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President Barack Obama pauses as he speaks in the James Brady Press Briefing Room of the White House in Washington, Monday, Aug. 18, 2014. Taking a two-day break from summer vacation, President Barack Obama met with top advisers at the White House Monday to review developments in Iraq and in racially charged Ferguson, Mo., two trouble spots where Obama has ordered his administration to intervene. (AP Photo/Charles Dharapak)

Die USA machen die schwerste Rassenkrise seit Generationen durch. Bild: Charles Dharapak/AP/KEYSTONE

Obama und Ferguson-Unruhen

Der geplatzte Traum des Barack Obama 

Die USA machen die schwerste Rassenkrise seit Generationen durch. Nur Präsident Obama, einst Symbol einer postrassistischen Nation, spielt dabei keine Rolle mehr – er hat seine gesellschaftliche Autorität verloren. 

Marc Pitzke, New York



Ein Artikel von

Spiegel Online

Barack Obama war im Urlaub, als der schwarze Teenager Michael Brown von einem weissen Polizisten erschossen wurde. Während in Browns Heimatort Ferguson in Missouri tagelange Rassenunruhen ausbrachen, spielte der erste afroamerikanische US-Präsident auf der Prominenteninsel Martha's Vineyard Golf

Erst nach einer Woche verliess Obama seine Sommerfrische und kehrte kurz nach Washington zurück, um im Weissen Haus vor die obligatorischen TV-Kameras zu treten. Tags darauf war er schon wieder in Massachusetts. Und keiner hat's gemerkt. 

Niemand hört mehr zu 

In den USA schwelt die schwerste Rassenkrise seit Generationen. Nur der vor fast sechs Jahren als Symbol einer postrassistischen Nation gewählte Obama spielt dabei kaum mehr eine Rolle. Er hat seine Stimme verloren, seine Autorität in der gesellschaftlichen Debatte, die er einst beherrschte, personifizierte und, so die Hoffnungen, beenden sollte. Die postrassistische Vision blieb Illusion – und Obama schrumpfte zur Fussnote eines Traums. 

Sein 27-Minuten-Auftritt vom Montag war das übliche Ritual eines Mahners in Chief, der mit klinischem Feinschliff den Eindruck politischer Kontrolle vorgaukelte. Obama hielt sich an die Fakten, vermied Emotionen, zeigte Verständnis für die «erhitzten Gemüter» und tadelte sowohl «exzessive Polizeigewalt» wie die sporadischen Plünderungen. Er schickte Justizminister Eric Holder nach Ferguson, statt selbst zu fahren. Er trat keinem zu nahe, ob schwarz oder weiss. 

Unweigerliche Folge: Seine Worte verhallten

President Barack Obama and daughter Malia Obama walk to the Marine One helicopter from Air Force One at Cape Cod Coast Guard Air Station in Bourne, Mass., Tuesday, Aug. 19, 2014, as they return to the Obama family vacation on the island of Martha's Vineyard. (AP Photo/Jacquelyn Martin)

Obama und seine Ehefrau auf dem Weg in die Ferien. Bild: Jacquelyn Martin/AP/KEYSTONE

Das liegt nicht nur daran, dass diese sich in ihrer vorsichtigen Ausgewogenheit neutralisierten, wie Komplementärfarben zu bedeutungslosem Grau. Oder daran, dass das Weisse Haus sie im Doppelpack feilbot: «Update zum Irak und der Situation in Ferguson», hiess die Ankündigung an die Medien. Irak, Ferguson: Alles gleich – samt der Bilder der aufmarschierenden Nationalgarde

Es liegt auch daran, dass keiner Obama mehr zuhört. Erneut stirbt ein Schwarzer von Hand eines Weissen, erneut kondoliert, klagt, beruhigt der Präsident, erneut tut sich nichts. 

Dabei verlangt das Déjà-vu von Ferguson Empörung, wenn nicht Wut, wie sie der schwarze Bürgerrechtler Al Sharpton zeigte. Er hat den Fall Michael Brown zum neuen Schlachtruf seiner alten Bewegung gemacht. Obamas Hautfarbe dagegen hindert ihn: Er wagt es nicht, die Stimme zu erheben, aus Angst, als «angry black man» zu gelten – das Gruselbild aller Ignoranten des Ku-Klux-Klans. 

Versöhnender Einfluss «beschränkt»

Das war im Wahlkampf 2008 noch anders, als Obama nach langem Zaudern eine bewegende Grundsatzrede zum Rassismus hielt, gesprenkelt mit persönlichen Anekdoten. Es war sein bis heute bester Moment, der ihm die Präsidentschaftsnominierung garantierte. 

Fünf Jahre später widmete Obama dem erschossenen Teenager Trayvon Martin den Satz: «Das hätte mein Sohn sein können.» Und später sogar: «Trayvon Martin hätte ich vor 35 Jahren sein können.» Da hatte sich das Blatt aber längst gewendet: Die Äusserungen vertieften die Kluft zwischen den Fronten. 

Mehr noch: Obama ist heute so unbeliebt, seine Einmischung verschärft jeden Streit. Der Politologe Michael Tesler hat ermittelt, dass allein die Erwähnung Obamas die Bevölkerung polarisiert. Das Meinungsforschungsinstitut Gallup listet ihn sogar als den am stärksten polarisierenden US-Präsidenten seit 1984. 

Seine Reden, einst seine Stärke, sind nun seine Schwäche. Sein versöhnender Einfluss sei deshalb nur noch «beschränkt», gerade in Rassenfragen, findet Brendan Nyhan vom Dartmouth College in der «New York Times». 

Ein tragisches Ende: Der Mann, der antrat, das Land zu einen, spaltet es – und macht sich notgedrungen leise, abwägend, unsichtbar. Dies sei Obamas «Preis der Präsidentschaft», schreibt Ezra Klein auf der Newssite «Vox»: «Das einzigartige Talent zu opfern, das ihn überhaupt erst zum Präsidenten machte.» 

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