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Attacke auf die Pressefreiheit

Woher kommt der Hass auf «Charlie Hebdo»?

Der tödliche Feuerüberfall auf die Redaktion von «Charlie Hebdo» war nicht der erste Anschlag gegen das französische Satiremagazin, das mit seinem prononcierten Eintreten für die Pressefreiheit immer wieder Islamisten und andere religiöse Eiferer erzürnte. 
07.01.2015, 15:5507.01.2015, 16:47
Eine der zahlreichen Mohammed-Karikaturen, für die mehrere Zeichner von «Charlie Hebdo» nun mit dem Leben bezahlten: Titelblatt des Satiremagazins im Januar 2013 (Ausschnitt). 
Eine der zahlreichen Mohammed-Karikaturen, für die mehrere Zeichner von «Charlie Hebdo» nun mit dem Leben bezahlten: Titelblatt des Satiremagazins im Januar 2013 (Ausschnitt). 

Noch weiss niemand, wer am 7. Januar 2015 auf der Redaktion der Satirezeitschrift «Charlie Hebdo» die Schüsse abfeuerte, die nach vorläufigen Berichten mindestens zwölf Menschen töteten. Das Motiv aber dürfte nach allem Ermessen klar sein: Hier fand eine tödliche Strafaktion statt, die zugleich als Warnung gemeint war.

Spätestens im März 2006 geriet das Blatt, das noch vehementer als beispielsweise das deutsche Satiremagazin «Titanic» die Grenzen der Pressefreiheit auslotete, auf den Radar der Islamisten: «Charlie Hebdo» war eine der wenigen Zeitschriften, die es wagten, die berühmt-berüchtigten Mohammed-Karikaturen der dänischen Zeitung «Jyllands Posten» nachzudrucken. Diese Aktion, die der damalige französische Präsident Jacques Chirac eine «offensichtliche Provokation» nannte, trug «Charlie Hebdo» eine Klage des Dachverbands französischer Muslime (UOIF) ein, die jedoch abgewiesen wurde. 

Keine Rücksicht auf religiöse Empfindlichkeiten

Die Redaktion des wöchentlich erscheinenden Satiremagazins nahm auch in der Folge keine Rücksicht auf religiöse Empfindlichkeiten – auch nicht von christlicher oder jüdischer Seite. Die Justiz schützte diesen provokativen Kurs: 2010 scheiterte auch die ultrakonservative katholische Organisation «Allgemeine Allianz gegen Rassismus und für Respekt der französischen und christlichen Identität» (Agrif) mit einer Klage gegen «Charlie Hebdo». 

Nach dem Brandanschlag: Chefredaktor «Charb» im November 2011 mit der Sonderausgabe «Charia Hebdo». 
Nach dem Brandanschlag: Chefredaktor «Charb» im November 2011 mit der Sonderausgabe «Charia Hebdo». Bild: AFP

Wie gefährlich die satirischen Angriffe auf den Propheten Mohammed waren, zeigte sich im November 2011, als ein nächtlicher Brandanschlag die Redaktionsräume von «Charlie Hebdo» verwüstete. Grund für die Attacke war mit hoher Wahrscheinlichkeit ein Sonderheft, das die Redaktion nach dem Wahlsieg der Islamisten in Tunesien angekündigt hatte. Es sollte unter dem Namen «Charia Hebdo» («Scharia Hebdo») erscheinen; als Gast-Chefredaktor fungierte angeblich Mohammed höchstpersönlich. Der Prophet war als Karikatur auf der Titelseite abgebildet; seine Drohung an die Leserschaft lautete: 

«Wenn Ihr Euch nicht totlacht, gibt es 100 Peitschenhiebe!»
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«Die Unantastbaren»

Der Anschlag führte zu einer Welle der Solidarität mit dem Satiremagazin, neben anderen verurteilte auch der Dachverband der Muslime den Angriff. Allerdings gab es auch andere Reaktionen: Der Internetprovider wollte die Website, die zeitgleich mit dem Anschlag gehackt worden war, nicht mehr aufschalten – es waren Morddrohungen eingegangen. Auch Facebook entfernte die «Charlie-Hebdo»-Seite nach zahlreichen Drohungen. 

