussten hätten wie gut ihr Timing war. Wer vor der UEFA kuscht und ein grosses Cupspiel so ansetzt, dass sogar die einheimischen Fans früher von der Arbeit müssen um das Spiel zu sehen (von Gästefans gar nicht zu sprechen), dem wünsche ich tatsächlich mehr Eier. Das ganze zeigt einfach wunderbar die Problematik die im Schweizer Fussball herrscht. Man bläst den ganzen Apparat mehr und mehr auf, möchte gerne so sein wie die Grossen, um auch nur ein paar Krümmel vom Kuchen zu bekommen.
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