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Warum Google eine Mutterfirma gründet – 5 Fragen und Antworten zu «Alphabet»

Bild: AP/AP
11.08.2015, 04:5812.08.2015, 11:29

1. Was ist überhaupt passiert?

Google hat in der Nacht auf Dienstag angekündigt, die ganze Unternehmensstruktur umzukrempeln: Einzelne Google-Unternehmen werden aus Google ausgegliedert und operieren, neben Google, unter der neu gegründeten Mutterfirma Alphabet. Alles google klar?

In Kürze

Das bleibt Teil von Google:

  • Google Search
  • Google Advertising, also die Werbefenster
  • Google Maps
  • Google Apps 
  • YouTube
  • Android

Diese Unternehmen werden ausgegliedert und gehören neu (neben Google) zu Alphabet:

  • Calico (Biotech-Forschung)
  • Nest (Smart-Home-Produkte)
  • Fiber (High-Speed-Internet-Service)
  • Investitionsgeschäft
  • X-Lab (dazu gehört das selbstfahrende Google- Alphabet-Auto beispielsweise, oder der Drohnen-Lieferdienst)

CEO von Google wird der Inder Sundar Pichai. Die Google-Gründer Larry Page und Sergey Brin wechseln als CEO bzw. Präsident zu Alphabet. 

Aufgestiegen? Abgestiegen? Auf jeden Fall jetzt neuer CEO von Google: Sundar Pichai.
Aufgestiegen? Abgestiegen? Auf jeden Fall jetzt neuer CEO von Google: Sundar Pichai.Bild: Getty Images North America

2. Ok. Aber warum?

Google ist über die Jahre rasant gewachsen. Es sei deshalb nötig gewesen, einzelne Unternehmen (die sowieso nicht viel miteinander zu tun hätten) zu trennen, sodass diese sich selbständig entwickeln können, schreiben die Google- Alphabet-Gründer.

Mit dem Schritt soll auch mehr Transparenz geschaffen werden. «Es wurde immer schwieriger, die Kosten einiger Projekte unter Verschluss zu halten», sagte ein früherer Google-Manager dem «Wall Street Journal». Wenn künftig die Zahlen des Kerngeschäfts getrennt vom Rest aufgeführt werden, sollte das die Geldströme ein Stück weit offenlegen. 

Doch diese Transparenz hat auch Grenzen. Zum einen sollen die Finanzen der Alphabet-Töchter ausser Google weiter in einem grossen Klumpen präsentiert werden. Auffällig ist auch, dass YouTube mit mehr als einer Milliarde Nutzer kein eigenständiger Teil von Alphabet wird, sondern der neuen Tochter Google beigemischt bleibt – «ohne Zweifel, damit es nicht seine Umsätze enthüllen muss, die lange hinter den Analysten-Erwartungen zurückblieben», zeigte sich der gut vernetzte Branchendienst «The Information» überzeugt. 

Und was ist mit den Firmengrundsätzen? Skeptiker sind überzeugt, dass sich Alphabet von den Versprechen und der Philosophie von Google lossagen könnte. 

Das Nachrichtenportal Slate erklärt den Schritt hingegen damit, dass es Brin und Page wohl leid waren, sich für Projekte und Investitionen bei den Aktionären rechtfertigen zu müssen, die es lieber sahen, wenn das Unternehmen sich auf sein Kerngeschäft konzentrierte. Die erste Reaktion der Aktionäre war auf jeden Fall wohlwollend.

Laut Informationen von SRF3 stieg der Wert von Google über Nacht um ganze 28 Milliarden Dollar. 

3. Und was soll der Name?

«Wir mochten den Namen Alphabet weil es eine Sammlung von Buchstaben ist, also Sprache repräsentiert – eine der wichtigsten Errungenschaften der Menschheit und der Kern von Google Search», erklärt Page in der Ankündigung.

