Das ist der Gewinner des Nobelpreises für Physik
Nobelpreis für Physik
Der diesjährige Physik-Nobelpreis geht an den in den USA tätigen gebürtigen Belgier Francis Halzen. Das gab die Königlich-Schwedische Akademie der Wissenschaften am Dienstag in Stockholm bekannt.
Er wird «für seine entscheidenden Beiträge zum IceCube-Neutrino-Observatorium und die Entdeckung hochenergetischer Neutrinos astrophysikalischen Ursprungs» ausgezeichnet.
Halzen erkannte demnach, dass sich das Eis am Südpol zur Verfolgung von Teilchen nutzen lässt, die als Neutrinos bekannt sind. Seine Vision und seine wissenschaftliche Führungsrolle seien von grundlegender Bedeutung für «IceCube» gewesen – ein Kubikkilometer Eis, der mit Sensoren ausgestattet ist. Mit dem Observatorium können Forscher Neutrinos aus extrem energiereichen Prozessen im fernen Universum erfassen.
Neutrinos – auch Geisterteilchen genannt – zählen zu den geheimnisvollsten Elementarteilchen. Sie besitzen keine elektrische Ladung und fast keine Masse und reagieren nur sehr schwach mit normaler Materie. Daher ist der Nachweis äusserst schwierig. Ein Neutrino sei ein geisterhafter Bote aus dem Weltraum, sagte der Vorsitzende des Physik-Nobelkomitees, Mark Pearce.
Im Mittel treffen in jeder Sekunde zehn Milliarden Neutrinos auf jeden Quadratzentimeter der Erdoberfläche. Wenigstens einige davon nachweisen sollen grosse Detektoranlagen wie «IceCube» im antarktischen Eis.
Nobelpreis für Physiologie und/oder Medizin
Der Nobelpreis für Medizin geht an die beiden Deutschen Peter Hegemann und Georg Nagel sowie den US-Forscher Karl Deisseroth. Ausgezeichnet werden ihre Entdeckungen im Bereich der Optogenetik, wie das Karolinska-Institut in Stockholm mitteilte.
Optogenetik ist eine Methode, mit der sich Zellen – meist Neuronen – mit Hilfe von Licht präzise an- oder abschalten lassen. Sie kombiniert genetische und optische Techniken, um in lebendem Gewebe und sogar in frei beweglichen Tieren gezielt zelluläre Aktivität zu steuern.
Hegemann und Nagel entdeckten das Protein Kanalrhodopsin (Channelrhodopsin), das Zellen empfindlich für Licht macht. Deisseroth setzte das Gen für dieses Protein in Neuronen von Ratten ein. Dadurch konnte er diese Nervenzellen mit Licht aktivieren.
Schweizer Forschung könnte profitieren
Der Medizin-Nobelpreis für Optogenetik hat auch für die Schweizer Forschung grosse Bedeutung. So arbeiten Basler Forschende daran, die Methode zu nutzen, um blinden Menschen einen Teil ihres Sehvermögens zurückzugeben.
«Der Nobelpreis ist extrem wichtig für die Schweiz», sagte Bence György vom Institut für Molekulare und Klinische Ophthalmologie Basel (IOB) und der Universität Basel gegenüber der Nachrichtenagentur Keystone-SDA.
Die Auszeichnung mache die Bedeutung der Optogenetik sichtbar und könne dazu beitragen, dass entsprechende Entwicklungen schneller bei Patientinnen und Patienten ankämen, hofft der Forscher.
Verschiedene Anwendungsmöglichkeiten
Eine Anwendungsmöglichkeit von Optogenetik betrifft blinde Menschen. Forschende am IOB versuchen, mithilfe der Optogenetik erblindeten Menschen einen Teil ihres Sehvermögens zurückzugeben.
Auch andere Zellen könnten künftig mithilfe von Optogenetik gesteuert werden. So wäre es laut György etwa denkbar, insulinproduzierende Zellen lichtempfindlich zu machen und ihre Aktivität gezielt mit Licht zu beeinflussen. Damit könnte die Methode eines Tages auch für die Behandlung von Diabetes interessant werden.
Der Zeitplan
In sechs Kategorien werden anfangs Oktober Nobelpreise vergeben:
- Montag, 5. Oktober: Physiologie und/oder Medizin
- Dienstag, 6. Oktober: Physik
- Mittwoch, 7. Oktober: Chemie
- Donnerstag, 8. Oktober: Literatur
- Freitag, 9. Oktober: Friedensbemühungen
- Montag, 12. Oktober: Wirtschaft
Der Preis
Personen, die mit einem Nobelpreis geehrt werden, erhalten nebst einer Medaille und einer Urkunde auch ein Preisgeld. Anlässlich des 125-Jahr-Jubiläums erhöhte die Nobelstiftung das Preisgeld auf 12 Millionen schwedische Kronen (ca. 990'000 Schweizer Franken), von den elf Millionen 2025.
Finanziert wird das Ganze mithilfe des Vermögens von Alfred Nobel. Nach seinem Tod floss dieses in einen Fonds. Die Gewinne daraus finanzieren den Nobelpreis.
Der Auswahlprozess
Im September des Vorjahres ruft das Nobelpreiskomitee Tausende Forschende, ehemalige Gewinner eines Nobelpreises sowie Professorinnen und Professoren von Universitäten der ganzen Welt dazu auf, Personen für die verschiedenen Kategorien zu nominieren. Sie haben dazu bis zum 31. Januar Zeit. Ausser ihnen darf niemand eine Person für einen Nobelpreis nominieren. Zudem darf sich keine Person selbst nominieren.
Von Februar bis September prüfen die 5-10-köpfigen Komitees ihre Vorschläge, diskutieren sie und sortieren die besten aus. Im Oktober werden die Laureates (Preisträgerinnen und Preisträger) gewählt und öffentlich verkündet. Ihre Siegermedaille, die Urkunde sowie das Preisgeld erhalten sie am 10. Dezember in Stockholm und Oslo.
Die einzelnen Nobelpreise können auf bis zu drei Personen aufgeteilt werden. Auch Organisationen wie das Rote Kreuz können mit dem Friedensnobelpreis ausgezeichnet werden.
Alfred Nobel
Alfred Nobel war ein schwedischer Chemiker und Erfinder. Seine bekannteste Erfindung war das Dynamit. Nach seinem Tod im Jahr 1896 hinterliess er ein Testament mit dem Wunsch, sein ganzes Vermögen zur Gründung einer Stiftung zu spenden. Grund dafür soll sein schlechtes Gewissen gewesen sein. Denn am Ende seines Lebens bereute Nobel, wie viel Zerstörung mithilfe von Dynamit angerichtet wurde.
Seine Stiftung soll jährlich eine Person ehren, die im vergangenen Jahr den grössten Nutzen für die Menschheit erbracht habe.
Der Nobelpreis wird jährlich am 10. Dezember übergeben, dies ist Alfred Nobels Todestag. Der erste Nobelpreis wurde erst 1901, fünf Jahre nach dem Tod von Alfred Nobel, an Wilhelm Conrad Röntgen für seine Entdeckung der Röntgenstrahlen verliehen.
(nil, mit Material von Keystone-SDA)
