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epa04647327 A photograph made available 04 March 2015 shows a tank used by Boko Haram Islamic militants captured by Nigerian troops at Uba, North East Nigeria, 01 March 2015. The Nigerian military have been working in conjunction with neighbouring West Arican countries to contain the wave of attacks by Boko Haram Islamic militants in the North East of Africa's most populous country where Boko Haram have been conducting acts of terror for the past five years.  EPA/HENRY IKECHUKWU

Boko Haram wie der IS setzen schweres Gerät im Namen des Kalifats ein – generell nehmen die Gemeinsamkeiten zu. Bild: HENRY IKECHUKWU/EPA/KEYSTONE

Kooperation trotz 4000 Km Distanz

Brüder im Geiste: Wie Boko Haram vom IS profitiert – und umgekehrt

4000 Kilometer trennen die Herrschaftsgebiete von Boko Haram und IS-Miliz: Trotzdem kooperieren die Terrorgruppen. Der «Islamische Staat» hilft bei der Propaganda - profitiert aber auch von der Zusammenarbeit. 

Raniah Salloum



Ein Artikel von

Spiegel Online

Seit diesem Januar sehen die Propagandavideos von Boko Haram plötzlich anders aus. Die afrikanische Terrorgruppe verbreitet keine amateurhaften, wackeligen Aufnahmen mehr. Stattdessen setzt sie auf professionelle Inszenierungen, scharfe Bilder, gefilmt von mehreren Kameramännern. Der Look erinnert stark an die Videos des «Islamischen Staates» (IS). Ein Zufall ist das nicht, sondern vielmehr das Ergebnis einer Kooperation zwischen den Milizen.

Unterlegt werden die Bilder von islamistischen Kampfhymnen, am Bildrand prangt oft sogar die IS-Flagge als Medienlogo. Es zeigt sich: Zwar haben beide Dschihadistengruppen ein Kalifat ausgerufen, doch von Rivalität ist nichts zu spüren. Zumindest wenn es um die Propaganda geht, holt sich Boko Haram Hilfe beim «Islamischen Staat».

A Chadian soldier peers into a burnt armoured vehicle, which the Chadian military say belonged to insurgent group Boko Haram, after the Chadians destroyed it during battle in Gambaru, February 26, 2015.  According to the Chadian military, Boko Haram had initially taken the vehicle from the Nigerian military. Niger, Cameroon and Chad have launched a regional military campaign to help Nigeria defeat the Boko Haram insurgency, which aims to carve an Islamic emirate out of northeastern Nigeria. Picture taken February 26, 2015.   REUTERS/Emmanuel Braun (NIGERIA - Tags: POLITICS CIVIL UNREST MILITARY TPX IMAGES OF THE DAY CONFLICT)

Panzerfahrzeug mit aufgepinselter Dschihadfahne: Ein tschadischer Soldat begutachtet zerstörtes Boko-Haram-Kriegsgerät. Bild: STRINGER/REUTERS

Auch bei der Verbreitung ist der IS behilflich: So werden die neuen Boko-Haram-Clips von IS-Anhängern in sozialen Netzwerken geteilt. Zudem sendete eine inzwischen stillgelegte arabische IS-Medienseite mit mehreren TV-Kanälen im Januar die Videos aus Afrika.

In die Quere kommen sich die Gruppen nicht: Der IS ist vor allem eine irakisch-syrische Organisation. Boko Haram terrorisiert Nigeria und zunehmend auch das Nachbarland Kamerun. Zwischen beiden Einflussgebieten liegen rund 4000 Kilometer Luftlinie.

Opportunistisch wechselt Boko Haram die Seiten

Wer genau die Zusammenarbeit zwischen Boko Haram und dem IS koordiniert, ist unklar. Beide Gruppen gelten als stark dezentralisiert. Es ist jedoch wahrscheinlich, dass die IS-Hilfe von ganz oben abgesegnet wurde. Offizielle IS-Propaganda-Seiten führen Nigeria als eines der Länder auf, in denen sich eine nicht näher genannte Gruppe dem «Islamischen Staat» angeschlossen habe. Dabei dürfte es sich um Boko Haram handeln.

Deren Anführer Abubakar Shekau hat bereits im Juli 2014 dem IS-Chef Abu Bakr al-Baghdadi die Treue geschworen. Bestehende Kooperationen interessierten dabei offenbar wenig: Schliesslich hatte Shekau 2012 noch der Zentralführung von al-Qaida seine Unterstützung erklärt. Diese hatte sich 2014 mit dem IS öffentlich überworfen. Seitdem konkurrieren die Gruppen.

FILE - In this Sept. 21, 2012 file photo, Libyan followers of Ansar al-Shariah Brigades and other Islamic militias, hold a demonstration against a film and a cartoon denigrating the Prophet Muhammad in Benghazi.  How rooted in Islam is the ideology embraced by the Islamic State group that has inspired so many to fight and die? The group has assumed the mantle of Islam's earliest years, claiming to recreate the conquests and rule of the Prophet Muhammad and his successors. But in reality its ideology is a virulent vision all its own, one that its adherents have plucked from centuries of traditions. (AP Photo, File)

Wichtiger Ableger: Anhänger der Islamistengruppe Ansar Al-Scharia in Libyen, die IS-Anführer Bagdadi unlängst die Treue schworen. Bild: Uncredited/AP/KEYSTONE

Für Shekau bringt das Bekenntnis zum «Islamischen Staat» klare Vorteile: Boko Haram besteht aus mehreren Faktionen. Shekau ist eigentlich nur einer von zahlreichen Anführern der Terrorsekte - wenn auch der bekannteste: Immer wieder schockiert er mit Massenentführungen und Hinrichtungen. Im Machtkampf mit seinen Dschihad-Rivalen in Nigeria kann er die PR durch die Zusammenarbeit mit den irakisch-syrischen Terroristen gut brauchen.

Ständig neue Gruppen schwören dem IS-Chef ihre Treue

Auch in anderen Ländern, wo mehrere radikalislamistische Milizen untereinander um Unterstützer ringen, ist diese Tendenz zu beobachten: Immer mehr Gruppen erklären dem IS ihre Treue.

Häufig gehen die Kontakte zum IS nicht über den Treueschwur hinaus. Doch das Beispiel Nigeria zeigt, dass daraus mit der Zeit eine echte Kooperation werden kann.

Für beide Seiten ist eine solche Zusammenarbeit ein Gewinn: Die kleineren Milizen wirken eindrucksvoller, wenn sie sich mit dem IS verbünden. Sie profitieren vom Image des «Islamischen Staats» als machtvoller Organisation. Der IS wiederum kann sich brüsten, einem internationalen Netzwerk vorzustehen. Mehrere Länder, in denen eine Gruppe dem IS-Chef Baghdadi ihre Treue geschworen hat, wurden kurzerhand zu Provinzen erklärt.

Selbst, wenn der IS dort gar keinen echten Einfluss hat.

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