Ursache für das deutsche Bahn-Chaos: Das ist das GSM-R-System
Das Zugchaos bei der Bahn am Dienstagabend wurde nach Angaben des Unternehmens durch eine Störung im Bahnfunk ausgelöst. Dieser baut auf dem System GSM-R (Global System for Mobile Communications – Railway) auf, einem speziell für den Eisenbahnverkehr entwickelten digitalen Mobilfunksystem. Es wurde Mitte der 2000er-Jahre eingeführt und löste die analogen Funkverbindungen ab.
Es basiert auf dem GSM-Standard des Mobilfunks, wurde jedoch an die besonderen Anforderungen des Bahnbetriebs angepasst. Über GSM-R kommunizieren Lokführer, Fahrdienstleiter und andere Betriebsstellen miteinander.
Was bringt das?
Das System ermöglicht nicht nur Sprachverbindungen, sondern auch Gruppen- und Notrufe sowie die Übertragung von Daten für moderne Zugsicherungssysteme wie das European Train Control System (ETCS).
Der digitale GSM-R-Zugfunk bietet laut der Bahngesellschaft DB InfraGO zahlreiche Vorteile für den Bahnbetrieb. Er ermöglicht eine die Kommunikation zwischen den beteiligten Mitarbeitenden und gewährleistet «ein hohes Mass an Sicherheit», da das System unabhängig von öffentlichen Mobilfunknetzen arbeitet und nicht durch diese beeinflusst werden kann.
Zudem sorgen abgestufte Prioritäten bei den einzelnen Verbindungen dafür, dass Leitungs- und Funkkapazitäten insbesondere für Notrufe jederzeit verfügbar bleiben.
In zahlreichen Ländern eingesetzt
Für den sicheren Bahnbetrieb ist GSM-R von zentraler Bedeutung, da viele betriebliche Abläufe auf einer zuverlässigen Kommunikation zwischen den Beteiligten beruhen.
Fällt das System aus, können Lokführer und Fahrdienstleiter wichtige Informationen nicht mehr oder nur eingeschränkt austauschen. Aus Sicherheitsgründen muss der Zugverkehr in solchen Fällen häufig verlangsamt, eingeschränkt oder sogar vorübergehend eingestellt werden. Das geschah am Dienstag, alle Züge wurden zunächst kurz angehalten, dann durften einige in Bahnhöfe fahren.
GSM-R wird weltweit in zahlreichen Ländern eingesetzt, darunter auch die Schweiz, und bildet eine wesentliche Grundlage für den grenzüberschreitenden Bahnverkehr.
Langfristig soll es durch das modernere Kommunikationssystem FRMCS (Future Railway Mobile Communication System) ersetzt werden, das auf Technologien der nächsten Mobilfunkgeneration – Stichwort 5G – basiert.

