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Charlie Hebdo

Hat Fernsehsender Leben von Pariser Supermarkt-Geiseln durch Live-Berichterstattung in Gefahr gebracht?

Hat Fernsehsender Leben von Pariser Supermarkt-Geiseln durch Live-Berichterstattung in Gefahr gebracht?

03.04.2015, 15:1603.04.2015, 15:44

Sechs Betroffene der Geiselnahme in einem jüdischen Supermarkt in Paris im Januar haben französische Medien wegen ihrer Berichterstattung verklagt. Die Kläger, die sich in einer Kühlkammer vor dem islamistischen Angreifer versteckt hatten, werfen unter anderem dem Nachrichtensender BFMTV vor, ihr Leben gefährdet zu haben.

BFMTV hatte während der Geiselnahme am 9. Januar berichtet, dass sich mehrere Menschen vor dem Islamisten Amédy Coulibaly in einer Kühlkammer des Supermarkts Hypercacher im Osten von Paris versteckt hielten. Der Anwalt der Kläger sagte, das Leben seiner Mandanten wäre gefährdet gewesen, «wenn Coulibaly in Echtzeit von der von BFMTV verbreiteten Nachricht erfahren hätte».

Das Leben eines Menschen in Gefahr zu bringen kann in Frankreich mit einem Jahr Haft und 15'000 Euro Geldstrafe geahndet werden. Nach Angaben aus Justizkreisen vom Freitag leitete die Pariser Staatsanwaltschaft am Mittwoch erste Ermittlungen ein. Die Liveberichterstattung von BFMTV wurde bereits am Tag der Geiselnahme von betroffenen Personen vor laufender Kamera kritisiert.

Hintergrund

Charlie Hebdo

Coulibaly hatte den jüdischen Supermarkt zwei Tage nach dem tödlichen Angriff auf die Satirezeitung «Charlie Hebdo» attackiert. Der Islamist, der die «Charlie Hebdo»-Angreifer kannte, tötete in dem Supermarkt vier Juden. Bereits am Tag vor der Geiselnahme hatte er eine Polizistin erschossen. 

Den Supermarkt attackierte er, während sich die «Charlie Hebdo»-Attentäter in einer Druckerei nördlich von Paris verschanzten. Die drei Islamisten wurden schliesslich bei Polizeieinsätzen getötet.

Die Berichterstattung französischer Medien über die Anschlagsserie mit zusammen 17 Todesopfern, die Fahndung nach den Islamisten und die Polizeieinsätze gegen die Männer wurden wiederholt kritisiert. So sprach die Rundfunkaufsicht CSA wegen 36 Verstössen gegen die Rundfunkbestimmungen Rügen aus.

Bemängelt wurde anderem, dass viele Sender live über den Zugriff der Sicherheitskräfte auf das Druckereigebäude berichteten, in dem sich die beiden Attentäter verschanzt hatten, und so möglicherweise das Leben der Geiseln in dem jüdischen Supermarkt gefährdeten. (sda/afp)

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