DE | FR
Wir verwenden Cookies und Analysetools, um die Nutzerfreundlichkeit der Internetseite zu verbessern und passende Werbung von watson und unseren Werbepartnern anzuzeigen. Weitere Infos findest Du in unserer Datenschutzerklärung.
Antón Castillo (Giancarlo Esposito) herrscht mit eiserner Faust und hat familiäre Probleme.
Antón Castillo (Giancarlo Esposito) herrscht mit eiserner Faust und hat familiäre Probleme.
bild: zvg
Review

Revolution ohne Revolution: Warum «Far Cry 6» enttäuscht

«Far Cry 6» lädt uns auf eine tropische Insel ein, um an einer Revolution teilzunehmen. Doch der Kampf gegen ein Regime verschenkt schnell sein Potential. Übrig bleibt ein Ego-Shooter ohne Inspiration, der von Stunde zu Stunde zäher und bedeutungsloser wird.
07.10.2021, 18:36

Wo «Far Cry» draufsteht, ist auch «Far Cry» drin. Und gerade dieses Videospielgesetz wird beim jüngsten Ableger überdeutlich. Haben es die Vorgänger noch geschafft mit ein paar wenigen Neuerungen und Ideen Pessimisten hinter dem Ofen hervorzulocken, gibt sich der sechste Teil kaum mehr grosse Mühe, der verkalkten Formel neues Leben einzuhauchen. So ganz nach dem Motto: Es wird gespielt, was auf den Tisch kommt!

Eine Insel, zwei Probleme

In «Far Cry 6» werden wir ungewollt Teil einer Revolution. In der Rolle von Dani Rojas (männlich oder weiblich, je nach Wahl) werden wir Zeuge, wie ein wichtiger Mensch aus unserem Leben scheidet. Schuld daran ist das Regime von Antón Castillo (Giancarlo Esposito), der es sich auf der tropischen Insel Yara gemütlich gemacht hat und die Bevölkerung unterdrückt.

Mit einer grossen Armee und ebenso grosser Propaganda-Maschinerie hält er das Volk unter Kontrolle, hat seine Finger im Drogengeschäft und ist ein grosser Freund der Korruption. Sein Problem ist nur, dass sein eigener Sohn und offizieller Nachfolger Diego im Gegensatz zu anderen Blutsverwandten noch so gar keine Diktator-Ambitionen zeigt und mehr und mehr zum Sorgenkind wird. Abseits dieses eher persönlichen Problems macht ihm aber die immer wie grösser werdende Gruppierung von Revolutionären sorgen, wo die Spielenden nun kräftig mit anpacken.

Der Sohn des Diktators will leider nicht in seine Fussstapfen treten.
Der Sohn des Diktators will leider nicht in seine Fussstapfen treten.
bild: zvg

Der Spieltrott beginnt

Dani möchte eigentlich den unterdrückten Inselstaat mit einem Boot verlassen. Das wird ihr auch seitens der Guerillatruppe zugesprochen, doch vorher muss sie noch ein paar Aufträge für den Widerstand erledigen. Klar, dass sie sich nach den ersten Missionen aber dazu entschliesst zu bleiben, um ihre neu gefundenen Freundinnen und Freunde beim Umsturz zu unterstützen.

Danach beginnt der Spieltrott, wie wir es von den anderen «Far Cry»-Titeln kennen: Die Karte soweit von den faschistischen Machthabern befreien, wie es nötig ist, um in der Story voranzukommen. Es folgt das Ubisoft-Einmaleins: Menschen befreien und rekrutieren, Waffen und sonstiges Material für diverse Lager besorgen und Schritt für Schritt die Spiessgesellen von Castillo, die über ein bestimmtes Territorium herrschen, ausschalten. Man merkt schnell, viel getan hat sich in der «Far Cry»-Spielwelt nicht.

