Sektenführer nach Tod von über 400 Menschen schuldig gesprochen
Ein Gericht in der Hafenstadt Mombasa hat den Sektenführer Paul Nthenge Mackenzie am Montag wegen Mordes in 191 Fällen verurteilt, wie die NZZ berichtet. Mit ihm wurden 28 weitere führende Mitglieder seiner Kirche schuldig gesprochen. Das Strafmass soll im November bekannt gegeben werden.
Im Frühjahr 2023 wurden mehr als 400 Leichen aus Massengräbern im Shakahola-Wald geborgen. Fast die Hälfte der Opfer waren Kinder, manche erst wenige Wochen alt.
Vom Taxifahrer zum Sektenführer
Mackenzie arbeitete in den 1990er-Jahren zunächst als Taxifahrer im Küstenort Malindi. 2003 gründete er die Good News International Church und baute sich mit Predigten und einer eigenen Fernsehstation eine grosse Anhängerschaft auf.
Seine Botschaften wurden zunehmend radikaler. Mackenzie verteufelte Schulbildung und Impfungen, warnte vor einer nahenden Apokalypse und behauptete, direkt mit Gott sprechen zu können.
Nach mehreren Konflikten mit den Behörden schloss er seine Kirche in Malindi und zog mit Hunderten Anhängern in den abgelegenen Shakahola-Wald.
Kinder sollten zuerst sterben
Dort legte Mackenzie den Tag des Jüngsten Gerichts auf den 15. April 2026 fest. Bis dahin sollten sich seine Anhänger zu Tode fasten, um Jesus zu begegnen. Zuerst sollten die Kinder sterben, danach die Frauen und zuletzt die Männer.
2023 stiessen Viehhirten auf völlig abgemagerte Kinder. Kurz darauf schlugen Angehörige Vermisster Alarm. Polizei und Menschenrechtsaktivisten entdeckten im Wald schliesslich Leichen, Massengräber und ausgehungerte Überlebende.
Die Ermittlungen ergaben zudem, dass nicht alle Opfer verhungert waren. Einige waren erschlagen oder erwürgt worden. Bewaffnete Wächter sollen Mitglieder daran gehindert haben, die Gemeinschaft zu verlassen. Überlebende Frauen berichteten zudem von Vergewaltigungen.
Behörden seit Jahren gewarnt
Besonders brisant ist, dass Mackenzie schon Jahre zuvor ins Visier der Behörden geraten war. 2017 wurde er festgenommen, nachdem auf dem Gelände seiner Kirche Kinder gefunden worden waren, die nicht zur Schule gehen durften. 2019 folgte eine weitere Festnahme wegen Problemen mit seiner Fernsehstation. Beide Male kam er wieder frei.
Nach Bekanntwerden des Massakers gerieten deshalb auch die kenyanischen Behörden stark unter Druck. Die nationale Menschenrechtskommission kam zum Schluss, dass Mackenzie bereits Jahre zuvor hätte gestoppt werden müssen.
Schuldig fühlt sich der frühere Pastor bis heute nicht. Dem «New Yorker» sagte er 2024:
(mke)
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