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Mutig wie eine Löwin

Eine väterliche Liebeserklärung an Ellie oder 10 Punkte, weshalb «The Last of Us» auch für Väter und Mütter das beste Spiel aller Zeiten ist



Vor ein paar Monaten lobte ich an dieser Stelle das Game «Assassin's Creed Black Flag» als bestes Game für Gamer-Eltern. Ich lag falsch.

Kurze Sessions, abwechslungsreiche Minigames, die Möglichkeit, das Game auch ohne Konsole zu spielen: Vor lauter Aufregung, an Stelle voller Windeln wieder mal den Controller in den Händen zu halten, beging ich den Fehler, zu stark auf praktische Gründe zu achten.

Aber wenn Ihr Kind in der Nacht weint, dann holen Sie es auch nicht aus praktischen Gründen zu sich ins Bett. Die restlichen Stunden der sogenannten Nachtruhe pausenlos von Füsschen und Fäustchen traktiert zu werden, ist nämlich alles andere als das. 

Sie holen Ihr Kind zu sich ins Bett, weil es allen gut tut. Und genau das ist die enorme Stärke von «The Last of Us». Das Game tut gut. Das Game tut mir als Vater gut. Weshalb? Darum:

1. Ellie braucht Schutz

Mit Puppen spielen in Ehren. Die Kleine Raupe Nimmersatt auch. Werte vermitteln, für das Kind da sein, Zeit verbringen, im Sandhaufen spielen, am Ende der Rutsche warten – das ist alles gut und recht und sogar super.

Als Vater möchte ich aber auch Schutz geben können. So richtig Schutz geben – Schutz vor möglichst gigantischen Gefahren. Ja, Shit. Ein Held sein für meine Tochter. So ist das. Und «The Last of Us» ermöglicht mir das wenigstens virtuell und so bequem für mich, wie es der ausgebeulte Sessel erlaubt. 

2. Ellie setzt sich durch

Auf Facebook ist die Hölle los, Lehrstellen sind hart umkämpft und der Schönheitswahn ist stärker denn je: Nein, in diesen Zeiten möchte ich kein Teenager sein. Und doch blüht das meiner Tochter in ein paar Jahren.

Noch teenagerunfreundlicher sind die Zeiten allerdings in «The Last of Us». Keine Parties, Alkohol wird bloss für Molotov-Cocktails und Verbände benutzt und wer auf eigene Faust die Welt erkunden will, endet als Zombie. Ellie packt es trotzdem, ein äusserst normaler, sensibler und sympathischer Teenager zu sein – und das macht Mut. Auch im realen Leben.

3. Und eigentlich braucht man sich um Ellie gar keine Sorgen zu machen

Ja, sie braucht Schutz. Aber ehrlich: Das Mädchen weiss sich äusserst gut zu wehren und steht in Sachen Überlebensfähigkeiten ihrem männlichen Begleiter Joel in wenig nach. Welcher Vater wünscht sich diese Fähigkeit nicht auch für seine Tochter? Ich schon.

4. Ellie pubertiert nicht übermässig 

Gut, sie rennt davon. Das ist schon starker Tobak für einen Teenager in einem zombieverseuchten Land. Aber hatte sie nicht Recht, irgendwie? Sonst halten sich die pubertären Schübe bei Ellie in Grenzen und sie ist bei Weitem mehr Spass als Nervensäge. Auch das: Das gibt jedem Vater einer Tochter Hoffnung.  

5. Ellie ist Fun

Wie bereits erwähnt: Ellie ist Fun. Während der überernste Joel manchmal nervt, glänzt Ellie mit frechen Sprüchen. Ich habe mich auf jeden Fall amüsiert.

6. Ellie könnte auch ein Junge sein – und auch nicht

«Igitt, eine Spinne», «aber Joel, das kann ich nicht», «ich will mich jetzt endlich schminken» – Hersteller «Naughty Dog» lässt solchen Klischee-Bullshit konsequent weg. Vielen herzlichen Dank.

Ellie ist trotzdem – nein – genau deshalb (und den Zwischentönen, die Naughty Dog perfekt trifft) ein modernes Vorzeigemädchen. Nicht in der Welt der Kardashians vielleicht. Aber in meiner.

7. Ellie ist immun

Die ganze Welt dreht im Angesicht eines Schimmelpilzes durch, nur Ellie bleibt immun. Was für ein Bild von Stärke! Was für ein Bild von Überlegenheit! Was für ein Bild für eine neue Generation! Und trotzdem zickt Sie nicht wie Paris Hilton. Das Mädchen hat eben Klasse.

8. Ellie ist trotz ihres Alters und der Situation nicht alles scheissegal

Es gibt wenig Schlimmeres als einen Menschen, dem die Welt zu Füssen liegt, und der trotzdem lieber unmotiviert auf der Couch sitzt und noch unmotivierter in den Fernseher starrt. Die Welt, die Ellie zu Füssen liegt, ist verseucht von Zombies und Menschenjägern. Trotzdem bleibt der Teenager neugierig und aktiv – obwohl er eigentlich nichts gewinnen kann. 

9. Ellie ist mutig wie eine Löwin

Den Mutigen gehört die Welt. Und deshalb ist es nur gerecht, dass ausgerechnet Ellie immun gegen den alles infizierenden Schimmelpilz ist. Meine Tochter soll der Welt mit demselben Mut entgegentreten können.

10. Ellie hat einfach alle Attribute, die man einer realen Tochter wünscht

Ich könnte diese Liste noch fast unendlich weiter führen, möchte sie aber mit diesem vieles umfassenden Punkt beenden. Naughty Dog ist mit Ellie und «The Last of Us» ein echt starker Wurf gelungen. Das beste Spiel für Gamer-Eltern. Vielen Dank nochmals!

Und wieso ich das erst jetzt, Jahre nach dem Release und Monate nach dem Release der Remastered-Version für die PS4 herausgefunden?

Ich glaube ich habe es nun genug erwähnt: Ich habe selber ein Kind. Die Zeit für Videogames fehlt. Und trotz aller Stärken von Ellie, obwohl sie quasi die virtuelle Traumtochter ist: Meinem realen Nachwuchs kann Sie nie und nimmer das Wasser reichen. 

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