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TikTok, Netflix und Cyber-Gefahren – das Online-Leben der Jugendlichen



sexting

Jugendliche sind gerne online, aber dort lauern Gefahren.

Fast die Hälfte der Jugendlichen gaben in einer Umfrage an, bereits unerwünschte sexuelle Avancen einer fremden Person online erhalten zu haben. Besonders betroffen davon sind Mädchen, wie die ZHAW und Swisscom in einer gemeinsamen Mitteilung vom Dienstag schreiben.

In den vergangenen sechs Jahren haben sexuelle Belästigungen im Internet von 19 Prozent auf 44 Prozent markant zugenommen. Zu diesem Schluss kommt eine Befragung von rund 1000 Jugendlichen in der Schweiz zwischen 12 und 19 Jahren im Zuge der «James»-Studie der Zürcher Hochschule für Angewandte Wissenschaften (ZHAW) und Swisscom, die alle zwei Jahre durchgeführt wird. Mädchen waren demnach mit 55 Prozent häufiger Opfer von sexueller Belästigung als Jungen (28 Prozent).

«Natürlich interessieren sich Jugendliche in diesem Alter immer mehr für sexuelle Inhalte. Es ist aber etwas ganz anderes, wenn Jugendliche ungewollt damit konfrontiert werden», liess sich Michael In Albon, Jugendmedienschutz-Beauftragter bei Swisscom, in der Mitteilung zitieren. Der deutliche Anstieg solcher Belästigungen habe auch mit der Verharmlosung sexualisierter Inhalte im Netz zu tun.

«Cybermobbing» trifft auch die Jüngsten

Das Interesse an erotischen, sexuellen Inhalten gehört laut den Forschenden zum Erwachsenwerden und zur Entwicklung der eigenen Sexualität dazu. Es könne aber auch problematisch sein, da gewisse pornografische Inhalte ein falsches oder einseitiges Bild von Sexualität vermitteln und mitunter verstörend wirken können. So zeigte die Umfrage, dass gut die Hälfte der 18- und 19-Jährigen sich pornographische Inhalte auf dem Handy oder Computer anschauten oder erotische Bilder zugeschickt bekommen hatten.

Auch mit sogenanntem «Cybermobbing» sahen sich ein Viertel der Jugendlichen bereits konfrontiert, darunter jeder Zehnte der 12- und 13-Jährigen.

TikTok immer wichtiger

FILE - This Monday, Sept. 28, 2020, file photo, shows as  logo of a smartphone app TikTok on a user post on a smartphone screen in Tokyo. Canadian e-commerce platform Shopify said Tuesday, Oct. 27, 2020, it’s made a deal with TikTok enabling merchants to create “shoppable” video ads that drive customers to online stores. (AP Photo/Kiichiro Sato, File)

Bild: keystone

Die «James»-Studie (Jugend, Aktivität, Medien - Erhebung Schweiz) zeigt auch, dass die Handynutzung in den letzten zwei Jahren stark zugenommen hat. An den Wochenenden ist sie mit fünf Stunden fast zwei Stunden höher als im 2018. Unter der Woche sind es mit drei Stunden täglich rund 40 Minuten mehr als noch vor zwei Jahren.

Besonders wichtig für Jugendliche sind die sozialen Netzwerke, auf denen sie Beiträge von anderen anschauen und «liken». Dabei haben Instagram, Snapchat und Tiktok der Plattform Facebook den Rang abgelaufen: 90 Prozent haben einen Account bei Instagram oder Snapchat, drei von vier Jugendlichen bei Tiktok. Facebook nutzen gerade noch 14 Prozent, während es 2014 noch 79 Prozent waren.

Weniger Vorsicht auf Sozialen Netzwerken

Allerdings scheinen sich die Jugendlichen weniger vorsichtig auf den Sozialen Netzwerken zu bewegen: Während 2014 noch 81 Prozent der Befragten ihre Privatsphäre mit technischen Einstellungen schützten, waren es 2020 noch 66 Prozent.

Ursache dürfte laut den Forschenden der Algorithmus der Netzwerke sein: «Wenn die Jugendlichen ihre Privatsphäre einschränken, sind sie weniger sichtbar und erhalten weniger Reichweite. Dies schränkt die Möglichkeiten ein, an Likes zu kommen», sagte der Medienpsychologe Gregor Waller von der ZHAW.

Unterschiedliche Nutzung bei Geschlechtern

Des Weiteren zeigte die James-Studie, dass Mädchen und Jungen ihr Handy für unterschiedlich Zwecke nutzen: Mädchen kommunizieren vor allem über soziale Netzwerke, hören häufiger Musik, und 86 Prozent fotografieren regelmässig (im Gegensatz zu 62 Prozent der Jungen).

Für Jungen stehen hingegen Onlinevideos und Games im Vordergrund. Zwei Drittel von ihnen gamen regelmässig, bei Mädchen sind es nur zehn Prozent. Problematisch sei, dass knapp ein Viertel der minderjährigen Gamerinnen und Gamer angibt, regelmässig Spiele zu spielen, die für ihr Alter nicht freigegeben sind.

Mehr Familie, weniger Freunde

Ein weiterer Trend der James-Studie zeigte, dass drei Viertel der Haushalte mit Jugendlichen ein Abonnement wie Netflix besitzen - 2016 waren es noch 38 Prozent. Auch Musik-Streaming und Game-Flatrate-Abos legten deutlich zu.

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Der teilweise Lockdown könnte den Forschenden zufolge diese Entwicklung beschleunigt haben. Die Jugendlichen hätten vermutlich stärker die Angebote von Streaming-Diensten genutzt, um sich abzulenken oder aus der für sie belastenden Realität zu flüchten, sagte der ZHAW-Medienychologe Daniel Süss.

Die Corona-Krise verstärkte wohl auch einen anderen Trend: Familie wird für die Jugendlichen immer wichtiger. So gab ein Drittel der Teilnehmenden an, etwas mit ihrer Familie unternommen zu haben (2010: 16 Prozent), zwei Drittel mit ihren Freunden (2010: 62 Prozent). (aeg/sda)

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