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Mehr als 30 Tote bei Angriff auf Flüchtlinge vor Jemens Küste



Bei einem Angriff auf ein Flüchtlingsboot vor der Küste des Jemen sind über 30 Personen getötet und nochmals so viele verletzt worden. Die UNO und das IKRK zeigten sich schockiert und verurteilten den Angriff.

Das UNO-Flüchtlingshilfswerk (UNHCR) reagierte bestürzt auf die Informationen, dass ein Flüchtlingsboot angegriffen wurde. UNHCR und das Internationale Komitee vom Roten Kreuz (IKRK) schätzten die Zahl der getöteten Personen auf etwas mehr als 30.

Auch Vertreter der Gesundheitsdienste der jemenitischen Küstenstadt Hodeida sowie des dortigen Hafens hatten von mehr als 30 Toten und 35 Verletzten gesprochen. Die Internationale Organisation für Migration (IOM) ihrerseits sprach von mehr als 40 somalischen Flüchtlingen, die getötet wurden.

Widersprüchliche Informationen

Wer genau hinter dem Angriff steckte, blieb unklar. Hodeida im Westen Jemens wird von schiitischen Huthi-Rebellen kontrolliert. Deren Agentur Saba warf der von Saudi-Arabien angeführten, arabischen Militärkoalition vor, die Schutzsuchenden aus der Luft angegriffen zu haben. Angaben zur Zahl der Opfer machte Saba nicht.

Ein Sprecher der sunnitischen Militärkoalition sagte der Nachrichtenagentur AFP, die Allianz sei an dem Vorfall nicht beteiligt gewesen. Sie habe in dem Gebiet keinen Angriff unternommen.

Ein Hafenvertreter sagte AFP, die Opfer seien mit leichten Waffen angegriffen worden, was gegen einen Luftangriff sprechen könnte. Seinen Angaben zufolge wurden dutzende Somalier, die den Angriff überlebten, sowie drei jemenitische Schlepper in das Gefängnis der Stadt gebracht.

Ob die Flüchtlinge den Jemen verlassen oder dort Schutz suchen wollten, blieb unklar. Laut IOM war das Flüchtlingsboot wahrscheinlich in Richtung Sudan unterwegs.

Im Südjemen gibt es verschiedene Lager mit somalischen Flüchtlingen, allerdings nicht in der Gegend von Hodeida. Laut dem UNO-Flüchtlingshilfswerk UNHCR benutzen Flüchtlinge angesichts des sich zuspitzenden Konflikts im Jemen weiter nördlich gelegene Regionen als Transitgebiet. Das UNHCR rief die Konfliktparteien im Jemen auf, Zivilisten zu schützen.

Umkämpfte Westküste

Im Jemen kämpfen seit September 2014 Truppen des sunnitischen Präsidenten Abd Rabbo Mansur Hadi gegen schiitische Huthi-Rebellen und andere Milizen, die dem vorherigen Staatschef Ali Abdallah Saleh die Treue halten. Seit März 2015 fliegt ein von Riad angeführtes Militärbündnis Luftangriffe gegen die Rebellen und unterstützt damit die Hadi-Truppen.

Seit Donnerstag gab es bei Kämpfen an der Küste südlich von Hodeida nach Angaben von Militärs und Ärzten 32 Tote - 14 Rebellen, acht Soldaten und zehn Zivilisten. Die Hadi-treuen Einheiten rücken derzeit von der Hafenstadt Mocha in nördlicher Richtung vor, um die von den Rebellen kontrollierte Westküste des Jemen einzunehmen. Die arabische Militärkoalition ist an der Offensive beteiligt.

Der UNO-Nothilfekoordinator Stephen O'Brien hatte im Zusammenhang mit dem Jemen am vergangenen Wochenende von der «grössten humanitären Krise in der Welt» gesprochen. 18.8 Millionen Menschen benötigen demnach Hilfe. Das sind zwei Drittel der Bevölkerung. Nach UNO-Angaben wurden in dem Konflikt im Jemen seit März 2015 bereits fast 7700 Menschen getötet und mehr als 42'500 verletzt. (sda/afp/dpa)

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