Wirtschaft
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Der 118 Meter hohe Swissmill Tower im Zürcher Industriequartier.
bild: watson

Dubai und Schanghai können einpacken: In Zürich steht der höchste Kornspeicher der Welt 🍞 Mehl für JEDES DRITTE Brot der Schweiz

Die letzte grosse Bauetappe des Swissmill Towers beginnt. Das 118 Meter hohe Getreidesilo ist mehr als das jüngste Mitglied im Zürcher Hochhaus-Reigen. Während nebenan Luxuswohnungen leer stehen, entsteht hier das täglich Brot der Schweiz.



Wer baut den Höchsten? Das architektonisch-phallische Fernduell machen normalerweise Metropolen wie Dubai, Schanghai und New York unter sich aus. Die Schweiz backt vergleichsweise kleine Brötchen, ausser und buchstäblich in der Kategorie Kornspeicher: 118 Meter misst der neue Swissmill Tower in Zürich – zwei Meter mehr als das zuvor höchste Getreidesilo der Welt, die Schapfenmühle bei Ulm in Deutschland.

Wir sind mit Silo-Chef Hans Schmid auf dem höchsten Punkt des Turms, in der Luft hängt der süssliche Geruch von frisch gemahlenem Mehl. Bauarbeiter versiegeln gerade den Verteilboden, über dem dereinst ein Sitzungszimmer für die Manager von Swissmill und der Eigentümerin Coop stehen wird. Nicht das höchste in der Innenstadt – das befindet sich gegenüber im Prime Tower – aber mehr als hoch genug, um auf den Hauptsitz der Konkurrentin Migros am Limmatplatz herabzublicken.

«Als wir die Idee erstmals präsentierten, mitten in Zürich auf 118 Meter aufzustocken, hielten uns die Leute für verrückt.»

Hans Schmid, Silo-Chef Swissmill

Wenn er über den Neubau spricht, kommt Schmid, der aus Leidenschaft Müller ist, ins Schwärmen: «Als wir die Idee erstmals präsentierten, mitten in Zürich auf 118 Meter aufzustocken, hielten uns die Leute für verrückt. Doch wir waren überzeugt und zogen es durch.» Die Bauherrin Implenia rechnet für den kommenden Frühling mit der Fertigstellung des Rohbaus. Über die Kosten wurde Stillschweigen vereinbart. Dafür gibt es zwei andere eindrückliche Zahlen: Der neue Blickfang in der Zürcher Skyline verschlingt 18’000 Kubikmeter Beton und 2700 Tonnen Stahl.

Die Lage des Turms direkt an der Limmat verlangte den Planern alles ab. Um die gewaltigen Kräfte abzufangen, mussten Pfähle bis in eine Tiefe von 45 Metern auf die Grundfelsen getrieben werden. Der Bau ist Knochenarbeit pur: Die Aufstockung auf 118 Meter geschieht mittels sogenannter Gleitschalung, das heisst bis zu 60 Bauarbeiter betonieren in drei Schichten rund um die Uhr. Entscheidend ist dabei, dass der Beton während des Verfahrens abbindet, was während der Bruthitze nicht immer einfach war. «Das würden Sie und ich keine Stunde aushalten», sagt Schmid. Wir glauben es ihm.

Der Bau ist in zwei Etappen aufgeteilt, in denen je eine Hälfte des Turms hochgezogen wird. Die erste wurde Anfang Juli abgeschlossen, die zweite beginnt am 21. September. Schon sehr bald also wird der Swissmill Tower doppelt so breit sein und seine schlanke Erscheinung ein Stück weit einbüssen.

Irgendwann während der Baustellenführung merken wir, dass hier nicht nur gebaut wird. Tatsächlich bleibt der Silo- und Mühlebetrieb während der Aufstockung aufrecht erhalten. Das muss er auch.

Swissmill ist die grösste Mühle der Schweiz. 800 Tonnen Korn vermahlt der Betrieb pro Tag. Das entspricht unglaublichen 30 Prozent des nationalen Getreidebedarfs. Anders gesagt: Hier wird das Mehl für alle Brotprodukte hergestellt, die in allen Coops, Volgs und Landis der Schweiz über die Ladentische gehen.

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Impressionen von der Swissmill-Grossbaustelle.
Video: watson.ch

«Zürich ist gut zu uns.»

Hans Schmid, Silo-Chef Swissmill

Einen Betrieb mit solchen Dimensionen würde man irgendwo in der Agglomeration vermuten, nicht aber mitten in der Höchstpreisstadt Zürich. Die allermeisten Fabriken im ehemaligen Industriequartier wurden denn auch in den 1980er-Jahren stillgelegt. «Mein Vorgänger erlebte noch, wie auf dem benachbarten Löwenbräu-Areal Bier gebraut wurde», sagt Schmid. Für ihn ergibt der über 170 Jahre alte Mühle-Standort am Sihlquai nach wie vor viel Sinn: «Wir sind dort, wo der Konsument ist.»

