International
Deutschland

Hauptverdächtiger nach tödlichem Angriff in Bad Oeynhausen in U-Haft

20-Jährigen zu Tode geprügelt – Hauptverdächtiger nach Angriff in Bad Oeynhausen in U-Haft

27.06.2024, 17:0427.06.2024, 21:33
Mehr «International»

Nach dem tödlichen Angriff auf einen 20-Jährigen im Kurpark von Bad Oeynhausen sitzt ein dringend Tatverdächtiger in Untersuchungshaft. Der 18-Jährige hat sich bislang nicht zum Tatvorwurf Totschlag und gefährliche Körperverletzung geäussert, teilten Polizei und Staatsanwaltschaft am Donnerstag gemeinsam mit.

Polizei Deutschland
Der 20-jährige Mann erlag nach dem Angriff seinen Verletzungen.Bild: Shutterstock

Laut den bisherigen Ermittlungen ging die Gewalt gegen das Opfer ausschliesslich von dem 20-Jährigen aus, der laut Mitteilung syrischer Staatsbürger ist und in Bad Oeynhausen wohnt. Er sei in der Vergangenheit bereits durch Gewalt-, Eigentums- und Betäubungsmittel-Delikte aufgefallen.

Zur Gruppe des Tatverdächtigen gehören auch mindestens drei weitere Deutsche im Alter von 18 Jahren. Die Zahl der an der Tat beteiligten Menschen und welche Straftaten noch passiert sind, sei noch Teil der laufenden Ermittlungen, teilten die Ermittlungsbehörden mit. Auch sei noch nicht abschliessend geklärt, was der Hintergrund und Auslöser des Streits war.

Die Obduktion des 20-Jährigen bestätigte die bisherigen Annahmen, dass der Mindener durch mehrere stumpfe Schläge und Tritte gegen den Kopf so schwer verletzt wurde, dass er später im Krankenhaus starb.

Zu der Attacke auf den 20-Jährigen und einen 19-jährigen Begleiter war es in der Nacht zum Sonntag gekommen. Die Polizei ruft weiterhin Zeugen auf, Fotos und Videos zur Verfügung zu stellen, auf denen möglicherweise Hinweise auf die Tat zu erkennen sind. In der Innenstadt gab es an dem Abend eine Schulabschlussfeier und eine Innenstadtparty. Nach Angaben eines Stadtsprechers war es deshalb zur Tatzeit sehr voll.

Nach der tödlichen Attacke ist die Betroffenheit in der Stadt gross. Menschen legten am Tatort zahlreiche Blumen nieder. Am Mittwochabend kamen dort rund 650 Menschen zu einer stillen Gedenkveranstaltung. Bürgermeister Lars Bökenkröger (CDU) hatte die Bevölkerung dazu aufgerufen.

«Ich freue mich, dass 650 Menschen aus Bad Oeynhausen und der Umgebung meinem Aufruf zu einem Stillen Gedenken für den getöteten 20-jährigen Philippos aus Minden gefolgt sind und wir damit ein Zeichen der Solidarität und Menschlichkeit in der Trauer setzen konnten», sagte Bökenkröger der Deutschen Presse-Agentur.

«Angesichts der Festnahme eines 18-jährigen Hauptverdächtigen mit Migrationshintergrund müssen wir jetzt eine offene und ehrliche Diskussion über die Konsequenzen aus diesem Vorfall führen», sagte der Bürgermeister. Das sei eine Aufgabe vor allem für die Bundes- und Landespolitik, aber auch eine Aufgabe für die gesamte Gesellschaft.

Gewalttat heizt politische Debatte an

Politiker forderten Konsequenzen für den 18-jährigen mutmasslichen Haupttäter. Nordrhein-Westfalens Ministerpräsident Hendrik Wüst (CDU) zeigte sich am Donnerstag betroffen von dem gewaltsamen Tod des jungen Mannes. «So sein Kind zu verlieren, seinen Bruder zu verlieren, das ist fast nicht auszuhalten», sagte Wüst vor Journalisten in Gelsenkirchen. «Dieser Täter muss einer gerechten Strafe zugeführt werden.» Deutschland müsse «besser werden darin, solche Intensivstraftäter, Gewaltstraftäter, die keine deutschen Staatsbürger sind, auch abzuschieben», sagte Wüst.

Die Gewalttat im ostwestfälischen Bad Oeynhausen heizte die politische Debatte über die Abschiebung von Schwerkriminellen in Länder wie Afghanistan oder Syrien weiter an. Der stellvertretende SPD-Bundestagsfraktionsvorsitzende Dirk Wiese sagte der Tageszeitung «Welt»: «Der Täter muss dafür mit aller Härte des Gesetzes zur Rechenschaft gezogen werden.» Wenn es stimme, dass es sich bei dem festgenommenen 18-Jährigen um einen Syrer handele, der zuvor auch straffällig geworden sei, müsse er nach Verbüssen seiner Strafe sofort abgeschoben werden, sagte Wiese schon am Nachmittag, bevor Polizei und Staatsanwaltschaft schliesslich die Nationalität bestätigten.

Der Bundestagspolitiker Klaus Ernst vom Bündnis Sahra Wagenknecht (BSW) bezeichnete die Gewalttat als «ein Sinnbild gescheiterter Migrations- und Integrationspolitik». Im Falle einer so schweren Straftat solle der Täter nun Deutschland verlassen müssen. Martin Hess, innenpolitischer Sprecher der AfD-Bundestagsfraktion, sprach von einem «staatlichen Totalversagen, das immer mehr Leben unschuldiger Bürger kostet». (saw/hkl/sda/dpa)

DANKE FÜR DIE ♥
Würdest du gerne watson und unseren Journalismus unterstützen? Mehr erfahren
(Du wirst umgeleitet, um die Zahlung abzuschliessen.)
5 CHF
15 CHF
25 CHF
Anderer
twint icon
Oder unterstütze uns per Banküberweisung.
Das könnte dich auch noch interessieren:
4 Kommentare
Weil wir die Kommentar-Debatten weiterhin persönlich moderieren möchten, sehen wir uns gezwungen, die Kommentarfunktion 24 Stunden nach Publikation einer Story zu schliessen. Vielen Dank für dein Verständnis!
4
Von der Leyen hat keinen Bock mehr auf Orban und ordnet Boykott gegen Ungarn an
EU-Kommissionspräsidentin Ursula von der Leyen reagiert mit einer Boykott-Entscheidung auf die Alleingänge von Ungarns Regierungschef Viktor Orbán in der Ukraine-Politik.

Die deutsche Spitzenpolitikerin liess ankündigen, dass an künftigen informellen Ministertreffen unter der Leitung der derzeitigen EU-Ratspräsidentschaft in Ungarn keine Kommissarinnen oder Kommissare, sondern nur ranghohe Beamte teilnehmen werden.

Zur Story