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Edvin Uncorked

Wie die Aromen in den Wein kommen

Madelyne Meyer
Madelyne Meyer

Liebe Weinfreunde und Weinfreundinnen

Es gibt abertausende Weine auf dem Markt. Für jeden Geschmack und jedes Budget. Das Angebot scheint unendlich und das ist auch gut so. Das Entdecken von feinen Weinen wird nie langweilig: Neuer Produzent, neue Produktionsvorgehen, neue Assemblagen, neue Anbauphilosophien und neue Aromen.

Aromen – mein Stichwort.

Eines der überbewertetsten, aber spannendsten Wörter in der Weinwelt.

Eines meiner Hobbys ist es, Rückenetiketten zu lesen, denn die Degustationsnotizen einiger Weine schiessen zum Teil einfach den Vogel ab. Diese gleichen nämlich mehr einem Gedicht als einem Naturprodukt:

Beispiel

«Intensive, dichte, fast explodierende Nase. Duftend nach reifen, schwarzen Beere und Cassis, Mocca, warmem Rauch, dazu elegante, dezente Kokosnuss-, Vanille- und Ausbauaromen. Ein voluminöser, mundfüllender und aromatischer Wein mit viel Schmelz und einer kernigen Textur. Ein ausgezeichneter Vertreter des Terroirs auch dank seiner mediterranen Würze, mit viel regionalem Charakter.»

Solche Weinbeschriebe sind weder schlimm noch falsch, aber ich weiss nicht, ob sie uns wirklich helfen. Kannst Du dir Kokosnussaromen im Wein vorstellen? Wünschst Du diese Aromatik im Wein?

Meine Lieblingsbeschreibungen sind die Gewürznoten, oft in Kombination:

Wer zum Teufel will diese Gewürze im Wein haben?

Falls ich mal Wein produzieren sollte, dann lautet mein Weinbeschrieb folgendermassen:

«In der Nase besticht dieser Wein mit Aromat und Cenovis. Das Vitamin B verleiht ihm eine gewisse gesunde Würzigkeit. Am Gaumen präsentieren sich Salataromen mit einer französischen Sauce und Sesamkernen. Saftig, knackige Tannenzapfen mit einer Säure stärker als der Essig Deiner Grossmutter und einem elendslos langen Abgang.»

Dies ganz nach dem Motto: If you can't convince, confuse.

Jetzt komme ich zum Punkt. Aromen machen den Wein interessant. Komplexe Aromen verleihen dem Wein Qualität und Finesse. Aromen sind absolut faszinierend, jedoch erkennt man sie erst nach jahrelangen Verkostungsübungen und dies am besten blind. Learning by Drinking wäre hier der Ansatz. Für viele Anfänger oder auch einfach Weingeniesser haben diese Aromen eine überfordernde Wirkung, denn oft riecht oder schmeckt man diese nicht, was dann zu Selbstzweifel führen kann. Selbstzweifel beim Weintrinken braucht jetzt wirklich niemand.

Aber wie entstehen nun diese Aromen?

Nur kurz vorweg: Die Aromen im Wein entstehen durch verschiedene biologische und chemische Reaktionen. Wir fokussieren uns jedoch auf die wesentlichsten Faktoren und lassen das Biologie- und Chemiestudium mal beiseite.

Primäre Aromen

Du kannst nicht in den Rebberg gehen, eine Weissburgundertraube pflücken, reinbeißen und erwarten, dass sich in Deinem Mund die Aromen von Geissblatt, Orangenblüte und Pink-Lady-Apfel breit machen. Jede Traubensorte hat lediglich die Aromavorstufen dazu in sich (ein Potenzial). Die Aromen kommen jedoch erst während der Weinherstellung zum Vorschein.

Bei Aromen von den Traubensorten per se unterscheidet man zwischen: fruchtig, floral, würzig, pflanzlich, erdig.

Sekundäre Aromen

Alle, die mit Wein zu tun haben, sind sich einig: Die Qualität des Weins hängt vom Rebbau ab, nicht vom Ausbau (der Produktion) im Keller. Wenn das Terroir ungeeignet ist, der Boden krank, die Rebstöcke zu eng gepflanzt und zu stark mit Trauben beladen sind und wenn nicht rechtzeitig geschnitten oder geerntet wird, kann man sich die Arbeit im Keller gleich an den Hut stecken.

Aromen vom Anbau (Rebberg)

Aromen vom Ausbau (Keller)

Tertiäre Aromen

Wein wird besser mit dem Alter. Wie wir auch. Das meinen wir auf jeden Fall. Zeit im Fass und Zeit in der Flasche lassen im Wein Aromen entstehen, die sonst nicht möglich wären. Zudem kann sich der Wein über die Zeit hinweg entfalten. Die Tannine integrieren sich in den Wein und werden sanfter.

Flaschenreifung

Die Aromen, die gewisse Weine während der langen sauerstoffarmen Flaschenreifung entwickeln, gehören zu den exquisitesten und komplexesten, die der Weingenuss zu bieten hat. Die groben Tannine integrieren sich sanft im Wein, die zu Beginn noch präsente Säure nimmt ab, die Fruchtaromen von der Lagerung bzw. Reifung in der Flasche werden komplexer und entwickeln sich hin zu Aromen von reifer Frucht, Trockenobst und Gewürznoten.

