International
Food

Nestlé wehrt sich gegen Warnungen auf Junk-Food

Nestlé wehrt sich gegen Warnhinweise auf ungesundem Essen in Mexiko.
Nestlé wehrt sich gegen Warnhinweise auf ungesundem Essen in Mexiko.bild: shutterstock

Nestlé wehrt sich gegen Warnungen auf Junk-Food – mit offizieller Schweizer Hilfe

Über drei Viertel der Menschen in Mexiko sind übergewichtig. Trotzdem wehrt sich Nestlé gegen Warnhinweise auf ungesundem Essen. Wie interne Dokumente zeigen, unterstützt das Seco sie dabei.
03.07.2022, 15:1203.07.2022, 15:12

Laut einer Gesundheitsstudie aus dem Jahr 2020 grassiert in Mexiko das Übergewicht: 38 Prozent aller Kinder zwischen fünf bis elf Jahren und mehr als drei Viertel der Erwachsenen sind zu dick. Die Hälfte der Todesfälle und Erkrankungen sind auf die schlechte Ernährung zurückzuführen. Der stellvertretende Gesundheitsminister Hugo Lopez-Gatell hält sich gegenüber SRF nicht zurück: «Nationale und globale Wirtschaftsakteure sollten nicht die öffentliche Politik bestimmen.»

Denn: Als Gegenmassnahme beschloss die mexikanische Regierung, dass die Lebensmittelindustrie ihre Produkte klar kennzeichnen und mit einem Warnhinweis versehen muss, wenn sie viel Kalorien, Zucker und Fett enthalten.

Nestlé behindert Initiativen gegen Übergewicht

Multinationale Unternehmen, wie Nestlé, wehren sich durch Lobbyarbeit in der mexikanischen Politik gegen diese Massnahmen. Die Kennzeichnungen seien ein Handelshemmnis.

Das Unternehmen fordert nicht nur ihre Zulieferer in Mexiko auf, Druck auf die Regierung zu machen, sondern wendet sich auch an das Staatssekretariat für Wirtschaft Seco - und dieses handelt. Das Seco interveniert auf WTO-Ebene und im mexikanischen Gesetzgebungsverfahren. Der Mailverkehr zwischen dem Seco und Nestlé liegt SRF vor.

Übergewicht ist in Mexiko ein verbreitetes Problem: 77 Prozent der Bevölkerung sind zu dick, sagt das mexikanische Gesundheitsministerium.
Übergewicht ist in Mexiko ein verbreitetes Problem: 77 Prozent der Bevölkerung sind zu dick, sagt das mexikanische Gesundheitsministerium.bild: shutterstock

Das Schweizer Aussendepartement EDA reagiert überrascht über den Alleingang. Wie im E-Mail Austausch zwischen Seco und EDA steht, hätte eine offizielle Intervention des Seco nur in Zusammenarbeit mit allen betroffenen Schweizer Unternehmen erfolgen dürfen.

Das Seco nimmt Stellung

In der schriftlichen Stellungnahme des Seco heisst es: «Das Seco handelt nicht im Auftrag von Nestlé oder eines bestimmten Unternehmens. Als globales Unternehmen hat Nestlé Interessen in verschiedenen Ländern der Welt. Das Seco berücksichtigt begründete Anliegen von Nestlé, wie auch von allen anderen Unternehmen mit Sitz in der Schweiz.»

Von Nestlé heisst es wiederum, dass man Nährwertangaben unterstütze, aber: «Unsere Bedenken betrafen die ganz besondere Form der Kennzeichnung von Lebensmitteln mit Warnhinweisen. Wir glauben nicht, dass diese den Konsumentinnen und Konsumenten dabei helfen, eine gesündere Wahl zu treffen. Wir halten uns selbstverständlich an die geltenden Kennzeichnungsvorschriften in Mexiko.»

Doch Timo Kollbrunner, von Public Eye, sieht das anders. Er hat die internen E-Mails analysiert und sagt: «Letztlich diktiert Nestlé, wo die Probleme sind. Seco fragt bei Nestlé nochmals nach, wo man intervenieren soll. Dann wird es genau so gemacht, wie der Konzern vorschlägt.» Das sei zwar nicht illegal, aber problematisch, wenn ein Konzern die offizielle Schweizer Position vorgibt.

Der stellvertretender Gesundheitsminister von Mexiko findet die Haltung der Industrie unverantwortlich: «Die Ursache der Fettsucht-Epidemie ist das Überangebot und der Überkonsum genau derjenigen Produkte, welche diese Unternehmen herstellen.» Denn die Unternehmen würden ihre wirtschaftlichen Interessen über die Gesundheit der Bevölkerung stellen. (zen) (aargauerzeitung.ch)

DANKE FÜR DIE ♥
Würdest du gerne watson und unseren Journalismus unterstützen? Mehr erfahren
(Du wirst umgeleitet, um die Zahlung abzuschliessen.)
5 CHF
15 CHF
25 CHF
Anderer
Oder unterstütze uns per Banküberweisung.
Übergewicht in der Schweiz
1 / 4
Übergewicht in der Schweiz
Im Jahr 2017 sind vier von zehn Personen in der Schweiz übergewichtig oder fettleibig. Die Grafik zeigt den Anteil der Schweizer Bevölkerung ab 15 Jahren mit Übergewicht (BMI von 25 oder mehr), in Prozent. (Quelle: BFS, 2019)
quelle: bundesamt für statistik
Auf Facebook teilenAuf X teilen
Nestlé immer wieder in der Kritik. Das ist die Geschichte
Video: srf
Das könnte dich auch noch interessieren:
Rover «Idefix» fliegt zu Marsmond – Japanische Mission gestartet
Erstmals sollen Proben von einem der Monde des Mars zur Erde geholt werden. Mit an Bord der ins Weltall geschossenen Raumsonde: ein kleiner deutsch-französischer Rover namens «Idefix».
Zur Story