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epa08507913 (FILE) - Hanna Timmer rides a segway on a public bikeway in Brisbane, Australia, 01 August 2013 (reissued 25 June 2020). Segway will end production of its model Personal Transporter (PT) on 15 July 2020, Segway President Cai said in a statement.  EPA/DAVE HUNT  AUSTRALIA AND NEW ZEALAND OUT *** Local Caption *** 50939595

Ein Bild aus besseren Zeiten: Am 15. Juli stellt Segway die Produktion des Personal Transporter ein, archivBild: keystone

Die Apple-Gründer trugen zum Hype bei – jetzt ist Segway am Ende



Es sollte das Fortbewegungsmittel der Zukunft werden, doch der grosse Plan scheiterte spektakulär. Ausser Apple-Mitgründer Steve Wozniak, einigen Polizisten und Touristengruppen nutzen den Segway nicht viele. Nun zieht der chinesische Mutterkonzern den Stecker.

Selten war der Hype um ein neues Produkt so gross: Der Segway sollte den Personentransport revolutionieren und die Stadt der Zukunft prägen. Seine Innovation werde Autos so überflüssig machen, wie diese einst die Pferdekutschen, versprach Erfinder Dean Kamen. Doch die Hoffnung wurde nie erfüllt – im Gegenteil. Die vermeintlich bahnbrechende Sensation entwickelte über die Jahre zwar einen gewissen Kultcharakter, entpuppte sich letztlich aber als grosser Flop. Nun hat der einst als futuristisch geltende Stehroller ausgedient. Am 15. Juli beendet der chinesische Mutterkonzern Segway-Ninebot die Produktion des Segway Personal Transporters.

Was ist passiert?

«Wir haben die schwierige Entscheidung getroffen, den Segway PT einzustellen», sagt Segway-Managerin Judy Cai. Die Corona-Pandemie habe Verkauf und Fertigung zuletzt zusätzlich belastet, doch das sei nicht der Hauptgrund für den Schritt, räumt sie ein. «In den vergangenen Jahren haben wir eine Übersättigung des Marktes gesehen.»

Klartext: Es gibt keine Nachfrage mehr. Das Fortbewegungsmittel, das Benutzer durch Gewichtsverlagerung im Stehen steuern, mache nur noch 1.5 Prozent des Umsatzes aus. Der Fokus des Unternehmens liegt ohnehin auf anderen Produkten wie E-Scootern, Quads oder Robotern.

So fing es an

Dass es einmal so kommen würde, hätte sich Segway-Gründer Kamen bei der Präsentation seiner Weltneuheit im Dezember 2001 in New York wohl nicht träumen lassen. Der US-Erfinder hatte damals bereits etliche andere spektakuläre Innovationen auf seinem Konto – etwa ein Dialyse-Gerät im Aktentaschenformat, eine tragbare Insulin-Pumpe und einen Rollstuhl, der Treppen hinauf und herunter klettern kann.

Mehr als ein Jahr lang fachte er die Spannung auf sein neuestes Projekt an. Es wurde spekuliert, was das Zeug hält – vom wasserstoffbetriebenen Luftkissenboot bis hin zur Supertoilette: Nichts schien unmöglich.

Steve Jobs und Jeff Bezos trugen zum Hype bei

Auch als das Rätselraten dann endlich ein Ende hatte und das unter Codenamen wie «Ginger» oder «IT» entwickelte Produkt endlich vorgestellt wurde, ebbte die Euphorie zunächst nicht ab. Ähnlich wie Tesla-Chef Elon Musk heutzutage nutzte Kamen die Medien clever, um die Werbetrommel zu rühren. So klapperte er mit seiner – damals noch Segway Human Transporter genannten – Errungenschaft Talkshows und Presse-Events ab.

Auch Tech-Gurus wie Apple-Mitgründer Steve Jobs und Amazon-Chef Jeff Bezos, die vorab Einblicke erhalten hatten, trugen einen Teil zum Hype bei. Bei der Versteigerung der ersten Segways im Februar 2002, wurden mehr als 100 000 US-Dollar geboten.

