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HIPSTERLITHEATER

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Hipsterlitheater

Der Knigge der Lüfte



Das korrekte Verhalten auf Passagierflügen.

  1. Handgepäck
    Das Handgepäck-Hinweisschild mit Metallgestell, an welchem man testen kann, ob das Handgepäck nicht zu gross ist, ist nur als Empfehlung gedacht. Nehmen Sie ruhig grösseres und schwereres Handgepäck mit. Auch gerne drei Stück. Ihre Mitreisenden stört es nicht, wenn Sie ein ganzes Overhead-Compartment für sich beanspruchen. Sie sind wichtig. Ihre Sachen sind wichtig. 

  2. Check-in
    Drucken Sie Ihre Bordkarte nicht schon vorher an einem dieser komischen Automaten aus, sondern begeben Sie sich gleich zum Baggage-Drop-off. Ignorieren Sie den Hinweis, dass Sie hier nur mit gültiger Bordkarte anstehen können. Diskutieren Sie lange mit den Check-in-Angestellten. Täuschen Sie nötigenfalls fehlende Sprachkenntnisse vor. Andere Fluggäste können warten. Sie sind wichtig. Ihre Sachen sind wichtig.


  3. Security Check
    Ihre Harley-Davidson-Gürtelschnalle wird dem Metalldetektor nicht auffallen und auch Ihr Handy sollte stets an Ihrer Hüfte bleiben. Das ist Ihr gutes Recht.

    Die Regel mit den 100ml Flüssigkeit ist lediglich eine Empfehlung und Ihr mitgebrachtes Sixpack Feldschlösschen sollte nun echt mal toleriert werden. Sie sind ja kein Terrorist.

    Machen Sie aber trotzdem Witze darüber. Ruhig mal ein leises «Jihad» beim Niesen einbauen. Das lockert die ernste Stimmung am Security Check auf und verkürzt so die Wartezeit für alle. 


  4. Boarding
    Ignorieren Sie die ausgerufenen Sitzreihen, die als erste in den Flieger dürfen. Selbst wenn Ihr Sitzplatz in der dritten Reihe ist, sollten Sie sich möglichst sofort anstellen. Sie könnten sonst den Flieger verpassen. Dies passiert sehr häufig und muss verhindert werden. Machen Sie Ihren Vordermann beim Anstehen mit Ihrem Handgepäck-Trolley an seiner Ferse darauf aufmerksam, dass er sich beeilen soll. 


  5. Im Flugzeug
    Die Armlehne gehört grundsätzlich Ihnen. Machen Sie Ihren Sitznachbarn mit einem sanften Ellbogen-Stösschen in dessen Rippen darauf aufmerksam.

    Es gehört zum guten Ton, dass man die Sitzlehne schon vor dem Start zurück klappt. So können sich alle schon daran gewöhnen und es entstehen während des Flugs keine Überraschungen mehr. 

    Ignorieren Sie alle Hinweise der Flight-Attendants, Ihr iPad beim Start auszuschalten. Wenn alle anderen die Anweisungen befolgen, sollten Sie misstrauisch werden. Sie sind kein Schaf. Sie sind wichtig. Sie sind Air-Hipster.

    Flight-Attendants wählen ihren Beruf, weil sie sexuelle Abenteuer mit Passagieren suchen. Flirten Sie darum ungehemmt und greifen Sie ruhig auch mal zu. 

    Jede Airline rechnet mit drei Litern Bier pro Passagier. Selbst bei Kurzstreckenflügen sollten Sie darum auf Ihre Ration bestehen.

    Langeweile und Nervosität können Sie mit leichten, rhythmischen Tritten an den Sitz des Vordermanns abbauen. Er wird sich über die Gratismassage freuen.

    Auch über Ihren nackten Fuss auf seiner Sitzlehne wird er sich freuen, weil das ist ein schöner Fuss.


  6. Die Ankunft
    Hat der erste Pneu des Flugzeugs einmal den Boden berührt, sollten Sie schon auf den Beinen stehen und Ihr Handgepäck herausholen. Stehen Sie danach in den Gang und blicken Sie stur zum Ausgang. Seufzen Sie unter Kopfschütteln. Dies wird den Prozess des Ausstiegs um das 36-fache beschleunigen und Ihre Mitreisenden werden Sie dankbar auf Händen aus der Boeing tragen. 

    Sollten Sie es nicht eilig haben, bleiben Sie sitzen und belächeln die anderen, bereits stehenden Passagiere ruhig mit einem Fingerzeig. Betonen Sie Ihre intellektuelle Überlegenheit mit deutlich hörbaren Kommentaren wie «das hilft sicher, wenn jetzt alle aufstehen». Sie sind nämlich weiser und bleiben jetzt sitzen. Sie sind besser.