Alphabet ist auch ein Wortspiel_ «Alpha-bet» (etwa: «Alpha-Wette»). Die Webadresse der Holding lautet http://abc.xyz – und im Blogeintrag versteckt sich (hinter dem Satz mit den Drohnen) der Link zur Website einer Firma mit dem Namen «Hooli». So heisst ein fiktives Startup aus der Fernsehserie «Silicon Valley». Hooli bestehe aus einem Team aus XYZeniuses aus der ganzen Welt, inklusive Entwicklern von Facebook und «Imagineers» von Disney. Man arbeite an selbstfahrenden Autos, fliegenden Autos und selbstfliegenden Autos, scherzt Google auf der Webseite der fiktiven Firma.

Fun fact: In Deutschland sitzt Google in Hamburg übrigens schon seit langem in der ABC-Strasse.

Doch damit sind viele Fragen noch nicht geklärt: Was passiert mit all den anderen Unternehmen, die Alphabet heissen? Zum Beispiel Campbell's Alphabet Soup (unsere Buchstaben-Suppe)? Und was wird Twitter-Nutzer @alphabet mit seinem Account machen?

Aber Andrikanich wird wohl doch nicht reich. Alphabet hat einen eigenen Nutzernamen. 

4. Ändert sich etwas für mich?

Brin und Page versprechen, dass sich Google nun stärker auf sein Kerngeschäft konzentrieren könne, und den einzelnen Anwendungen mehr Aufmerksamkeit geschenkt werden könne. Grundsätzlich ändert sich für den gemeinen Internet-Nutzer aber nichts. 

Auf der anderen (also Alphabet-) Seite könnte die Loslösung von Calico (Googles Biotechnologiefirma) und Co. auch die Entwicklung dieser Unternehmen vorantreiben – Projekte, die uns alle irgendwann, irgendwie, betreffen könnten.

The Next Web zählt alle diese Bereiche auf – zum Beispiel «Sidewalk Labs»: Initiiert von Google-Gründer Larry Page will das Spin-Off die Lebensqualität von Städten erhöhen. So sind Investitionen in nachhaltige Projekte und Technologie, Transport, bezahlbaren Wohnraum und die Entwicklung von Grünräumen vorgesehen.

5. Wer ist der neue Google-CEO?

Aus dem Software-Maschinenraum an die Google-Spitze: Pichai trägt nun, mit 43 Jahren, die Verantwortung für das Web-Geschäft von Google, das den gesamten Konzern finanziert. Der Aufstieg von Sundar Pichai an die Google-Spitze schien schon lange nur ein Frage der Zeit. Erst bekam er vor knapp zweieinhalb Jahren die Verantwortung für das dominierende Smartphone-System Android übertragen und dann im vergangenen Herbst jene für fast das gesamte Online-Geschäft. 

Larry Page, im Hintergrund Sundar Pichai.
Larry Page, im Hintergrund Sundar Pichai.Bild: Jeff Chiu/AP/KEYSTONE

Page vertraut dem stets bedächtig auftretenden Top-Manager damit Googles Geldmaschine an, auf die das ganze Unternehmen angewiesen ist. 

Googles neuer CEO Sundar Pichai im Gespräch mit dem Tech-Magazin «The Verge».YouTube/The Verge

Pichai stammt aus dem südindischen Staat Tamil Nadu. In die USA kam er 1993 mit einem Stipendium für die kalifornische Elite-Uni Stanford, um Halbleiter-Physik zu studieren. Seine Eltern mussten in die Ersparnisse greifen, um für das Flugticket 1000 Dollar zusammenzukratzen. Es war mehr als ihr jährliches Einkommen, wie Pichai dem Magazin «Bloomberg Businessweek» erzählte. Zu Google kam Pichai vor gut einem Jahrzehnt. Er trat am 1. April 2004 an – dem Tag, an dem der E-Mail-Dienst des Internet-Konzerns gestartet wurde.

Seine erste Aufgabe war die Arbeit am Google-Suchfenster in Browsern wie Firefox oder Microsofts Internet Explorer. Pichais Vorschlag, Google sollte einen eigenen Browser entwickeln, überzeugte die Gründer – und der Erfolg von Chrome war seine Eintrittskarte in die Chefetage des Konzerns. 

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(dwi/sda/dpa/afp)

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