International
ÖV

DB-Sicherheitsmann stürzt nach Streit aus fahrendem Zug

DB-Sicherheitsmann stürzt nach Streit bei Ticket-Kontrolle aus fahrendem Zug

Ein Sicherheitsmitarbeiter der Deutschen Bahn ist bei einer gewaltsamen Auseinandersetzung aus einem fahrenden Zug gestürzt und lebensgefährlich verletzt worden.
18.07.2026, 09:5718.07.2026, 15:05

Der Vorfall schockiert und weckt Erinnerungen an jüngste Angriffe auf Personal der Bahn - ein Sicherheitsmitarbeiter der Deutschen Bahn ist nach einer gewaltsamen Auseinandersetzung mit einem 36-Jährigen aus einem fahrenden Zug gestürzt und in kritischem Zustand. Angaben der Staatsanwaltschaft zufolge war der 26-Jährige bei voller Fahrt des Regionalzuges aus einer sich öffnenden Tür gefallen. Demnach war der Regionalzug mit etwa 120 km/h unterwegs, als es zu dem lebensgefährlichen Sturz kam.

Ob im Laufe des Tages noch Haftbefehl gegen den 36-Jährigen beantragt oder erlassen wird, blieb zunächst unklar. Er war noch am Freitagabend direkt nach den Geschehnissen vorläufig festgenommen worden und ist derzeit in Polizeigewahrsam.

epa12664389 Railway security staff and police officers keep watch at the main railway station in Berlin, Germany, 20 January 2026. German railway operator Deutsche Bahn (DB) has launched an 'imme ...
Ein Sicherheitsmitarbeiter geriet in einen gewaltsamen Streit. (Symbolbild)Bild: keystone

Tür aus Verankerung gerissen

Der 36-Jährige soll betrunken gewesen sein, als er am Freitag zuerst in eine Ticketkontrolle geriet und es zunächst zu einem verbalen Schlagabtausch kam. Dann wurden zwei Sicherheitsmitarbeiter hinzugezogen. Nach Beleidigungen in ihre Richtung eskalierte der Streit weiter, es kam zu Tätlichkeiten, wie es weiter hiess.

Der 26-Jährige stürzte dann in der Folge heftig gegen die Tür, die bisherigen Erkenntnissen zufolge aus der Verankerung gerissen wurde und sich öffnete. Der Sicherheitsmann fiel nach draussen. Der Zug stoppte daraufhin ausserplanmässig - ob es sich um eine Notbremsung gehandelt hatte, ist unklar. Wenig später wurde der Mann schwerst verletzt gefunden und ins Krankenhaus gebracht.

Wie konnte die Tür sich öffnen?

Zu den technischen Hintergründen - also warum die Tür aus der Verankerung sprang - war zunächst nichts zu erfahren. Die Bahn wollte sich dazu auf Anfrage nicht äussern, ebenso wenig dazu, ob es sich bei dem Zug um ein möglicherweise schon älteres Modell gehandelt hatte.

Der Zug, der auf dem Weg von Offenburg nach Karlsruhe gewesen war, ist nach Worten der Staatsanwaltschaft beschlagnahmt und wird untersucht. Ausserdem würden Zeugen befragt und es werde auch geprüft, ob es Videoaufnahmen von den Geschehnissen gebe. Der Fahrgast war noch am Abend festgenommen worden.

Vor verhängnisvollem Sturz Polizei alarmiert

Zuvor hatten die DB-Sicherheitsmänner schon die Polizei alarmiert, die beim nächsten Stopp des Zuges hätten zusteigen sollen. Dazu kam es aber nicht mehr - der Streit war da bereits eskaliert. Der 26-Jährige stürzte auf Höhe von Ettlingen-Bruchhausen aus dem Zug. Man ermittele mit Hochdruck, sagte der Sprecher der Staatsanwaltschaft.

Bahn verurteilt Attacke

Die Bahn äusserte sich betroffen. «Wir verurteilen den Angriff am gestrigen Abend in einer Regionalbahn aufs Schärfste», sagte eine Bahnsprecherin. «Unsere Gedanken sind bei dem Verletzten.»

Der schreckliche Vorfall zeige erneut auf dramatische Weise, «dass verbale und körperliche Übergriffe auf das Zugpersonal eine neue, lebensgefährliche Dimension erreicht haben», sagte Manuel Amberger, Landesvorsitzender der Eisenbahn- und Verkehrsgewerkschaft (EVG). «Dass erneut einer unserer Kollegen nach einer einfachen Fahrkartenkontrolle im Krankenhaus um sein Leben ringen muss, macht uns fassungslos und wütend.» (hkl/sda/dpa)

DANKE FÜR DIE ♥
Würdest du gerne watson und unseren Journalismus unterstützen? Mehr erfahren
(Du wirst umgeleitet, um die Zahlung abzuschliessen.)
5 CHF
15 CHF
25 CHF
Anderer
Oder unterstütze uns per Banküberweisung.
Das könnte dich auch noch interessieren:
Du hast uns was zu sagen?
Hast du einen relevanten Input oder hast du einen Fehler entdeckt? Du kannst uns dein Anliegen gerne via Formular übermitteln.
72 Kommentare
Weil wir die Kommentar-Debatten weiterhin persönlich moderieren möchten, sehen wir uns gezwungen, die Kommentarfunktion 24 Stunden nach Publikation einer Story zu schliessen. Vielen Dank für dein Verständnis!
Die beliebtesten Kommentare
avatar
wicki74
18.07.2026 10:52registriert August 2018
Beängstigend ist nicht, ob er nun durch die Tür oder das Fenster gefallen ist, sondern der - auch in der Schweiz - sinkende Respekt vor dem Banpersonal und die zunehmende Gewaltbereitschaft, von Schwarzfahrern, die sich wohl noch irgendwie im Recht dazu sehen.
10314
Melden
Zum Kommentar
avatar
Raki
18.07.2026 10:51registriert Januar 2024
Nur harte Strafen können abschrecken. Zu lange hat man ständig versucht das Verhalten der Gewalttäter zu relativieren und aus deren Sicht zu erklären. Es ist für das Opfer irrelevant, ob der Täter besoffen war, eine schwierige Kindheit hat oder traumatisiert wurde. Das Opfer und der dem Opfer zugefügte Schaden muss im Mittelpunkt stehen bei der Bemessung des Strafmasses, nicht die soziale Herkunft oder psychische Verfassung des Täters. Bitte endlich die Opfer in den Vordergrund stellen und das Relativieren der Taten beenden, sonst kippt es irgendwann und die Rechten haben mehr Zulauf.
9120
Melden
Zum Kommentar
avatar
Tschowanni
18.07.2026 11:10registriert Oktober 2015
Echt übel und tragisch. Ich frage mich aber auch wie es möglich ist, dass sich bei einem fahrenden Zug Türen öffnen lassen?
5911
Melden
Zum Kommentar
72
Influencer in Mexiko während Livestream getötet
In Mexiko ist im von Gewalt geprägten Bundesstaat Sinaloa ein Influencer vor laufender Kamera auf der Strasse getötet worden. Bewaffnete hätten in der Stadt Culiacán gezielt auf César Gastélum geschossen, teilten die Sicherheitsbehörden mit. Die Ermittlungen liefen, um die Verantwortlichen festzunehmen und die Hintergründe zu klären, sagte Präsidentin Claudia Sheinbaum.
Zur Story