  7. Gepäckband
    Stehen Sie ganz nahe an das Gepäckband. Weichen Sie keinen Zentimeter und verdecken Sie wann immer möglich jeglichen Blick auf die heranrollenden Koffer. Eine Kamera am Gepäckband wird Sie durch Gesichtserkennung identifizieren und gleichzeitig Ihre Eile erkennen. Die Meldung Ihrer Eile wird automatisch zum aufladenden Personal geleitet, welches Ihren Koffer aus dem Haufen der anderen heraussucht.

    Sollten Sie Ihren Koffer schon haben, aber Ihr Reisepartner noch nicht, dann verteidigen Sie Ihren Platz am Förderband weiterhin, während Sie genervt auf seinen Koffer warten.




Rafi Hazera

Rafi Hazera ist Grafiker, Comedian, Zürcher und das Herrchen des Zukkihunds. Rafi ist extrem schön. Und auch weise. Das ist Allgemeinwissen. Und er hat den Text für dieses Kästli natürlich nicht selber geschrieben. Wenn ihn jemand fragt, warum sein Blog auf watson «Hipsterlitheater» heisse, obwohl er gar nicht immer über Hipster blogge, dann lacht Rafi laut und sagt der Person, dass ihm ihre Meinung völlig schnurz sei und er manchmal auch an die S-Bahn-Türe lehne, obschon dies ausdrücklich nicht erwünscht wird. So ein ungehobelter Rowdy ist er nämlich.

Rafi Hazera auf Twitter
Sein Zukkihund auf Facebook
Rafi macht Comedy in der Zukunft

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Rafi Hazera erklärt dem Zukkihund die Welt. Erfolglos. Bild: Yonni Meyer, (pony M.)

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    Alle Leser-Kommentare
  • Simi Suter 20.09.2015 00:31
    Highlight Highlight 8. Schreiben sie Regeln für alle anderen Fluggäste auf. Sie sind wichtig und intelligent, das erlaubt es ihnen, besser als alle anderen zu wissen, wie man sich verhält. Ausserdem lässt ihre Hipster-Sonnenbrille sie die Situation all ihrer Mitreisenden viel besser vestehen, als sie von ebendiesen selber verstanden wird.
    9. Probieren sie es doch einmal mit ein wenig Empathie. Das erleichtert sowohl ihnen selbst, als auch ihren Mitmenschen das Leben viel mehr, als Hipster-Besserwisserei.
  • Samst4r 30.03.2015 17:26
    Highlight Highlight http://www.businessinsider.com/goldman-sachs-elevator-guide-to-flying-2014-6?IR=T
  • wasäch 27.08.2014 13:40
    Highlight Highlight ... und lassen ungeniert den Druck in der Bauchgegend ab. Das Lüftungssystem im Flugzeug lässt sofort alle wissen, dass ihr Furz nicht stinkt.
  • keplan 26.08.2014 11:32
    Highlight Highlight Was auch noch fehlt ist nehmen sie umbedingt ihr kleinkind (am besten unter 6Monate) mit auf eine lange Reise (z.B. Australien 14h) die anderen fluggäste werden die Unterhaltung zu schätzen wissen und ihr Kind hat einmalige errinerungen
  • scream 25.08.2014 16:14
    Highlight Highlight Ebenfalls muss beim Boarding weder Ausweise noch der Boardingpass bereitgehalten werden. Solche Dokumente können Sie also ohne weiteres zuunterst in Ihrem Handgepäck verstauen. Gerne dürfen Sie es auch auf mehrere übergrosse Gepäckstücke verteilen.
  • cbaumgartner 25.08.2014 13:52
    Highlight Highlight Dieser Artikel sollte pflichtlektüre sein am Eingang eines jeden Flughafens!
  • Gleis3Kasten9 25.08.2014 13:44
    Highlight Highlight Henry Rollins hat solche Probleme übrigens auch mal sehr gut auf einen Nenner gebracht.
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  • Gleis3Kasten9 25.08.2014 13:42
    Highlight Highlight Was noch fehlt ist das Verhalten auf den Laufbändern. "Bleiben sie ruhig auf dem Laufband stehen, sie haben sich nach sechts Stunden sitzen im Flugzeug eine kleine Pause verdient. Ruhen sie sich aus, Passagiere die es eilig haben werden es zu schätzen wissen wenn sie Ihren entspannten Gesichtsausdruck während des Sprintens geniessen dürfen."
  • Sagitarius 25.08.2014 11:35
    Highlight Highlight Oh wie wahr!

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