Wer möchte, darf auch auf dem hohen Ross die Insel erkunden.
Wer möchte, darf auch auf dem hohen Ross die Insel erkunden.
bild: zvg

Langweiliger Einstieg ohne Inspiration

Die ersten Spielstunden sind eine Qual und ertrinken in der Langeweile. Der Einstieg in die Spielwelt geschieht ohne grosse Überraschungen. Selbst die kurze Einführung des Diktators ist zum Gähnen. Wussten gerade die Vorgänger, wie ein Bösewicht mit grossem Karacho eingeführt wird, ist es erstaunlich, wie uninspiriert einem hier zu Beginn die Figuren um die Ohren gehauen werden.

Auch auf der guten Gegenseite muss lange, lange gewartet werden, bis auch nur ein ansatzweise sympathischer Charakter die Bühne betritt. Oder anders formuliert: Die Figuren in «Far Cry 6» sind allesamt unsympathisch, langweilig und komplett belanglos. Es mangelt an Motivation, es strotzt vor Stereotypen, Empathie möchte nicht aufkommen und immer wieder stellt sich die Frage, ob sich ein Weiterspielen überhaupt noch lohnt.

Das ist alles nur geklaut

Es muss zugegeben werden: Wer die «Far Cry»-Formel mag und kein Problem damit hat, immer wieder dasselbe zu tun, wird unterhalten werden. Das freie Erkunden, das sich Austoben in der offenen Spielwelt, wo jetzt auch eine grosse Stadt besucht werden darf, und die knackigen Gefechte machen durchaus immer noch Spass. Im sechsten Teil kommt aber immer wieder das verstärkte Gefühl zum Vorschein, dass man das alles schon mal erlebt und gesehen hat.

Auf einen hohen Berg klettern, um dort ein Rebellen-Versteck aufzufinden? Kenne ich. Eine Figur vom Ego-Pfad zurückholen, um sich der Gruppe anzuschliessen? Kenne ich. Ein Gefängnis stürmen, um alte Kameraden zu befreien? Auch das kenne ich. Klar haben auch die Vorgänger immer wieder von den anderen Vorgängern spielmechanisch geklaut, aber sie konnten es viel besser kaschieren. Auch in Sachen Flora und Fauna gibt es im sechsten Teil nicht wirklich etwas Neues zu entdecken.

Auf den Strassen gibt es auch immer wieder Panzer, die nicht so einfach brennen wollen.
Auf den Strassen gibt es auch immer wieder Panzer, die nicht so einfach brennen wollen.
bild: zvg

Da kann die Karte noch so gross sein und uns mit Nebenmissionen zuballern, alles fühlt sich gleich an. Schuld daran ist auch die Geschichte, die zwar im letzten Drittel dramatechnisch doch noch etwas auf die Tube drückt, aber in «Far Cry 6» passiert lange Zeit einfach gar nichts. Die Spielenden werden auch kaum eingebunden, sondern dürfen an der langen Leine brav ihre Missionen abarbeiten. Der sechste Teil kommt über lange Spielzeit einfach nicht vom Fleck und versinkt immer mehr im Mittelmass.

Wer über diese Hürde gehüpft ist und sich der Spielmechanik ergibt, bekommt, was man halt so bei «Far Cry» bekommt: Ein grosses Waffenarsenal mit ordentlich Wumms, das man sich sogar unter Umständen selber zusammen basteln kann, einen tierischen Begleiter wie zum Beispiel ein Krokodil und andere sogenannte Amigos, gepanzerte Vehikel, viel Sammelkram und hie und da ein cooles Easteregg, das die Fans erfreut.

Im sechsten Abenteuer darf auch eine Stadt erkundet werden.
Im sechsten Abenteuer darf auch eine Stadt erkundet werden.
bild: zvg

Eine Revolution mit Partyspass

«Far Cry 6» leidet auch noch unter einem anderen Problem: Alle Figuren und die Rahmenhandlungen wirken je länger gespielt wird umso unglaubwürdiger. Auf dem tropischen Inselstaat herrscht ein Diktator mit eiserner Faust. Die Bevölkerung wird unterdrückt, grosse Freiheiten gibt es nicht und generell wird uns ein düsteres, blutiges Bild vermittelt.