«Man darf sich nicht lustig machen»:&nbsp;Das Titelbild «Die Unantastbaren 2»&nbsp;von «Charlie Hebdo» spielte auf den&nbsp;<a href="http://de.wikipedia.org/wiki/Ziemlich_beste_Freunde" target="_blank">erfolgreichen Film «Intouchables»</a>&nbsp;an.&nbsp;
«Man darf sich nicht lustig machen»: Das Titelbild «Die Unantastbaren 2» von «Charlie Hebdo» spielte auf den erfolgreichen Film «Intouchables» an. 

Als im September 2012 der islamfeindliche Film «Innocence of Muslims» Teile der islamischen Welt in Rage brachte, goss «Charlie Hebdo» Öl ins Feuer. Auf dem Titelblatt zeigte das Magazin einen Muslim im Rollstuhl, der von einem orthodoxen Juden geschoben wurde. Darüber stand der Titel «Intouchables 2» («Die Unantastbaren 2» – eine Anspielung auf einen beliebten Film). Muslimische und jüdische Verbände waren empört, doch Chefredaktor Charbonnier rechtfertigte die Veröffentlichung von neuen Mohammed-Karikaturen mit dem Hinweis auf die Pressefreiheit:

«Wir veröffentlichen Karikaturen über jeden und alles jede Woche. Wenn wir es aber mit dem Propheten machen, wird es Provokation genannt.»

«‹Charlie Hebdo› ist tot!»

Nur wenige Monate später, im Januar 2013, doppelte «Charlie Hebdo» nach: Unter dem Titel «La Vie de Mahomet» («Das Leben Mohammeds») veröffentlichte das Blatt eine Comic-Biographie des Propheten. Das Mullah-Regime in Teheran sah darin einen «Teil einer zionistischen Islamophobie-Kampagne» und protestierte erfolglos gegen die Veröffentlichung. 

«‹Charlie Hebdo› est mort!» («‹Charlie Hebdo› ist tot!»), soll einer der Attentäter am 7. Januar 2015 gerufen haben, als die Mörder den Tatort verliessen. Ob ihre Behauptung Tatsache wird, ist nicht abzusehen. Tot sind aber mit Sicherheit zwölf Menschen, darunter neben Chefredaktor «Charb» (Charbonnier) die Zeichner «Tignous» (Bernard Verlhac), «Wolinski» (Georges Wolinski) und «Cabu» (Jean Cabut) sowie der Wirtschaftsredaktor Bernard Maris. 

Ermordet:&nbsp;Bernard Verlhac («Tignous»), Stéphane Charbonnier («Charb»), Georges Wolinski («Wolinski») und Jean Cabut («Cabu»).&nbsp;
Ermordet: Bernard Verlhac («Tignous»), Stéphane Charbonnier («Charb»), Georges Wolinski («Wolinski») und Jean Cabut («Cabu»). Bild: TIM SOMERSET/YOAN VALAT/GUILLAUME HORCAJUELO/EPA/KEYSTONE
«Charlie Hebdo»
Die französische Satirezeitschrift, die wöchentlich mit einer Druckauflage von rund 140'000 Exemplaren erscheint, ging 1970 aus dem 1960 gegründeten Magazin «Hara-Kiri» hervor. 1981 stellte «Charlie Hebdo» sein Erscheinen ein, wurde aber 1992 wiederbelebt. 

07.01.2015: Schiesserei bei Satiremagazin «Charlie Hebdo»

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07.01.2015: Attentat auf die Redaktion der Satirezeitschrift «Charlie Hebdo»
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