Wie viele wurden verkauft?

Aber die Erfindung schaffte es nie, bei der breiten Masse Anklang zu finden. Letztlich wurden keine Millionen, sondern nur rund 140'000 Segways verkauft. Wenige waren bereit, Tausende Dollar oder Euro für ein relativ schwerfälliges und unelegantes Vehikel zu berappen, mit dem man nicht schneller vorankommt als mit dem Fahrrad.

So fristet der Segway bis heute ein Nischendasein als skurriles Fortbewegungsmittel für bürgernahe Polizisten, Sicherheitsdienste in Einkaufszentren oder gehfaule Touristen. Zudem gibt es Promi-Fans wie Apple-Mitgründer Steve Wozniak, der eine Leidenschaft für Segway-Polo pflegt.

George Bush als Sturzpilot

Auch wenn sich das Unternehmen bis heute rühmt, einer ganzen Produktkategorie von Hoverboards bis hin zu Onewheel-Skateboards den Weg geebnet zu haben, war die Geschichte des Segway eher von Pleiten, Pech und Pannen geprägt. Als der frühere US-Präsident George W. Bush sich 2003 als Trendsetter mit dem Segway erweisen wollte, verlor er beim Anfahren das Gleichgewicht und fiel vorne über.

Das «Time»-Magazin eröffnete 2010 seine Liste der «50 schlechtesten Erfindungen» mit dem Gerät, das eigentlich als revolutionäres alternatives Verkehrsmittel das Auto in den Städten ersetzen sollte.

Dass es auch geschäftlich nicht sonderlich gut lief, liegt auf der Hand. Im Dezember 2009 kaufte der britische Multimillionär Jimi Heselden die damals schon recht erfolglose Firma, tragischerweise stürzte er weniger als ein Jahr später mit einem Segway über eine Klippe in den Tod.

Die Firma wurde 2013 von Heseldens Familienstiftung an den US-Investor Summit Strategic Investments weitergereicht, 2015 übernahm das chinesische Start-up Ninebot. Das zieht jetzt zwar den Stecker, hat aber keine Pläne, das Segway-Werk im US-Bundesstaat New Hampshire zu schliessen oder zu verkaufen.

(sda/awp/dpa)

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19Alle Kommentare anzeigen
    Alle Leser-Kommentare
  • Zeit_Genosse 14.07.2020 17:53
    Highlight Highlight Die anfangs revolutionäre Technik verblüffte wurde letztlich von einer hoch bezahlten Untauglichkeit abgelöst. In den USA, wo die Fussgängerdistanzen grösser sind, hätte sich das Gerät für Sicherheitskräfte von grösseren Infrastrukturen, Parkingwächter, usw. durchsetzen sollen. Einkaufen geht nicht praktisch. Sie waren eine Spielerlei und einige Tourismusdirektoren fühlten sich damit Hip im Angebot. Bei uns fehlt der Nutzen gänzlich. Mal sehen wie weit es die E Scooter schaffen.
  • insert_brain_here 14.07.2020 11:35
    Highlight Highlight Der Segway hat sich nicht durchgesetzt weil er schlicht unpratkisch ist. Von den erwähnten Nischenanwendungen abgesehen gibt es keinen einzigen Einsatzbereich in dem er anderen Fortbewegungsmitteln nicht hoffnungslos unterlegen ist.
  • Tschowanni 14.07.2020 09:21
    Highlight Highlight Mag sein das der Segway jetzt nicht das Nonplusultra war, aber die Technik darin war und ist es definitiv
  • Firefly 14.07.2020 08:41
    Highlight Highlight Gut. Ich habe die übrigens immer nur im Rudel gesehen. Man schien das nur gemeinsam ertragen zu können.
  • Repplyfire 14.07.2020 08:39
    Highlight Highlight "Dass es auch geschäftlich nicht sonderlich gut lief, liegt auf der Hand. Im Dezember 2009 kaufte der britische Multimillionär Jimi Heselden die damals schon recht erfolglose Firma, tragischerweise stürzte er weniger als ein Jahr später mit einem Segway über eine Klippe in den Tod."