Ich habe jetzt wirklich nur an der Oberfläche gekratzt. Wer sich gerne noch intensiver mit Aromen auseinander setzen will, dem empfehle ich folgende Literatur:

Viel Spass beim Lesen und/oder Entdecken und denkt daran: das Wichtigste ist, einen feinen Wein für sich selber zu finden und nicht, zwischen Pflaume und Zwetschge unterscheiden zu können.

Cheers, eure Edvin

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Madelyne Meyer

Die Weinwelt kann extrem elitär und exklusiv sein. Darauf hat Madelyne Meyer aber gar keine Lust. Mit ihrem unkonventionellen Weinblog Edvin hat sich die Aargauer Weinexpertin in der Schweiz einen Namen gemacht. «Meine Leser mögen wohl meine selbstironische Art. Ich nehme mich und die Weinwelt nicht todernst, zolle dem Wein aber immer genügend Respekt».

Madelyne arbeitet in ihrem Familienbetrieb für Marketing & Kommunikation und schreibt noch für den Gault Millau Channel. Das Ganze rundete sie im September 2019 mit ihrem ersten Buch «Endlich Wein verstehen» ab.
Für watson schreibt Madelyne ab sofort regelmässig exklusiv in ihrem Blog.

Weitere Infos über Madelyne und Wein findest du hier:
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12Alle Kommentare anzeigen
    Alle Leser-Kommentare
  • Besser Wüsser 12.07.2020 09:42
    Highlight Highlight Wie immer ein sehr interessanter Beitrag. Man bekommt gleich Lust eine gute Flasche zu öffnen. Mist, ist erst kurz vor 10:00, egal, ist ja Wochenende ;-)
  • Ed B 11.07.2020 13:14
    Highlight Highlight Ich störe mich an dem Shutterstock-Titelbild. Man trinkt einfach keinen Wein aus einem Cognac-Schwenker. Keinen. Nicht. Nie.
  • Jamaisgamay 11.07.2020 11:21
    Highlight Highlight Wie die Aromen in den Wein kommen? Vielleicht auch so 😁🤣😀
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  • Der Rückbauer 11.07.2020 09:03
    Highlight Highlight Najanaja, ich habe aufgehört, nach Substanzen zu suchen, welche in den Wein gegossen, gestreut, gequirlt, gemischt, gehängt, gelegt, gestellt, einfach "beigegeben" werden.
    Eines weiss ich, dass die EU einzig den Hinweis auf der Etikette verlangt, in allen möglichen Sprachen: Enthält Sulfite. Ja, Schwefel, das haben die Römer schon gewusst. Aber damals gabs noch keine Givaudan, aber vielleicht die Verfeinerung durch Fischblase und Gelatine aus Schweineschwarten, Rinderknochen und -knorpeln. Und viele andere Sachen zur Schönung des Weines.
    Trotzdem Prost: Con pan y vino, se anda el camino.
  • rodolofo 11.07.2020 08:24
    Highlight Highlight Was wirklich wichtig ist?
    Der Alkohol!
    Nur sagt das keiner.
    Die Alkoholiker verstecken sich hinter ihrem Geniesser-Image...
  • Jamaisgamay 10.07.2020 17:08
    Highlight Highlight Wie die Aromen in den Wein kommen? Vielleicht so? 🙃🤔🙄
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  • Sälüzäme 10.07.2020 13:16
    Highlight Highlight Endlich jemand der mich versteht. 😃
    Ich trinke nur alte Weine, min. 10 Jahre und mehr. Meine Erfahrung ist, man kann auch günstige Weine, 15 bis 20 Fr. problemlos so lange lagern. Um die für mich unerwünschten Schwebestoffe los zu werden filtere ich ihn durch Gase oder Haushaltpapier, aber nur in eine Karaffe, kein Dekanter. Das schöne an alten Weinen, bei jedem Schluck entfalten sich neue Aromen, ein Genuss bis am Schluss. Wer dann erst mal 20 bis 30 jährige Weine trinken darf, weiss was für ein Hochgenuss das ist. Auch Weissweine können locker 5 Jahre gelagert werden, einfach ausprobieren!
    • Sälüzäme 10.07.2020 16:03
      Highlight Highlight Es währe interessant die Motive der Blitzer zu erfahren, schreibt eure persönlichen Erfahrungen, vielleicht kann ich auch noch etwas lernen. 😁😁😁
    • Hemrock 10.07.2020 18:33
      Highlight Highlight Motive? Ok.
      Nur alte Weine? Gibt auch gute junge.
      Alle mindestens 10 Jahre alt? Schade, für viele zu alt.
      Wein durch Haushaltspapier filtern? 'Nough said.
    • Salbei 10.07.2020 23:56
      Highlight Highlight Ich glaube, nur schon dieser Satz " ich trinke nur min.10 Jahre alte Weine" haben viele als arrogant und dekadent eingestuft. Nicht persönlich nehmen ;)
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