Lebensader der Mühle ist und bliebt der Bahnanschluss, über den sämtliches Getreide angeliefert wird: Swissmill darf das städtische Industriegleis, das quer durch das neue Trendquartier verläuft, weiterhin nutzen. «Mit Lastwagen wäre das nicht zu schaffen, unsere Existenz steht und fällt mit diesem Bahnanschluss», räumt Schmid ein.

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Im sogenannten Sichter werden die einzelnen Granulationen (Vollkorn, Halbweiss, Weiss, usw.) aufgeteilt
gif: watson

Wer in der Nähe der Hardbrücke wohnt oder arbeitet, bekommt die Güterzüge regelmässig zu Gesicht. Sorgen, dass die Gleise irgendwann verschwinden, müssen sich Schmid und seine Mitarbeiter keine machen. «Zürich ist gut zu uns», sagt er. Swissmill ist einer von nur zwei verbliebenen Industriebetrieben auf Stadtgebiet (der andere ist MAN). Auch beim Bund kann das Unternehmen mit Goodwill rechnen: Ein Teil seiner vier Getreidesilos sind Pflichtlager.

Ebenso scheint die Bevölkerung der Stadtmühle wohlgesinnt. 2011 stimmte sie der Aufstockung mit einem Ja-Anteil von 58 Prozent zu. Das Schattenwurf-Argument der Gegner verfing nicht. Nun müssen die Badegäste am Unteren Letten auf ein wenig Sonne verzichten. Dafür bekommt die Bankenstadt Zürich das höchste Getreidesilo der Welt. Ein fairer Kompromiss. Und eine willkommene Abwechslung von all den anderen Hochhäusern mit ihren (teils leerstehenden) Luxuswohnungen.

Eine Frage wäre noch zu klären:

Umfrage

Wie soll das Ding heissen?

  • Abstimmen

655 Votes zu: Wie soll das Ding heissen?

  • 9%Getreidesilo (offizielle Bezeichnung Swissmill #1)
  • 24%Kornhaus (offizielle Bezeichnung Swissmill #2)
  • 32%Swissmill Tower (Volksmund)
  • 35%Flour Tower (weil es sich so schön reimt)

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    Alle Leser-Kommentare
  • Andreas Schnell 17.09.2015 10:37
    Highlight Highlight der tower heisst im volksmund weder swiss mill oder sonst wie ... sondern schlicht und einfach 'klotz'
    6 3 Melden
  • goschi 14.09.2015 09:12
    Highlight Highlight Es wird in dem Artikel viel drum herum geredet, wieso diese Architektonische Hässlichkeit angeblich so super sei, weil höher als alle Anderen, usw.
    Was mit in diesem Artikel aber völlig fehlt ist eine objektive Herangehensweise, das Schattenwurf-Argument wird einfach abgetan und die Begründung, wieso es sinnvoll war, mitten in der Stadt das Silo zu vergrössern fehlt völlig. In der Nähe der Konsumenten zB ist eine täuschende Aussage, denn relevant wäre die Nähe der Weiterverarbeiter (also der industriellen Grossbäckereien), usw.
    Das wirkt wie ein Fanboy-Artikel, Journalistisch ist er aber nicht
    27 12 Melden
    • Felix Burch 15.09.2015 11:35
      Highlight Highlight Bist du diesen Sommer in der Badi Unterer Letten gewesen? Ich oft. Von Schattenwurf kann man wirklich nicht sprechen. Ein schmaler Schatten ist es, der zu gewissen Zeiten auf die Badi fällt. Gestört hat dieser die wenigsten.
      9 9 Melden
    • goschi 15.09.2015 12:02
      Highlight Highlight 1, kenne ich mehrere betroffene Anwohner, die den Schatten weniger toll finden (die Badi-Gäste sind mir da ziemlich wurscht)
      2. einzig auf diesen Punkt wird eingegangen und dies wieder auf die gleiche leicht abwertende Art.

      Das ist dann doch eher traurig.
      10 5 Melden
  • Citation Needed 13.09.2015 22:48
    Highlight Highlight ..ach ja, ganz vergessen: den Uferweg, den die Stadt (quasi als Gegenleistung für den Totalausverkauf an Swissmill) forderte, kann man nun doch nicht bauen, denn man habe inzwischen bemerkt, dass das statisch nicht gehe..
    Kriegt grad sonstwer noch einen Lachanfall?