Doch je länger wir spielen, je mehr Zeit wir mit dem Widerstand verbringen und uns Missionen reinziehen, desto mehr beginnt das Stirnrunzeln. Denn den Freiheitskämpfern geht es überraschend gut. Auch wenn sie sich idealistisch gegen das Regime stellen, sehen sie gesund und wohlgenährt aus. Es mangelt ihnen nicht an Essen, ja sie haben sogar reichlich Zeit, um mit genügend Alkohol und sonstigen Drogen wilde Partys zu feiern. Dochdoch, so ein Rebellenleben muss toll sein. Warum also etwas ändern, wenn's für alle passt?

Grosse Vorfreude, grosse Enttäuschung

Fazit: Ich gebe es zu, ich habe mich eigentlich auf «Far Cry 6» gefreut. Mit «Far Cry» verbinde ich in der Regel viele unterhaltsame Spielstunden. Dabei ist es für mich auch völlig okay, dass die Spielmechanik keine Revolution mit sich bringt und mir immer wieder dasselbe serviert wird. Doch «Far Cry» ist immer auch ein Spiel, das mir eine einigermassen nachvollziehbare Geschichte mit einem gut geschriebenen Bösewicht bietet. Und hier hat der sechste Teil leider komplett versagt.

Klar, wird die Erwartungshaltung ausgeblendet und ist einem die Geschichte egal, sprich, braucht keine innere Logik, um Spass zu haben, dann wird auch der sechste Teil unterhaltsam sein. Denn ein audiovisuell gutes Erlebnis bietet das Insel-Abenteuer allemal.

Erschreckend ist jedoch, wie sehr sich Ubisoft dieses Mal auf der Erfolgsformel ausgeruht hat und kaum nennenswerte Neuerungen und eine sehr seichte Geschichte ohne erinnerungswürdigen Antagonisten serviert. Es wirkt so, als ob zu Beginn zwar eine interessante Grundidee vorhanden war, danach es aber niemand für nötig hielt, dem ganzen noch eine Seele zu schenken, die alles zusammenhält.

«Far Cry 6» ist erhältlich für Playstation 5, Playstation 4, Xbox Series X/S, Xbox One und PC. Freigegeben ab 18 Jahren.

DANKE FÜR DIE ♥
Würdest du gerne watson und unseren Journalismus unterstützen? Mehr erfahren
(Du wirst umgeleitet um die Zahlung abzuschliessen)
5 CHF
15 CHF
25 CHF
Anderer
Oder unterstütze uns per Banküberweisung.

So entsteht ein Videospiel Teil 1 (21.02.2014)

1 / 8
So entsteht ein Videospiel Teil 1 (21.02.2014)
Auf Facebook teilenAuf Twitter teilenWhatsapp sharer

«Viele Kinder gamen zu viel»

Das könnte dich auch noch interessieren:

Abonniere unseren Newsletter

Eismeister Zaugg

Zum ersten Mal mehr Verstand als Emotionen bei Gottéron

Eigentlich passt Christian Dubé mit seinem Doppelmandat Trainer/Sportchef nicht mehr in die Zeit. Aber Gottéron ist Tabellenführer. Der ewige Traum vom Meistertitel wird wieder farbig.

Er ist der Letzte seiner Art. Seit dem 4. Oktober 2019 führt Christian Dubé (44) Gottéron als Sportchef und als Cheftrainer. Er ist der Einzige mit diesem eigentlich antiquierten Doppelmandat. Sozusagen der letzte Saurier. Geht nicht! Unmöglich! Das Modell Sportchef und Trainer in Personalunion gilt als so überholt wie einst das Modell Spielertrainer.

Das ist die Meinung der Experten. SCB-Obersportchef Raëto Raffainer sagt beispielsweise: «Das Hockey-Geschäft von heute ist viel zu komplex. Es …

Artikel lesen
Link zum Artikel