Digital
Apple

Nutzt du das kostenlose Antivirus-Tool Avast? Dann hast du ein Problem

Avast gibt's als Gratis-Tool, die User bezahlen mit ihren höchst sensiblen Browser-Daten.
Avast gibt's als Gratis-Tool, die User bezahlen mit ihren höchst sensiblen Browser-Daten.bild: unsplash

Bekanntes Antivirus-Tool verkauft Surf-Daten (inklusive Porno-Konsum) an Google und Co.

Die populäre Antiviren-Software Avast, die auf Macs und Windows-PCs läuft, sammelt höchst sensible Daten, die zu Werbezwecken weiterverkauft werden.
27.01.2020, 17:3531.01.2020, 14:18

Update: Avast hat am 29. Februar 2020 via Firmen-Blog angekündigt, das umstrittene Programm einzustellen, das Browser-Daten von Kunden sammelte und weiterverkaufte.

Was ist passiert?

Das Antivirus-Programm Avast überwacht PC-User beim Surfen und eine Tochterfirma verkauft die anfallenden Browser-Daten zu Werbezwecken an Dritte. Laut aktuellen Berichten wurde auch der Online-Porno-Konsum erfasst.

Zu den Firmen, die laut Recherchen von Motherboard (Vice) und PCMag womöglich für solche User-Daten bezahlten, gehören Google, McKinsey, Microsoft und Pepsi.

Gesammelt und verkauft wurden die Daten über die Avast-Tochterfirma Jumpshot, die 2013 von der tschechischen IT-Sicherheitsfirma übernommen worden war.

«Every search. Every click. Every buy. On every site.»
Werbeversprechen von Jumpshot, zu dem, was über die Avast-User gesammelt wurde

PC-Magazin schreibt:

«Avast sammelt die Browser-Historie der Benutzer unter dem Vorwand, dass die Daten ‹entidentifiziert› wurden, um die Privatsphäre zu schützen. Die Daten, die an Dritte verkauft werden, können jedoch mit der wirklichen Identität von Personen verknüpft werden, so dass jeder Klick und jede Suche, die [die Kunden] gemacht haben, offengelegt wird.»
quelle: pcmag.com

Wer ist betroffen?

Potenziell alle Leute, die auf einem Computer surfen, auf dem das kostenlose Antivirus-Programm Avast installiert ist, bzw. früher mal installiert war (und unbemerkt lief).

Das sind Hunderte Millionen, wenn nicht Milliarden PC-User rund um den Globus. Das Unternehmen selbst gab zuletzt an, über 435 Millionen aktive User pro Monat zu haben.

Was für User-Daten wurden verkauft?

Höchst sensible und private Daten.

Das vom Online-Medium Vice und von PCMag eingesehene Material enthielt angeblich Informationen zu:

  • Google-Suchen
  • Bestimmen von Standorten und GPS-Koordinaten auf Google Maps
  • Personen, die die LinkedIn-Seiten von Unternehmen besuchen
  • bestimmte YouTube-Videos
  • Personen, die Pornowebsites besuchen
«Obwohl die Daten keine persönlichen Informationen wie z. B. die Namen der Benutzer enthalten, enthalten sie dennoch eine Fülle von spezifischen Browsing-Daten, und Experten sagen, dass es möglich sein könnte, bestimmte Benutzer zu deanonymisieren.»
quelle: vice.com

Wie verteidigen sich die angeprangerten Firmen?

Sie gehen in Deckung.

Motherboard und PCMag kontaktierten über zwei Dutzend Unternehmen, die in internen Dokumenten (der Avast-Tochter Jumpshot) erwähnt werden. Nur eine Handvoll beantwortete Fragen, die sich auf die Browsing-Geschichte der Avast-User bezogen, und sagte, was sie mit den Daten machen.

Microsoft liess gegenüber Motherboard verlauten, dass es keine aktuelle Beziehung zu Jumpshot habe. IBM fand keinen Hinweis, Kunde von Avast oder Jumpshot zu sein. Und Google reagierte nicht auf eine Aufforderung zur Stellungnahme.

Ein anderes Unternehmen liess verlauten, die anonymisierten Browsing-Daten würden manchmal verwendet, um eigene Produkte und Dienstleistungen weiter zu verbessern. Dabei halte man sich strikt an die geltenden Gesetze.

Wie geht's weiter?

Bis vor kurzem sammelte Avast die Browsing-Daten über ein Browser-Plugin des Unternehmens, das die User vor verdächtigen Websites warnen sollte. Nach Hinweisen von Sicherheitsforschern entfernten die Browserhersteller Mozilla, Opera und Google diese Erweiterungen von Avast.

Doch das Datensammeln ging weiter, wie Motherboard und das PCMag berichten. Anstatt die Informationen über ein an den Browser angeschlossenes Add-on zu sammeln, machte Avast dies über die Antiviren-Software selbst.

Erst letzte Woche habe Avast laut einem internen Dokument begonnen, seine bestehenden Gratis-Antivirus-Kunden aufzufordern, der Datenauswertung zuzustimmen.

Hast du gewusst, dass Avast die Browser-Daten an Dritte verkauft?
An dieser Umfrage haben insgesamt 2464 Personen teilgenommen

Quellen:

(dsc)

DANKE FÜR DIE ♥
Würdest du gerne watson und unseren Journalismus unterstützen? Mehr erfahren
(Du wirst umgeleitet, um die Zahlung abzuschliessen.)
5 CHF
15 CHF
25 CHF
Anderer
Oder unterstütze uns per Banküberweisung.
Ransomware – Angriff der Verschlüsselungstrojaner
1 / 22
Ransomware – Angriff der Verschlüsselungstrojaner
Wenn diese hässliche Fratze auf dem Bildschirm auftaucht, ist es zu spät ...
quelle: screenshot: youtube
Auf Facebook teilenAuf X teilen
Zu viel am Handy? Dr. Watson weiss, woran du leidest
Video: watson
Darum darfst du als Japan-Fan «Onimusha: Way of the Sword» nicht verpassen
Das Samurai-Game «Onimusha: Way of the Sword» bietet ein Kampfsystem, das in den Sessel drückt und spendiert einen Flow der Extraklasse. Obendrauf dürfen wir Ortschaften besuchen, die vor allem Japan-Fans verzücken werden.
«Onimusha: Way of the Sword» ist ein ziemlich langes Abenteuer geworden. Mit über 30 Spielstunden für einige durchaus schlicht zu lang, weil sich das Spiel stellenweise wiederholt, sich in die Länge streckt und oft nicht zu einem Punkt kommen mag.
Zur Story