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Sektenführer nach Tod von über 400 Menschen schuldig gesprochen

MOMBASA, KENYA - OCTOBER 19: Self-proclaimed pastor Paul Mackenzie (R), leader of the Good News International Church accused of causing the deaths of more than 400 followers in a starvation cult, appe ...
Der selbsternannte Pastor Paul Mackenzie während der Urteilsverkündung.Bild: Anadolu

Sektenführer nach Tod von über 400 Menschen schuldig gesprochen

Mehr als 400 Menschen starben im kenyanischen Shakahola-Wald, nachdem ein Pastor ihnen den Tod durch Fasten als Weg zu Jesus versprochen hatte. Nun wurde Paul Nthenge Mackenzie wegen Mordes in 191 Fällen schuldig gesprochen.
21.10.2026, 04:2521.10.2026, 04:25

Ein Gericht in der Hafenstadt Mombasa hat den Sektenführer Paul Nthenge Mackenzie am Montag wegen Mordes in 191 Fällen verurteilt, wie die NZZ berichtet. Mit ihm wurden 28 weitere führende Mitglieder seiner Kirche schuldig gesprochen. Das Strafmass soll im November bekannt gegeben werden.

Im Frühjahr 2023 wurden mehr als 400 Leichen aus Massengräbern im Shakahola-Wald geborgen. Fast die Hälfte der Opfer waren Kinder, manche erst wenige Wochen alt.

Leichensäcke mit gefundenen Opfern.
Leichensäcke mit gefundenen Opfern.bild: keystone

Vom Taxifahrer zum Sektenführer

Mackenzie arbeitete in den 1990er-Jahren zunächst als Taxifahrer im Küstenort Malindi. 2003 gründete er die Good News International Church und baute sich mit Predigten und einer eigenen Fernsehstation eine grosse Anhängerschaft auf.

Seine Botschaften wurden zunehmend radikaler. Mackenzie verteufelte Schulbildung und Impfungen, warnte vor einer nahenden Apokalypse und behauptete, direkt mit Gott sprechen zu können.

Nach mehreren Konflikten mit den Behörden schloss er seine Kirche in Malindi und zog mit Hunderten Anhängern in den abgelegenen Shakahola-Wald.

Die Behörden sichten die Massengräber.
Die Behörden sichten die Massengräber.

Kinder sollten zuerst sterben

Dort legte Mackenzie den Tag des Jüngsten Gerichts auf den 15. April 2026 fest. Bis dahin sollten sich seine Anhänger zu Tode fasten, um Jesus zu begegnen. Zuerst sollten die Kinder sterben, danach die Frauen und zuletzt die Männer.

2023 stiessen Viehhirten auf völlig abgemagerte Kinder. Kurz darauf schlugen Angehörige Vermisster Alarm. Polizei und Menschenrechtsaktivisten entdeckten im Wald schliesslich Leichen, Massengräber und ausgehungerte Überlebende.

Die Ermittlungen ergaben zudem, dass nicht alle Opfer verhungert waren. Einige waren erschlagen oder erwürgt worden. Bewaffnete Wächter sollen Mitglieder daran gehindert haben, die Gemeinschaft zu verlassen. Überlebende Frauen berichteten zudem von Vergewaltigungen.

Beschuldigte werden zur Gerichtsverhandlung gebracht.
Beschuldigte werden zur Gerichtsverhandlung gebracht.bild: keystone

Behörden seit Jahren gewarnt

Besonders brisant ist, dass Mackenzie schon Jahre zuvor ins Visier der Behörden geraten war. 2017 wurde er festgenommen, nachdem auf dem Gelände seiner Kirche Kinder gefunden worden waren, die nicht zur Schule gehen durften. 2019 folgte eine weitere Festnahme wegen Problemen mit seiner Fernsehstation. Beide Male kam er wieder frei.

Nach Bekanntwerden des Massakers gerieten deshalb auch die kenyanischen Behörden stark unter Druck. Die nationale Menschenrechtskommission kam zum Schluss, dass Mackenzie bereits Jahre zuvor hätte gestoppt werden müssen.

Schuldig fühlt sich der frühere Pastor bis heute nicht. Dem «New Yorker» sagte er 2024:

«Ich habe nichts getan. Niemand hat getötet. Jesus hat es getan.»
Paul Nthenge Mackenzie

(mke)

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