    Das ist aber einer für den Fail Dienstag. Oder den Black Fail Tuesday (sagt man dem noch so)?
  • Rosskastanie 14.07.2020 08:17
    Highlight Highlight Da hat ja ein Rollator noch mehr Sexappeal.....ich musste immer lachen, in unserer Gegend hat es einen Tourenanbieter gegeben: Schutzweste und Velohelm Pflicht...😊...und ich dachte immer, tiefer als PS-Protzer kann man nicht sinken...
    • insert_brain_here 14.07.2020 11:38
      Highlight Highlight Ein ehemaliger Arbeitnehmer fand es mal eine grossartige Idee auf dem Firmenausflug eine Segway-Tour zu machen, man hab ich mich geschämt auf dem Ding...
  • Peter Vogel 14.07.2020 08:12
    Highlight Highlight Preis / Leistung hat nie gestimmt. Tausende von Franken für ein Gerät, das weit weniger praktisch ist als gedacht.
  • reactor 14.07.2020 08:05
    Highlight Highlight Was schade ist, ich kenne zwei mit, sehr teuren, Segway Rollstühlen. Die haben sich wegen dem Preis nicht durchgesetzt, aber für den Benutzer, die Benutzerin war es fast eine Revolution in der Fortbewegung. Beim ersten Hinsehen fand ich es fast unglaublich, einen zweirädrigen Rollstuhl. Sie sind schnell und unglaublich wendig.
    • Ritiker K. 14.07.2020 10:41
      Highlight Highlight Wie im Bericht steht: Am 15. Juli beendet der chinesische Mutterkonzern Segway-Ninebot die Produktion des Segway Personal Transporters. […]Der Fokus des Unternehmens liegt ohnehin auf anderen Produkten wie E-Scootern, Quads oder Robotern.

      Der Personal Transporter ist das Ding zu draufstehen, also gehe ich davon aus, dass die Produktion der Rollstühle nicht eingestellt wird.
  • Glenn Quagmire 14.07.2020 07:55
    Highlight Highlight Zu gross, zu teuer. Dann lieber E-Scooter.
    • winglet55 14.07.2020 09:43
      Highlight Highlight und mit dem E-Scooter sieht Mann auch lächerlich aus.
    • MartinZH 14.07.2020 10:54
      Highlight Highlight @winglet55: Auch Frau.
    • insert_brain_here 14.07.2020 11:44
      Highlight Highlight Der E-Scooter ist immerhin praktisch, man kann damit zum Bahnhof flitzen und ihn mit in den Zug nehmen, am Arbeitsplatz findet sich bestimmt eine Ecke mit einer Steckdose. Versuch das mal mit einem Segway 😂
    Weitere Antworten anzeigen
  • Howard271 14.07.2020 07:54
    Highlight Highlight Die Vorteile von Autos sind der Komfort, der Platz (mehrere Leute/Familie oder Gepäck), die Wetterfestigkeit, das Tempo und dass es auch von körperlich eingeschränkten und/oder älteren Personen gebraucht werden kann. Solange eine Alternative da nicht mithalten kann, wird es sich wohl (leider?) nicnt so schnell verdrängen lassen.
  • Klarname 14.07.2020 07:53
    Highlight Highlight Good riddance! Dem SUV unter den Rollern, welcher zudem als Nebenwirkung Augenkrebs veruracht, dürften zurecht nicht viele nachtrauern.
  • AFK 14.07.2020 07:33
    Highlight Highlight Für Fussgängerzonen zu schnell und klobig, für Strasse zu langsam und gefährlich. Auto's werden in der Stadt besser durch e-Bikes ersetzt.
    • fant 14.07.2020 08:38
      Highlight Highlight Naja: Nur für in der Stadt sind auch schon EBikes Overkill. Ist aus meiner Sicht erst sinnvoll, wenn man regelmässig länger als 20min am Stück (bzw weiter als 5km) fährt. Für weniger reicht ein normales Velo (medizinische Gründe - ausser elementare Faulheit - ausgenommen).

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