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Bandenkriminalität in Schweden Rapper C. Gambino wurde erschossen

Archive photo of swedish rapper C. Gambino that was awarded the Hiphop of the Year award at the Grammy Awards, in Stockholm Sweden on may 08, 2024. The rapper was shot to death in a parking garage in  ...
Im Mai freute sich C. Gambino noch über den schwedischen Grammis, jetzt ist er tot.Bild: www.imago-images.de

Bandenkriminalität in Schweden – das ist über den Mord an dem Rapper C. Gambino bekannt

Der schwedische Rapper C. Gambino wurde erschossen, seine Fans sind erschüttert. Der Mord ist kein Einzelfall: Die Landesregierung kämpft schon seit Jahren gegen die hohe Kriminalitätsrate an.
07.06.2024, 16:4807.06.2024, 16:48

Der Mord an einem bekannten Künstler sorgt in Schweden für Aufsehen: Der Rapper C. Gambino wurde am Dienstag in einem Vorort der Stadt Göteborg erschossen. Karar Ramadan, so hiess er mit bürgerlichem Namen, gehörte zu den erfolgreichsten Rappern des Landes und hat auf Spotify über eine Million monatliche Hörer.

Im Mai dieses Jahres wurde er bei den Grammis, dem wichtigsten Musikpreis Schwedens, als Hip-Hop-Künstler des Jahres ausgezeichnet. Besonders sein im Frühjahr veröffentlichtes zweites Album «In Memory Of Some Stand Up Guys» trug zu seiner Popularität bei.

Das ist der mutmassliche Tathergang

Nun trauern seine Fans um ihn, denn der 26 Jahre alte Rapper wurde nach Angaben der Polizei mit mindestens zwei Schusswunden in einer Garage im Norden Göteborgs gefunden. Offenbar konnte er selbst noch den Notruf 112 wählen. Doch im Spital erlag er seinen Verletzungen.

«Der oder die Schützen haben auf ihn gewartet», teilte ein Polizeisprecher mit. Weiter teilte er mit, dass der Musiker in der Gegend gewohnt habe. Nachdem Gambino sein Auto geparkt habe, wurde er erschossen. Laut Angaben der Polizei entkamen der oder die Täter in einem grauen Volvo.

Auf Fotos vom Tatort waren mehrere Einschusslöcher in einer Tür des Parkhauses in Hisingen bei Göteborg zu sehen.
Auf Fotos vom Tatort waren mehrere Einschusslöcher in einer Tür des Parkhauses in Hisingen bei Göteborg zu sehen.Bild: Imago

Die schwedische Polizei ermittelt nun wegen Mordes und vermutet, dass das Verbrechen im Zusammenhang mit einem in der Stadt vorherrschenden Bandenkrieg steht.

Denn der Rapper wohnte in dem Stadtteil – Hisingen –, der bekannt ist für seine hohe Kriminalitätsrate. Und: Nicht selten behandelte C. Gambino in seinen Liedtexten die Themen Drogen und Gewalt – was ebenfalls eine Nähe zu den Gangs suggeriere, wie einige Quellen vermuten.

Polizeistatistik: 363 Angriffe mit Schusswaffen

Vorfälle wie jener vom Dienstag sind in Schweden längst keine Aussergewöhnlichkeit mehr. Seit Längerem kämpft das Land vermehrt mit Bandengewalt und einer daraus resultierenden hohen Kriminalitätsrate.

Die Banden liefern sich blutige Auseinandersetzungen um die Kontrolle über den Drogen- und Waffenhandel – immer wieder kommt es dabei auch zu Racheakten. Wie watson bereits berichtete, hat sich der Bandenkrieg inzwischen aus berüchtigten Vororten ins Zentrum grosser Städte wie Stockholm, Göteborg und Malmö verlagert.

Fast jeden Tag gibt es Schüsse auf offener Strasse und Explosionen in Wohnhäusern. Zuletzt nahmen die tödlichen Schusswaffenangriffe dramatisch zu, unter den Opfern waren zudem vermehrt Minderjährige und Unbeteiligte. Im vergangenen Jahr wurden laut Polizeistatistik 363 Angriffe mit Schusswaffen gemeldet, bei denen 53 Menschen getötet wurden. Zudem gab es 149 Bombenanschläge.

Die Banden agieren skrupellos: Oft werden Jugendliche für Gewalttaten rekrutiert, da sie strafrechtlich nicht zur Verantwortung gezogen werden können. Einige der Täter sind erst zwölf Jahre alt.

epa11338743 Sweden's Prime Minister Ulf Kristersson holds a joint news conference with the German chancellor at Norrsken Foundation innovation centre in Stockholm, Sweden, 14 May 2024. EPA/Samuel ...
Wird angehalten, etwas gegen die Kriminalität zu unternehmen: Ulf Kristersson.Bild: keystone

Anfang April beispielsweise wurde in einem Vorort der schwedischen Hauptstadt Stockholm ein Vater am helllichten Tag vor den Augen seines Sohnes erschossen. Der Fall sorgte für Bestürzung. Schwedens Regierungschef Ulf Kristersson schrieb nachfolgend auf Instagram:

«Die systemgefährdende Kriminalität, die unser Land derzeit erlebt, hat brutale Folgen für unsere gesamte freie und offene Gesellschaft. Die Banden werden in ihrer Skrupellosigkeit nicht aufhören, bis wir sie gestoppt haben.»

Vorgehen gegen Banden

Im September 2023 kündete die schwedische Regierung an, dass die Polizei fortan stärker mit dem Militär zusammenarbeiten würde, um die Banden zu bekämpfen. Dieser Einsatz der Armee zur Kriminalitätsbekämpfung ist in Nordeuropa ein einzigartiger Vorgang. In den Strassen Stockholms patrouillieren aber keine Soldaten – die Zusammenarbeit zwischen Polizei und Armee soll sich zunächst auf Informationsbeschaffung und Überwachung von Kommunikation beschränken.

Am 1. Juni trat zudem ein neues Gesetz in Kraft, das der Polizei erlaubt, Menschen in bestimmten Zonen ohne Verdacht zu überprüfen, zu durchsuchen und festzuhalten.

Zudem setzt das Land nun vermehrt auf Prävention, damit sich nicht mehr Jugendliche diesen Banden anschliessen. So suchen etwa Sozialarbeiter das Gespräch mit den Jugendlichen und versuchen, ihnen zu vermitteln, dass sie für sie da seien, wenn sie Hilfe brauchen würden. (jub)

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