    Da schaffen die es statisch gesehen locker, den höchsten Getreidesilo weit & breit hinzustellen, aber der Uferweg, ja der Uferweg! Irgendwie schien der vor der Abstimmung statisch Peanuts zu sein, danach mauserte er sich plötzlich zur unlösbaren Knacknuss..
    Kann sein, dass man sich wirklich irrte. Kann aber auch sein, dass nicht.
    21 5 Melden
  • Citation Needed 13.09.2015 22:33
    Highlight Highlight Hässlich find ich den an sich nicht, aber das Ding gehört nicht in die Stadt und schon gar nicht an den Fluss. Mir geht auch das Gehype um die Höhe auf den Keks (der ist nur so hoch weil es dort keinen ver****en Platz für diese x-Tonnen Mehl hat, und nicht, weil da jemand ästhetisch besonders inspiriert oder visionär war).
    Am ätzendsten find ich aber die Vorgeschichte. Warum sich ZH-PolitikerInnen so flammend für das Ding ins Zeug legten, wird mir immer ein Rätsel bleiben. Swissmill drohte nicht mal, ZH zu verlassen. Da hätte man immerhin etwas für Quartier & Allgemeinheit rausholen müssen..
    21 9 Melden
    • Kian 14.09.2015 12:27
      Highlight Highlight Industrie gehört nicht in die Stadt? Das finde ich ein seltsames Verständnis von Urbanität. Passt zur Zürcher Spiessigkeit, die schon das Konzept des Schattenwurfs hervorgebracht hat.
      22 16 Melden
    • Citation Needed 14.09.2015 18:29
      Highlight Highlight Doch, aber nicht um jeden Preis und nur, wenn halbwegs sinnvoll. 'Argumente' wie "die Nähe zum Konsumenten" wie's auch hier wieder heisst sind m.E. eher sinnfrei. Obschon: Es wird mir schon ganz warm ums Herz zu wissen, dass mein Mehl in trauter Nähe lagert. Schade nur, dass es zum Backen nach Schafisheim und dann als Brot wieder zurück gekarrt wird (/Irony off).
      14 3 Melden
    • Citation Needed 14.09.2015 18:39
      Highlight Highlight Ps: bitte nicht den üblichen Kulturpessimismus-Vorwurf, Kian. Wer dem Turm nicht Beifall klatscht landet in der Ewiggestrigen-Schublade? Das Industrie-Argument ist in diesem Fall keine Entweder-Oder-Angelegenheit.
      12 2 Melden
    Weitere Antworten anzeigen
  • Hackphresse 13.09.2015 16:10
    Highlight Highlight Kann die Fassade noch farblich angepasst werden?
    16 9 Melden
  • R&B 13.09.2015 15:10
    Highlight Highlight Liebe Swissmill. Herzlichen Dank für diesen hässlichen Bau. Eine schönere Fassade hättet ihr uns gönnen dürfen.
    36 36 Melden
    • usehername 13.09.2015 16:35
      Highlight Highlight wie hätten sie's denn gerne? so mehr mit glas und metallfassade,...damit das mehl auch die aussicht geniessen kann? nein, sorry jetzt etwas ernster. ich denke in punkto kosten/nutzen ist das der richtige weg. es gab ja auch einen architektonischen wettbewerb...also müssen noch hässlichere vorschläge dabeigewesen sein... :-)
      28 11 Melden
    • koks 13.09.2015 17:06
      Highlight Highlight "es gab ja auch einen architektonischen wettbewerb"
      ziemlich sicher nicht. können sie eine quelle nennen, wo dieser wettbewerb dokumentiert wäre?
      11 2 Melden
    • koks 13.09.2015 17:44
      Highlight Highlight habe schnell recherchiert für dich. architekturwettbewerbe sollen eine hohe qualität sichern. hier beim swissmill-tower lief die beauftragung offensichtlich anders.
      das büro harder haas aus eglisau sind die architekten für dieses hochhaus. mitinhaberin bei harderhaas ist veronika harder, dipl architektin. Im gleichen haushalt bei architektin veronika harder lebt august harder (der ehemann?), gemäss angaben linkedin "Leiter Informatik Produktion bei Coop Schweiz".
      die beauftragung dieses wichtigen baus kam also eher über familiäre bande (aka "filz") zustande als durch öff. ausschreibung.
      32 4 Melden
    Weitere Antworten anzeigen
  • stadtzuercher 13.09.2015 15:06
    Highlight Highlight Interessant ist ja auch die Tatsache, dass die Stadt Zürich in einem aufwendigen Verfahren für etliche Millionen CHF ein Hochhausleitbild erstellt hat. Um dann bei der erstbesten Gelegenheit, als eine der grossen Firmen in der Schweiz angeklopft hat und ein Hochhaus bauen wollte, das im Widerspruch mit diesem Leitbild steht, eingeknickt ist. Da muss sich die Stadtplanung mit ihren Beamten schon die Frage gefallen lassen, weshalb sie soviel Geld für unnütze Leitbilder ausgeben, wenn sie dann doch nicht gelten.
    57 11 Melden
    • Citation Needed 13.09.2015 22:23
      Highlight Highlight Auch interessant die Frage, warum die Swissmill (oder die Schweiz..) plötzlich so viel zusätzliche Lagerkapazität für Mehl benötigt. Nicht etwa, weil der Brotkonsum explodierte, sondern weil Coop/Swissmill ihre Basler Siloanlage an Novartis verkauft hatte (für Novartis-Campus). Was ist billiger als ein neuer Standort? Zürich aufstocken! Denn dort hat's ja schon Grundstück und Infrastruktur. Teuer wird's nun also nur für Zürich: mehr Verkehr, Bau in Uferzone, Hochhausleitbild sowieso, fensterloses Ding mit Schattenwurf, usw.. Nutzen für die Allgemeinheit? Ein Höhenrekord. Hurra.
      17 1 Melden

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