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Russlands Patriarch ruft zu Weihnachten zum Gebet auf



Zum orthodoxen Weihnachtsfest hat der russische Patriarch Kirill die Gläubigen zum Gebet für die Opfer tödlicher Katastrophen und Gewalt aufgerufen. Die Grenzen der menschlichen Logik erlaubten nicht, die Vorsehung Gottes zu verstehen, die Antwort liege im Gebet.

Das sagte das russisch-orthodoxe Kirchenoberhaupt dem TV-Sender Rossija 1 am Samstag in Moskau. Dabei bezog er sich auf den Anschlag auf den russischen Botschafter Andrej Karlow in der Türkei sowie den Absturz eines russischen Militärflugzeugs über dem Schwarzen Meer mit 92 Menschen an Bord Ende Dezember.

«Jedes Mal, wenn wir in Kontakt mit echter Trauer kommen, die unsere Seele berührt, stellen wir uns die Frage (nach dem Warum)», sagte Kirill in einem Weihnachtsinterview. «Was für uns eine Tragödie ist, ist keine für Gott. Denn Gott ist in der Ewigkeit, er weiss, was mit dem Menschen nach dem Tod geschieht.» Aber solange der Mensch auf Erden in seiner Logik von Trauer und Glück verhaftet bleibe, solange könne er diese Frage nicht beantworten.

Nach julianischem Kalender

Die orthodoxen Christen feiern Weihnachten erst am 6. und 7. Januar. Weil viele orthodoxe Kirchen dem julianischen Kalender folgen, begehen sie die Geburt Christi 13 Tage später als etwa die katholische Kirche und die Protestanten, die sich nach dem gregorianischen Kalender richten.

In Russland nahmen in der Nacht zum Samstag zahlreiche Gläubige an Weihnachtsgottesdiensten teil. Die russisch-orthodoxe Kirche ist mit schätzungsweise rund 150 Millionen Anhängern die grösste orthodoxe Gemeinde. Kirill feierte in der Christus-Erlöser-Kathedrale, der prachtvollen Hauptkirche des Landes, in Sichtweite des Kremls.

Das Kirchenoberhaupt rief die Menschen angesichts des digitalen Zeitalters dazu auf, weniger in der virtuellen Welt zu leben und sich mehr Zeit für den realen Kontakt zu den Menschen zu nehmen. Zugleich sprach er sich gegen Abtreibung aus. Kirill gilt als ultrakonservativer Gelehrter und Vertrauter des russischen Präsidenten Wladimir Putin. Kritiker werfen der Kirche eine zu grosse Nähe zum Staat vor.

Präsident Putin in der Provinz

Präsident Putin feierte die Weihnachtsmesse in einem historischen Kloster in Weliki Nowgorod, etwa 500 Kilometer nordwestlich von Moskau. In seiner Weihnachtsbotschaft an die Bürger hob er die bedeutende Rolle der orthodoxen Kirche in der Gesellschaft hervor.

«Sie vergrössert das Zusammenwirken staatlicher und gesellschaftlicher Strukturen in der Bildung, Aufklärung und Wohltätigkeit, sie stärkt die Institution der Familie und die Erziehung der heranwachsenden Generationen», sagte Putin einer Mitteilung des Kremls zufolge.

Putin nutzt das Weihnachtsfest traditionell, um Kirchen in der russischen Provinz zu besuchen. Das theologisch noch bedeutendere Osterfest begeht er in der Regel in Moskau. (sda/dpa)

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